Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Blick in die USA: Dax fällt zurück

Anzeichen einer Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft verhelfen dem deutschen Aktienmarkt zu einem guten Start in die Woche, der Leitindex Dax steigt auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren. Doch Nachrichten aus den USA sorgen für einen Dämpfer.

Der Leitindex Dax erreicht an der Börse in Frankfurt den höchsten Stand seit anderthalb Jahren, fällt nach enttäuschenden Konjunktrurdaten etwas zurück - schließt aber deutlich im Plus.

Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank machte eine ganze Reihe von Gründen für die anhaltend gute Marktstimmung verantwortlich: die chinesische Konjunktur stabilisiert sich neuen Daten zufolge offenbar, die US-Amerikaner dürften aus Sicht der Börse die zum Jahresende drohende Fiskalklippe erfolgreich umschiffen und Griechenland sei zumindest einstweilen vom Krisenradar verschwunden. Laut Händler Markus Huber von ETX Capital ist zudem die Hoffnung wieder gestiegen, dass Spanien zeitnah offiziell um finanzielle Hilfen bitten könnte.

Der Dax baute seine Gewinne der Vorwoche aus und stieg 0,4 Prozent auf 7435 Punkte. Für den MDax ging es um 0,1 Prozent auf 11.635 Zähler nach oben, während der TecDax um 0,2 Prozent auf 842 Punkte klettert.

Die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung der chinesischen Wirtschaft hatte den Aktienmarkt schon am Morgen gestützt. Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft setze ein Hoffnungszeichen für die globale Konjunktur, sagen Börsianer. "Die Prognosen für das nächste Jahr sind gut, und die chinesischen Daten bestätigen das", meint Marktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. "Auch der spanische Einkaufsmanagerindex gibt Grund zur Hoffnung, und so kurz vor Jahresende nimmt man einzelne Daten gern zum Anlass, um noch in den Markt einzusteigen." Das verarbeitende Gewerbe in Spanien ist im November zwar nochmals geschrumpft, allerdings war der Rückgang so gering wie zuletzt im Juli 2011.

Positive Grundstimmung

Chinas offizieller Einkaufsmanagerindex ist im November zum vierten Mal in Folge gestiegen - auf den höchsten Stand seit sieben Monaten.  Damit liegt er erstmals seit 13 Monaten über der entscheidenden Marke von 50 Zählern, die wirtschaftliches Wachstum signalisiert.

"Die chinesische Wirtschaft verbessert sich weiter, wenn auch die Überkapazitäten in Zukunft weiter ein großes Problem bleiben werden", sagt Wei Yao von der Societe Generale. Ein anderer Börsianer meint, es sehe danach aus, als ob die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft "eine harte Landung vermeiden konnte - zumindest vorerst". Die Furcht vor einer abrupten Abkühlung der dortigen Konjunktur habe wie ein Damokles-Schwert über dem Markt gehangen.

Hauptrisikofaktor für den Markt bleibe die drohende Fiskalklippe in den USA zum Jahreswechsel, hieß es. Insgesamt dürften die Aktienbörsen deshalb in ihrer breiten Seitwärtsbewegung verharren, bis der US-Haushaltsstreit gelöst sei. Die zurückhaltenden Töne aus der republikanischen und demokratischen Partei in den vergangenen Tagen deuten an, dass die Verhandlungen im Kongress zur Vermeidung automatischer Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zuletzt ins Stocken geraten sind. Dennoch sind die Finanzmarktakteure an den Börsen weiterhin zuversichtlich, dass ein Kompromiss noch rechtzeitig erzielt wird.

Europäische Einkaufsmanagerdaten der Industrie sorgen für wenig Impulse. Während die entsprechenden Indizes Italiens und Frankreichs niedriger waren als erwartet, konnten die spanischen Daten positiv überraschen. Die Einkaufsmanagerindizes Industrie der Eurozone und Deutschlands trafen derweil die Prognosen.

Einen zusätzlichen Schub erhielt der Markt mit der Nachricht, dass Spanien jetzt bei der EU einen formellen Hilfsantrag für seine Banken gestellt hat. Seit Wochen war darauf spekuliert worden. "Das ist der einzig vernünftige Schritt für die Institute, und deshalb wird das vom Markt honoriert", erläutert ein Händler.

Zur positiven Grundstimmung am Markt trug Händelern zufolge auch bei, dass das griechische Angebot zum Rückkauf von Staatsanleihen über dem Marktpreis liegt. Investoren hätten eine niedrigere Offerte befürchtet.

Am Nachmittag trübte der US-amerikanische ISM-Index die Stimmung. "Mit 49,5 hat er den niedrigsten Wert in diesem Jahr geliefert", so ein Händler zu dem Index. Besonders die Beschäftigungskomponente wertete er als Enttäuschung. Die deutlich gestiegenen Bauausgaben könnten kein Gegengewicht stellen. Diese sind per Oktober mit einem Plus von 1,4 Prozent deutlich oberhalb der Erwartung ausgefallen.

Deutsche Börse im Plus

Zu den am stärksten gefragten Dax-Werten zählten die Titel der Deutschen Börse mit plus 1 Prozent. Händler führen das auf einen Zeitungsbericht zurück, demzufolge der Börsenbetreiber die Zusammenarbeit mit einem chinesischen Partner vertieft.

Thyssenkrupp gewannen 0,3 Prozent. Börsianer verweisen auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach der brasilianische CSN-Konzern für die Stahlwerke in Übersee rund drei Milliarden Dollar biete. Zwar liegt der genannte Betrag Börsianern zufolge unter den jüngsten Erwartungen, ein Analyst verweist allerdings auf die mittlerweile günstige Bewertung der Papiere.

Im MDax kletterten die Aktien des Luft- und Raumfahrtunternehmens EADS um 2,6 Prozent. Angeblich haben sich Deutschland und Frankreich über die Neuordnung der Aktionärsstruktur geeinigt. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums wies das zwar zurück, bestätigte aber Verhandlungen.  Offenbar spekulierten einige Anleger darauf, dass EADS im Rahmen dieses Deals eigene Aktien zurückkaufe, sagt ein Börsianer.

Auch Rheinmetall gehörten zu den größten Kursgewinnern. Angesichts einer möglichen Lieferung von Radpanzern an Saudi-Arabien verteuern sich die Aktien des Rüstungskonzerns und Auto-Zulieferers um 1,5 Prozent.

Bei Wacker Chemie nutzen Anleger die jüngsten Kursverluste zum Einstieg. Die Aktien des Spezialchemiekonzerns gewinnen 1,8 Prozent an Wert. Am Freitag war der Titel aus einem der MSCI-Indizes abgestiegen und in der Folge unter Druck geraten.

Quelle: n-tv.de

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