Wirtschaft
Ganz nah dran der Kursentwicklung: An der Frankfurter Börse zeigt die große Anzeigetafel, in welche Richtung es den Leitindex zieht.
Ganz nah dran der Kursentwicklung: An der Frankfurter Börse zeigt die große Anzeigetafel, in welche Richtung es den Leitindex zieht.(Foto: dpa)

"Befinden uns im Niemandsland": Dax dürfte unsicher starten

An den großen Börsenplätzen in Europa steht Anlegern ein bestenfalls verhaltener Handelsauftakt bevor: Gespannt beobachten Anlagestragen die weiteren Entwicklungen im US-Haushaltsstreit. Im Dax dürften sich Anleger nah an den Startlöchern halten.

Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit den beiden thematischen Brennpunkten US-Haushaltstreit und US-Geldpolitik dürfte an den Aktienmärkten weiterhin für Zurückhaltung sorgen. "Wir befinden uns derzeit in einem Niemandsland", sagte ein Händler. Die Impulse für stärkere Bewegungen sowohl nach oben wie auch nach unten fehlten, beklagte er. Vorbörslich zeichnen sich wenig veränderte Notierungen zum Handelsauftakt ab. Bei Lang & Schwarz sahen Experten den Dax zum Start bei 8663 Punkten, was einem prozentual unveränderten Einstieg entspricht.

Die USA erreichen voraussichtlich am 17. Oktober die Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen Dollar. Ohne eine Anhebung der Grenze drohen dann Zahlungsausfälle. Die USA wären dann nicht mehr in der Lage, all ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, was sich unter anderem negativ auf die Bonität des Landes auswirken dürfte. Daneben gilt es bis Ende September einen neuen Staatshaushalt zu verabschieden - die Grundlage für die Ausgaben im kommenden Jahr.

Konkretere Impulse könnte am Vormittag die Bekanntgabe der M3-Geldmengenzahlen der EZB setzen. Die Credit Agricole ist zuversichtlich, dass sich Kreditvergabe an den Privatsektor in den kommenden Monaten anziehen wird. Derzeit schrumpft sie um jährlich 3,7 Prozent.

Am Nachmittag steht dann die Drittveröffentlichung des US-BIP für das zweite Quartal auf der Agenda. Im Konsens wird eine Aufwärtsrevision auf 2,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal nach zuvor 2,5 Prozent erwartet.

Auf Unternehmensebene dürfte sich ein Teil der Aufmerksamkeit am Morgen auf die neuesten Spekulationen rund um Nokia verlagern: Nach dem Verkauf des Handygeschäfts an Microsoft vor wenigen Wochen werden bei Nokia Kreisen zufolge Erwägungen angestellt über ein Zusammengehen mit Alcatel-Lucent. Vor der Abgabe des Handygeschäfts hatte Nokia im Sommer Siemens aus dem gemeinschaftlich betriebenen Netzgeschäft NSN für 1,7 Milliarden Euro herausgekauft. "Die Rest-Nokia braucht wohl einen Partner", sagte ein Marktteilnehmer. Das Unternehmen sei vermutlich zu klein, um sich alleine im Netzwerkgeschäft behaupten zu können. Formelle Gespräche zwischen Nokia und Alcatel-Lucent soll es allerdings noch nicht geben. Weder von Nokia noch von Alcatel-Lucent war zunächst ein Kommentar zu erhalten.

Profiteur der bei Marktteilnehmern wieder gestiegenen Risikoaversion und der Suche nach Sicherheit sind derzeit die Anleihemärkte: In den USA stieß eine Emission fünfjähriger US-Staatsanleihen auf eine gute Nachfrage. Auch bei den europäischen Staatsanleihen wird mit einer Fortsetzung der jüngst gesehenen Aufwärtsbewegung gerechnet. Der Euro startet zum Dollar mit 1,3529 Dollar kaum verändert in den Tag und verteidigt damit das jüngst zum Dollar erhöhte Niveau. Hier machen sich US-Haushalt und -Schuldengrenze als Belastungsfaktor für den Dollar bemerkbar.

Zur Wochenmitte hatte der Streit um den US-Haushalt das Anlageverhalten der Investoren in Europa gelähmt: Nur wenige Anleger wagten sich mit größeren Engagements aus der Deckung. Die großen Börsenbarometer bewegten sich nur geringfügig. Der Dax schloss bei 8666 Punkten und damit nur einen Zähler oder 0,01 Prozent höher. Der Eurostoxx50 legte um 0,15 Prozent zu. An der Wall Street lagen die großen US-Indizes zum Handelsschluss in Europa leicht im Plus.

Einigung in "letzter Minute"?

Im späten US-Handel drehten die Kurse allerdings auch in New York ins Minus. Der Dow verabschiedete sich schließlich mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 15.273 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,3 Prozent auf 1692 Zähler. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq schloss 0,2 Prozent schwächer bei 3761 Punkten.

Sollte sich der Kongress nicht auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen, droht den USA Mitte Oktober die Zahlungsunfähigkeit. Angesichts der verhärteten Fronten zwischen Demokraten und Republikaner seien die Sorgen vieler Anleger um eine Einigung auf eine konjunkturverträgliche Refinanzierung der US-Schulden berechtigt, hieß es bei mehreren Banken. "Dass sie den Karren aber so richtig vor die Wand fahren, kann sich niemand hier vorstellen. Da wird es in letzter Minute sicher wieder eine Einigung geben - wie schon früher", fasste ein Börsianer zusammen.

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Quelle: n-tv.de

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