Wirtschaft
Kommt die Geldschwemme der EZB?
Kommt die Geldschwemme der EZB?(Foto: REUTERS)

Börsen-Ausblick: Dax erwartet unruhige Woche

Tut sie es oder tut sie es nicht? Diese Frage kreist in den Köpfen der Anleger. Gemeint ist die Europäische Zentralbank, die über den breitangelegten Kauf von Staatsanleihen entscheidet.

An den Börsen wird es in der kommenden Woche vor allem um zwei Themen gehen: Den Kurs der Europäischen Zentralbank EZB und die Wahlen in Griechenland. Da viele Anleger inzwischen fest mit weiteren Konjunkturstützen der EZB rechnen, war der deutsche Leitindex Dax in der vergangenen Woche kräftig gestiegen. Am Freitag übersprang der Dax die Rekordmarke von 10.200 Punkten, bevor er mit einem Plus von 1,35 Prozent auf 10.167 Punkten aus dem Handel ging.

In der gesamten Woche gewann der Leitindex damit 3,8 Prozent. "Der Dax dürfte auf weitere Rekordhochs steigen, die Kurse dürften aber weiterhin stark schwanken", sagte Portfoliomanager Ludwig Donnert von Orca Capital. Dem Euro setzte die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik dagegen arg zu: Er fiel mit 1,1460 Dollar auf den tiefsten Stand seit 2003.

Investoren erwarten, dass EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag den Aufkauf von Staatsanleihen - im Fachjargon "Quantitative Easing" (QE) - ankündigen wird. Damit würde die Zentralbank viel Billiggeld ins Finanzsystem pumpen, was auch in den Aktienmarkt fließen würde. Dieser Kurstreiber der vergangenen Jahre würde also noch verstärkt werden.

"Dass die EZB liefern wird, scheint mittlerweile gesetzt. Die Frage ist jetzt, wie die Details und das Volumen aussehen werden", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure hatte zuletzt in einem Zeitungsinterview angekündigt, ein Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen müsse groß genug sein, um seine Wirkung zu entfalten. Zu einem möglichen Volumen von 500 Milliarden Euro, über das nach früheren Informationen von Insidern gesprochen wurde, wollte er sich nicht äußern. "Fällt das Volumen relativ klein aus, könnte der Euro zu einer Erholungsrally ansetzen", prognostizierte Wortberg. Überrasche die EZB die Anleger dagegen mit einer großen Summe, seien für den Dax neue Rekordmarken und für den Euro neue Tiefststände drin.

Allerdings könnte die EZB bei ihrer Entscheidung zunächst den Ausgang der Wahlen in Griechenland am 25. Januar und deren Folgen abwarten. So rechnen die Strategen der Deutschen Bank erst für Anfang März mit der Ankündigung des breitangelegten Kaufs von Staatsanleihen

Wie wählt Griechenland?

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Anleger fürchten, dass ein möglicher Wahlsieg der linken Syriza-Partei die Euro-Krise wieder aufflammen lassen könnte. Syriza-Chef Alexis Tsipras hat mehrfach angekündigt, den bisherigen Sparkurs aufzugeben und Reformen zurückzunehmen. Außerdem will er einen weitreichenden Schuldenerlass aushandeln.

Ein radikales Brechen mit der Sparpolitik hätte eine große Unsicherheit zur Folge, sagte Frank Wieser, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Packenius, Mademann & Partner. Sollte Griechenland langfristig tatsächlich aus der Währungsunion ausscheiden, wäre dies seiner Meinung nach aber nicht das Ende des Euro: Letztlich dürfte sich die Sichtweise durchsetzen, dass ein Ende mit Schrecken besser sei als ein Schrecken ohne Ende, sagt der Experte.

Auf der Konjunkturseite stehen die Stimmungsindikatoren im Euroraum im Fokus, darunter der ZEW-Index und die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich . Anleger hoffen darauf, dass der jüngste Preisverfall beim Öl und der schwächere Euro die Wirtschaft in der Währungsunion etwas anschieben werden.

In den USA konzentrieren sich die Investoren auf die an Fahrt gewinnende Berichtssaison. In den vergangenen Tagen enttäuschten Großbanken wie JP Morgan, Banc of America oder Citigroup allerdings mit ihren Bilanzen. In den kommenden Tagen lassen sich unter anderem Morgan Stanley, IBM, Ebay und General Electric in die Bücher schauen. Am Montag ist feiertagsbedingt zunächst eine Pause an den US-Börsen angesagt.

Von SAP -Chef Bill McDermott erhoffen sich Investoren hierzulande am Dienstag einen Ausblick für das laufende Jahr. Die Zahlen für 2014 hat das Unternehmen bereits mitgeteilt - der Softwarekonzern hat den Gewinn ungeachtet von Milliarden-Investitionen in das boomende Geschäft mit Cloud-Programmen leicht gesteigert.

Quelle: n-tv.de

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