Wirtschaft
Der Dax schloss am Ende mit einem deutlichen Plus von 0,9 Prozent bei 12.006 Punkten.
Der Dax schloss am Ende mit einem deutlichen Plus von 0,9 Prozent bei 12.006 Punkten.(Foto: picture alliance / dpa)

New York zittert vor der Zinswende: Dax erobert die 12.000er Marke zurück

Nach verhaltenem Start zeigt der Dax im Verlauf des Handelstages seine alte Stärke und steigt wieder über die 12.000-Punkte-Marke. Stützend wirken die glänzenden Konjunkturdaten aus Deutschland und der Eurozone.

Der deutsche Leitindex Dax legte heute kräftig zu und konnte wieder die 12.000-Punkte-Marke erobern. Unterstützung kam von guten Konjunkturdaten: Der deutsche Einkaufmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe ist im März auf 52,4 von zuvor 51,1 gestiegen und damit deutlich stärker als erwartet. Dadurch ist auch der Index für die Eurozone stärker gestiegen als gedacht. Deutlich ins Minus gerutscht waren nach dem Flugzeugabsturz in Südfrankreich die Lufthansa- sowie die Airbus-Aktie.

Unter Führung der Mailänder Börse zogen die Aktienkurse in ganz Europa wieder an. Noch stärker als in Mailand ging es in Athen nach oben, der Index gewann 3,7 Prozent. Trotzdem belegt Athen in einer Liste von 44 großen und mittelgroßen Länderbörsen dieses Jahr immer noch den letzten Platz, mit einem Minus von etwa 5 Prozent seit Jahresbeginn.

Enttäuschende Konjunkturdaten aus China verpufften derweil weitgehend. Der von der Bank HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist im März unerwartet auf den tiefsten Stand seit elf Monaten gefallen und zudem in den Kontraktionsbereich unter 50 abgerutscht.

Deutschland: Lufthansa verringern Abgaben nach Unglück

Der Dax schloss am Ende mit einem deutlichen Plus von 0,9 Prozent bei 12.006 Punkten. Der Nebenwerte-Index MDax gewann 0,7 Prozent auf 20.834 Zähler.

Wieder leicht nach oben ging es auch für den TecDax, der um 0,3 Prozent auf 1642 Punkte stieg. Der Euro-Stoxx-50 legte 1,0 Prozent zu auf 3735 Punkte.

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Lufthansa und Airbus lösten sich deutlich von den Tagestiefs. "Das ist aber nur die halbe Wahrheit", sagte ein Derivate-Händler. Die Derivate-Seite sei völlig ausgetrocknet, Marktteilnehmer hätten ihre Quotes herausgenommen. "Anleger würden sich absichern, wenn Kurse gestellt würden", sagte er. Dann würde es aber terminmarktorientierte Verkäufe geben, die den Kurs belasten würden. Lufthansa schlossen mit minus 1,6 Prozent, vorübergehend hatte der Kurs mehr als 4 Prozent verloren. Airbus gaben 0,3 Prozent nach.

Größte Gewinner im Dax waren die Aktien von Adidas, die 2,7 Prozent zulegten. Commerzbank gewannen 2,7 Prozent. Auch die Aktien von Deutsche Bank und VW zogen überdurchschnittlich stark an.

Im MDax geht es für Fuchs Petrolub zunächst bergab, am Ende schloss die Aktie aber mit einem Aufschlag von 0,3 Prozent. Der Rückgang des Ölpreises könnte den Umsatz des Schmierstoffherstellers in diesem Jahr stagnieren lassen.

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Im TecDax brachen LPKF Laser um 13,4 Prozent ein. "Es hat den Anschein, als ob das Unternehmen der eigenen Prognose nicht recht traut", sagte ein Händler. Das obere Ende der für 2015 in Aussicht gestellten Spanne für das operative Ergebnis liege zwar leicht über der bisher genannten Spanne, allerdings schränke das Unternehmen dieses Ziel im Geschäftsbericht 2014 mit der Bemerkung wieder ein, dass "aufgrund der aktuellen Auftrags- und Projektsituation diese Planung als ambitioniert eingeschätzt" werde.

