Wirtschaft
Der Dax: Von US-Daten geschoben - von Sanktionen gebremst.
Der Dax: Von US-Daten geschoben - von Sanktionen gebremst.(Foto: picture alliance / dpa)

Dow schiebt - Russland bremst: Dax erobert verlorenes Terrain zurück

Andere Vorzeichen - gleicher Hintergrund: Derzeit wird die Richtung am Aktienmarkt maßgeblich von der Wall Street bestimmt. Für einen Dämpfer sorgt schließlich die Einigung innerhalb der EU auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach deutlichen Abgabe zuletzt fester präsentiert. Nach lange Zeit unentschlossenem Handel sorgten solide Unternehmensdaten aus den USA sowie ein sich auhellendes Verbrauchervertrauen aus der weltgrößten Volkswirtschaft für Rückenwind. Einen Dämpfer erhielt der Handel dann mit der Einigung der EU-Diplomaten auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Betroffen sind neben der Ölindustrie, der Finanzsektor sowie die Rüstungsindustrie, hieß es aus Diplomatenkreisen.

Letztlich zog der Leitindex Dax 0,6 Prozent auf 9654 Punkte an. Die Handelsspane betrug 120 Punkte. Der MDax legte 0,2 Prozent auf 16.218 Punkte zu. Der TecDax kletterte sogar um 0,9 Prozent auf 1253 Stellen. Der Eurozonen-Leitindx Eurostoxx 50 gewann 0,5 Prozent auf 3189 Punkte. Die guten US-Daten setzten auch den Euro erheblich unter Druck.

"Die Berichtssaison läuft ordentlich und ich erwarte mehr positive als negative Überraschungen", sagte Commerzbank-Stratege Peter Dixon. Bislang hat fast jedes dritte im Stoxx Europe 600 gelistete Unternehmen seine Quartalszahlen vorgelegt. Laut einer Blackrock-Studie haben gut zwei von drei berichtenden Unternehmen die Markterwartung übertroffen.

Die neuen EU-Sanktionen werden nach Ansicht der Essener National-Bank nicht nur Russland treffen. "Ohne Wirkung auf das europäische Wirtschaftswachstum werden die Sanktionen aufgrund der Handelsverflechtungen nicht sein. Über das Ausmaß lässt sich derzeit jedoch nur spekulieren, da es abhängig von der Dauer der Sanktionen sein wird", hieß es noch vor der Einigung.

Banken im Fokus

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Im Handel standen vor allem Banken im Fokus. Mit UBS und der Deutschen Bank legten zwei Branchengrößen Zahlen vor. So hat die Schweizer Großbank UBS trotz hoher Rückstellungen für Rechtsfälle und regulatorische Kosten mehr verdient und die Erwartungen übertroffen. Zudem einigte sich die Bank im Steuerstreit mit Deutschland. Die Analysten von Sarasin bemängeln allerdings, dass die Margen in der Vermögensverwaltung enttäuschend ausgefallen seien.

Bei der Deutschen Bank offenbarte das Zahlenwerk Licht und Schatten: Operativ lief es besser als erwartet, doch der Nettogewinn enttäuschte wie Händler sagten. Allerdings zeigte der Bericht auch, dass der Branchenprimus im Fokus der Behörden wegen möglicher Ungereimtheiten beim Hochfrequenzhandel steht. Zudem stufte Moody's die Bank bei der langfristigen Bonität herab und sprach von einer bescheidenen Profitabilität. Am Ende legte der Titel leicht um 0,1 Prozent zu.

Autowerte geben Rätsel auf

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Im Dax gewannen allen voran HeidelbergCement 1,6 Prozent. Deutsche Börse legten ebenfalls 1,6 Prozent zu. Linde verteuerten sich um 1,5 Prozent. Von einer Punktlandung sprachen Experten mit Blick auf die Zahlen. Der starke Euro belaste weiter. Adidas erhöhten sich um 1,2 Prozent. Im Handel ist von einer technischen Gegenbewegung die Rede, nachdem die Unterstützung bei 70 Euro gehalten habe. Der übergeordnete Abwärtstrend in dem Papier sei weiter intakt. Neue Sanktionen gegen Russland könnten negative Auswirkungen haben. Daneben dürften die Anleger die Quartalszahlen am 7. August abwarten.

Erholt präsentierten sich die Autowerte: Daimler und Volkswagen drehten ins Plus. Zuvor war der Ausstieg langfristiger institutioneller Anleger beklagt worden. Als Ursache hatte die BHF Bank die schwache Ifo-Umfrage gesehen. Zudem dräut in China Ärger: Auf dem weltgrößten Automarkt haben Wettbewerbshüter deutschen und anderen Herstellern zu hohe Preise vorgeworfen. Ermittler forderten von ausländischen Oberklasse-Herstellern Preisnachlässe für Reparaturen und Ersatzteile. Einzig BMW verloren erneut und gaben 0,7 Prozent nach.

Japaner stornieren Airbus-Order

In der zweiten Reihe verteuerten sich Klöckner um 3,4 Prozent. Auf den Kauflisten oben reihten sich mit Deutsche Wohnen, TAG Immobilien, LEG Immobilien und Gagfah vier Immobilien-Werte ein. Hier wirkt Marktteilnehmern zufolge das Vorhaben des französischen Immobilienunternehmen Klepierres, das den niederländischen Wettbewerber Corio im Zuge eines Aktientauschs übernehmen will. Die Offerte hat ein Volumen von 7,2 Milliarden Euro. Durch die Transaktion entsteht ein Branchenführer mit einem Portfolio im Wert von 21 Milliarden Euro. Klepierres größter Aktionär ist der US-Immobilienriese Simon Property Group.

Osram gewannen 1,6 Prozent. Der Leuchtmittelhersteller will einem Bericht zufolge mehrere tausend Stellen streichen.

Unter Druck standen indes unter anderem Airbus, die 0,8 Prozent nachgaben. Dem Flugzeugbauer springt sein einziger japanische Kunde für den Superjumbo A380 ab. Skymark Airlines gab die Stornierung eines zwei Milliarden Dollar schweren Auftrags über sechs A380-Flieger bekannt. Nach eigener Auskunft konnte die Fluggesellschaft die Finanzierung nicht stemmen - und Airbus habe nicht neu verhandeln wollen.

Erleichterungsrally bei Aixtron

Im TecDax sprinteten Aixtron mit einem Aufschlag von 5,5 Prozent allen davon. "Der Turnaround rückt allmählich näher", sagt etwa DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer. Die verbesserte Stimmung der LED-Kunden sollte sich demnächst in steigenden Aufträgen beim Anlagenbauer widerspiegeln. Insgesamt seien die Zahlen im Rahmen der Erwartungen, schrieb LBBW-Analyst Fabian Süßenguth.

Jenoptik erhöhten sich um 2,1 Prozent. Grund ist eine Kaufempfehlung der DZ Bank. Das zweite Quartal dürfte weitgehend planmäßig verlaufen sein. Der Titel hat seit Jahresbeginn fast ein Fünftel eingebüßt. Der Technologiekonzern, der auch für die Rüstungsbranche produziert, war mit einem dicken Auftragspolster ins Jahr gestartet. Im ersten Quartal hatten Gewinn und Umsatz aber nur stagniert.

Wirecard zogen 1,9 Prozent an. Der Bezahldienstleister hat im zweiten Quartal seinen Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Vor allem der deutliche Margenanstieg wird positiv hervorgehoben.

Quelle: n-tv.de

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