Wirtschaft
Das tut weh.
Das tut weh.(Foto: AP)

Nehmer-Qualitäten erforderlich: Dax droht neuer Tiefschlag

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt brauchen auch in der neuen Woche starke Nerven. Die Kurse könnten sich Experten zufolge zwar noch etwas erholen, das Risiko eines Rückschlags bleibt aber.

Die neue Handelswoche dürfte der vorangegangenen an Spannung und Hektik in nichts nachstehen. Der Fokus der Anleger wird sich Händlern zufolge auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed und erneut auf die heftigen Kursschwankungen am Ölmarkt richten. "Auch die Entwicklung in China und die anziehende US-Berichtssaison sollten die Börsen bewegen", sagt Andreas Lipkow, Marktstratege beim Berliner Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. So stehen unter anderem Zahlen von Apple, Facebook, Boeing, Caterpillar und Johnson & Johnson an.

Spekulationen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Europa hatten den Dax in der alten Woche letztlich um rund zwei Prozent angetrieben. Seit Jahresbeginn steht allerdings immer noch ein Minus von mehr als neun Prozent zu Buche.

Die Stabilisierung der Ölpreise und die Aussicht auf weitere Geldspritzen durch die Europäische Zentralbank (EZB) hätten den Ausverkauf an den Aktienmärkten zwar scheinbar gestoppt, schrieb Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in einer Studie. Ob die Erholung eine Trendwende markiere, sei aber dahingestellt. Vielmehr dürften Schwankungen an der Tagesordnung bleiben.

"Die Gewinne bei den US-Firmen werden unter Druck kommen, in China haben sich verschiedene Blasen aufgebaut, die gerade platzen, am Energiesektor drohen Pleiten und steigen die Zinsen für Ramschanleihen massiv an. Doch steht eine Rezession weltweit bevor? Eher nicht, zumal dann nicht, wenn sich Ölpreis und die Konjunktur in den USA und China fangen. Dann könnten diese Tage die berühmte Chance sein, dann zu kaufen, wenn Blut auf den Straßen ist, wie Andre Kostolany es einmal martialisch beschrieb", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research gegenüber n-tv.de

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Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg bleiben skeptisch. Wenngleich die Aktienmärkte zu stark abverkauft erschienen, sei die seit dem Beginn der jüngsten Abwärtsbewegung Ende November verstrichene Zeit zu kurz für die Ausbildung eines tragfähigen Bodens. Größere Kurskorrekturen wie die derzeitige dauerten in der Regel zweieinhalb bis drei Monate.

Erneut dürften die Anleger nach Washington blicken, wo die US-Notenbanker am Dienstag und Mittwoch zusammen kommen. "Nachdem die Europäische Zentralbank die Tür für weitere Maßnahmen im März aufgestoßen hat, richtet sich der Fokus des Marktes nun auf die Fed", sagt Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. "Wie besorgt sind die US-Währungshüter angesichts der aktuellen Turbulenzen an den Märkten, angesichts der fallende Ölpreise, der Kapitalflucht in China oder der allgemeinen Schwäche der Schwellenländer?"

Der Ölpreisverfall, den viele Anleger als Zeichen für eine angeschlagene Weltwirtschaft sehen, wird sich nach Ansicht der Commerzbank-Experten fortsetzen. Sollten sich Medienberichte über eine Rekordförderung im Irak bestätigen, dürfte dies den Preis zusätzlich belasten. Die Aussicht auf ein weiter anschwellendes Überangebot hat den Rohstoff in den vergangenen beiden Wochen um rund 17 Prozent gedrückt.

Cryan steht Rede und Antwort

Bei den Unternehmen in Deutschland befindet sich wieder einmal die Deutsche Bank im Mittelpunkt. Am Donnerstag präsentiert der neue Chef John Cryan Details der tiefroten Jahresbilanz. Fragen gibt es noch genug: Wo brechen die Erträge im Konzern am stärksten ein? Steuert die Bank mit Kostensenkungen dagegen? Wird 2016 ein weiteres Verlustjahr, weil ein Ende der Belastungen etwa durch Rechtsstreitigkeiten nicht absehbar ist? Ist ein Börsengang der Postbank in diesem Jahr noch realistisch? Und wann beginnen nun die konkreten Gespräche zum Jobabbau in Deutschland?

Derweil kann Siemens -Chef Joe Kaeser auf der anstehenden Hauptversammlung am Dienstag bei vielen Aktionären mit Milde rechnen. Nach den zahlreichen Turbulenzen der vergangenen Jahre, nach Korruptionsaffären, Vorstandsrochaden und massenhaftem Stellenabbau sehnen sich viele Anteilseigner nach Ruhe.

Ansonsten berichten hierzulande vor allem Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe über ihre Geschäftsentwicklungen, während die Berichtssaison in den USA bereits voll in Fahrt ist.

Bei den Konjunkturdaten aus Deutschland sticht am Montag der Ifo-Index hervor, der die Investitionslaune der Unternehmen widerspiegelt. Am Freitag stehen die Verbraucherpreise für die Eurozone an. Wie Helaba-Experte Patrick Franke in einem Wochenausblick schreibt, liegt der Fokus auch auf Konjunkturdaten wie dem US-Auftragseingang langlebiger Güter sowie der ersten Schätzung zum US-Wirtschaftswachstum im vierten Quartal.

Quelle: n-tv.de

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