Wirtschaft
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10.000, 9900, 9800...: Dax erleidet Schiffbruch

Mit der Rabatt-Zusagen des Irak an asiatischen Öl-Kunden gerät die Abwärtsspirale weiter in Fahrt. Das belastet auch die Aktienmärkte. Der Dax verliert deutlich. Einzelne Werte erleben einen rabenschwarzen Tag.

Der deutsche Aktienmarkt macht einen kräftigen Satz zurück. Im Tagestief hatte der Leitindex seit dem gestrigen Schlusskurs mehr als 200 Punkte eingebüßt. Übergeordnet kehrt die Verunsicherung in den Handel zurück und Anleger machen Kasse. Vor allem der anhaltende Verfall des Ölpreises und schwache Vorgaben aus Übersee setzten den Investoren zu. Zudem stehen einmal mehr Chinas Wachstumsziele auf wackeligen Beinen. Und schließlich handelten die US-Börsen schwächer.

Am Ende hieß das für den Dax ein Minus von 2,2 Prozent auf 9793 Punkte. Damit hat das Börsenbarometer an nur einem Handelstag reichlich Luft zwischen sich und die Marke von 10.000 Zählern gebracht. Der MDax gab 1,4 Prozent auf 16.855 Stellen nach. Der TecDax brach ein und verlor 2,9 Prozent auf 1341 Zähler. Doch verweisen Anleger auch darauf, dass der Dax aus technischer Sicht mit dem Rückschlag die Grundlagen für den nächsten Teil der Jahresendrally legen könnte. "Der Dax baut die kurzfristige Überkauftheit nun ab", sagt Marktanalyst Achim Matzke von der Commerzbank.

Abgaben in London und Paris - Einbruch in Athen

Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 sackte um 2,4 Prozent auf 3169 Punkte ab. Auch in Paris, London und Mailand ging es deutlich um teilweise mehr als zwei Prozent hinab. Rabenschwarz verlief der Tag in Athen: Angesichts der vorgezogenen Präsidentenwahl und der Aussicht auf mögliche Parlamentsneuwahlen brach der Markt in Griechenland um 13 Prozent ein. Anleger fürchten die Hinfälligkeit der politischen Absprachen im Falle eines Regierungswechsels.

Mit Blick auf den Ölpreis hieß es, dass dieser gut für die Konjunktur sei. In den USA gerät nun aber der dort wichtige Markt für Unternehmensanleihen in Bedrängnis. Daher führen die Bankenwerte den Abschwung in Europa an. "Das ist die Angst vor dem Ausfall von Krediten an die Ölindustrie", sagt ein Händler. Die Konditionen für die Unternehmen hätten sich zuletzt rapide verschlechtert. Einige US-Unternehmen müssen bereits Renditen von über zehn Prozent bieten, heißt es bei Wellenreiter-Invest. "Da ist die Frage, wie die das im derzeitigen Umfeld verdienen wollen", sagte ein Teilnehmer.

Deutsche Bank brechen ein

Im Dax schlossen alle Werte im Minus. Am stärksten traf es das Index-Schwergewicht Bayer, das 3,9 Prozent verlor. Einem Händler zufolge strich eine Investmentbank ihre Kaufempfehlung für die Titel.

Deutsche Bank verloren 3,7 Prozent. Die USA verklagen Deutschlands größte Bank wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in dreistelliger Millionenhöhe. Wenngleich die Summe im Vergleich zu anderen Verfahren nicht sonderlich hoch sei, dürfte es die Stimmung der Investoren kaum aufhellen, sagte ein Händler. Schwergewicht. Das Verlierer-Trio wurde von der Lufthansa komplettiert. Oben reihten sich zudem Eon und RWE ein.

Stühlerücken bei BMW

Die Aktien von BMW büßten 2,9 Prozent ein. Ein Experte verwies auf einen Konflikt mit Händlern des Autokonzerns in China - dabei gehe es um Rabatte, Ersatzteile und Verkaufsziele. Zudem hat der Rivale Volkswagen den Entwicklungschef der Münchner, Herbert Diess, abgeworben und holt ihn zu sich in den Konzernvorstand. Schließlich teilte der Konzern den anstehenden Amtsverzicht von Norbert Reithofer mit. Ihm folgt im Mai der bisherige Produktionschef Harald Krüger.

Auch in der zweiten Reihe geht es dramatisch bergab. Einzig ein Quartett um die beiden Immobilienwerte Gagfah und Deutsche Annington sowie Hannover Rück und Symrise stemmten sich erfolgreich gegen den Absturz.

Am stärksten abwärts ging es für Stada, die 4,1 Prozent nachgaben. Leoni verbilligten sich um 3,5 Prozent. Jungheinrich fielen um 3,1 Prozent zurück.

Im TecDax sind die Gewinnmitnahmen besonders ausgeprägt, denn der Index hat seit Jahresbeginn über 15 Prozent zugelegt - deutlich mehr als andere Indizes. Allen voran brachen Nordex ein und verlieren 6,7 Prozent. "Die Schwäche der Ölwerte schwappt zunehmend auf die Anbieter erneuerbarer Energien über", sagt ein Händler. SMA Solar gaben um gut 3,8 Prozent nach. Software sinken um 4,2 Prozent. Dialog Semiconductor verlieren 3,5 Prozent. Allerdings haben die Papiere des Apple-Zulieferers seit Jahresbeginn auch über 80 Prozent gewonnen.

Quelle: n-tv.de

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