Die ehemalige TecDax-Aktie Euromicron brach sogar um mehr als 23 Prozent ein. "Das Vertrauen der Aktionäre in das Unternehmen ist schwer beschädigt", so ein Aktienhändler. Die Aktie sei nun erst einmal "verbrannt", es dürfte dem neuen CEO schwer fallen, das Vertrauen in naher Zukunft zurückzugewinnen. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, dass im Zusammenhang mit der Erstellung des Konzernabschlusses für 2015 Bilanzierungsfehler in den Abschlüssen der Vorjahre festgestellt wurden.

USA: Wall Street schließt im Minus

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Spekulationen über das bevorstehende Ende der mittlerweile mehr als sechsjährigen Niedrigzinsphase haben den Handel an der New Yorker Wall Street belastet. Daten zu den Verbraucherpreisen und vom Immobilienmarkt hätten zahlreichen Börsianer neues Futter geliefert: Mehr und mehr Analysten gehen nun davon aus, dass die US-Notenbank schon bald an der Zinsschraube drehen dürfte.

Der Dow-Jones-Index beendete das Marktgeschehen am Dienstag mit einem Abschlag von 0,58 Prozent auf 18.011,14 Punkten knapp über seinem kurz zuvor erreichten Tagestief. Der breiter angelegte S&P-500-Index verlor 0,61 Prozent auf 2091,50 Punkte, nachdem er sich am Vortag noch bis auf knappe 5 Punkte seinem Rekordhoch von Ende Februar genähert hatte. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 gab um 0,33 Prozent auf 4430,99 Zähler nach.

Da die US-Notenbank erst im Falle einer zunehmenden Inflation die Leitzinsen anheben will, wurden die Verbraucherpreise besonders gründlich unter die Lupe genommen. Im Februar war die Inflation im Jahresvergleich konstant geblieben und im Monatsvergleich um 0,2 Prozent gestiegen. Zudem hatten die Verkäufe neuer Häuser im Februar überraschend zugelegt, was ebenfalls unter dem Aspekt einer baldigen Zinsanhebung betrachtet wurde.

Darüber hinaus hatte der Präsident der Notenbank von St Louis, James Bullard, bei seinem Besuch in London über ein anziehendes Wachstum der US-Wirtschaft im zweiten Quartal gesprochen. Für das Gesamtjahr rechnet er mit einem Plus von 3 Prozent, was ebenfalls für eine baldige Zinsanhebung sprechen würde, wie es ab der Wall Street hieß. Bullard selbst sagte dazu: Die Bedingungen für eine "Normalisierung" der Zinsen in diesem Jahr seien gegeben.

Devisen: Euro sinkt wieder unter 1,10 Dollar

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Der Euro hat seine zwischenzeitlichen Gewinne nicht halten können. Nachdem die Gemeinschaftswährung gegen Mittag über die Marke von 1,10 US-Dollar gestiegen war, gab sie im weiteren Verlauf nach und lag am späten Nachmittag bei 1,0905 Dollar. Das war etwas weniger als am Morgen.

Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,0950 (Montag: 1,0912) Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 0,9132 (0,9164) Euro. Profitieren konnte der Euro zunächst von robusten Wirtschaftsdaten aus dem Währungsraum.

Rohstoffe: Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise büßen ihre zwischenzeitlichen Gewinne wieder ein, belastet von der Dollar-Erholung. Für ein Barrel der Sorte WTI müssen aktuell 47,38 Dollar bezahlt werden, nach 47,45 Dollar zum Settlement am Vortag. Ein Fass Brent kostet nun 55,65 Dollar und damit so viel wie am Vortag.

Asien: Daten belasten Börsen

Die enttäuschenden Konjunkturdaten aus China haben am Dienstag Anlegern in Fernost die Stimmung verdorben. In Tokio verlor der Nikkei-Index 0,2 Prozent auf 19.713 Punkte. Damit entfernte er sich nicht weit von dem zum Wochenanfang erreichten 15-Jahres-Hoch. Die Aussicht auf höhere Erträge habe die Kursverluste bei japanischen Unternehmen im Zaum gehalten, sagten Analysten.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans büßte nach den China-Daten anfänglich stärkere Gewinne nur zum Teil wieder ein und lag 0,2 Prozent im Plus. Auch in China machten Investoren nach neun aufeinanderfolgenden Tagen mit Kursgewinnen Kasse.

Quelle: n-tv.de

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