Wirtschaft
Der Dax setzt den Aufwärtstrend der vergangenen Tage fort.
Der Dax setzt den Aufwärtstrend der vergangenen Tage fort.(Foto: dpa)

Wall Street nimmt Rekorde ins Visier: Dax feiert Wochenauftakt mit Gewinn

Das große Aufatmen am deutschen Aktienmarkt geht weiter. Nach dem abgewendeten Grexit greifen Anleger auch am ersten Tag der Handelswoche zu. Der Dax steigt weiter in Richtung 12.000er Marke. Gold hingegen ist weniger gefragt, der Euro bleibt günstig.

Einen Einstand nach Maß zelebrierte der Dax am ersten Tag der Handelswoche und setzte seine - mit nur einer Ausnahme am Freitag unterbrochene - Erfolgsserie fort. Nach einem Tageshoch knapp oberhalb der 11.800-Punkte-Marke waren es am Ende noch 0,5 Prozent mehr und 11.736 Punkte.

Erleichterung herrscht nach wie vor nach dem sich abzeichnenden Ende der griechischen Schuldenkrise. Die große Anspannung der letzten Monate sei nun erst einmal weg, sagte Chefhändler Matthias Jasper von der WGZ Bank. Der deutsche Aktienmarkt befinde sich nun im Entspannungsmodus. Allmählich kehrten die Anleger zur Normalität zurück. Die Stimmung bessere sich, zumal die Investoren mit einer guten Berichtssaison der deutschen Unternehmen rechneten. Anleger, die den steilen Anstieg des Dax seit Anfang Juli verpasst hätten, suchten nun ihre Chance.

In der vergangenen Woche bereits hatten Anleger erleichtert auf die vorläufige Abwendung einer griechischen Staatspleite reagiert - der Dax gewann mehr als drei Prozent. Mit Spannung warten Investoren nun auf die Wiedereröffnung der griechischen Banken nach dreiwöchiger Zwangspause. Die Börse in Athen blieb allerdings weiter geschlossen.

Während die Liquidität an die Börse strömte, sank Gold in der Gunst der Anleger weiter. Zwischenzeitlich fiel der Preis für die Feinunze auf den niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren, um sich dann wieder etwas zu erholen. Am späten Nachmittag notierte der Goldpreis bei 1111 Dollar. Auf der anderen Seite notierte der Euro mit 1,0853 Dollar etwas höher im Vergleich zum Freitag. Belastend für das Gold und positiv für den Dollar wirkte sich momentan aus, dass für den Herbst mit der ersten Zinsanhebung der US-Notenbank seit der Finanzkrise gerechnet wird.

Deutschland: Volkswagen wegen China unter Druck

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Der Dax schloss am Ende 0,5 Prozent höher und stieg auf 11.736 Punkte. Der MDax konnte 0,6 Prozent zulegen und kletterte auf 21.118 Punkte. Um starke 1,5 Prozent verbesserte sich der technologielastige TecDax, der auf 1828 Punkte stieg - der Index hatte zuvor bei 1840 Punkten ein weiteres Rekordhoch markiert. Für den Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 ging es 0,5 Prozent nach oben.

Spitzenreiter im Dax waren die Aktien von der Deutschen Bank, die 1,6 Prozent zulegten. Auf Platz zwei kamen Continental mit einem Zuwachs von 1,6 Prozent. Letzter waren hingegen Deutsche Börse mit einem Abschlag von 0,8 Prozent.

Ein Händler verwies auf den Schwächeanfall in der chinesischen Autokonjunktur: Bei VW ging der Absatz mit der Stamm-Marke im ersten Halbjahr deutlich um 6,7 Prozent zurück. Gleichzeitig hat Moody's auf Probleme für den Markt mit Luxus-Autos hingewiesen, die besonders BMW treffen könnten. Grund ist unter anderem eine Anti-Korruptions-Kampagne der Regierung. "Der chinesische Markt ist derzeit schwierig", sagte ein Händler. Volkswagen landeten mit einem Abschlag von 0,8 Prozent weit hinten im Dax, BMW notierten nahezu unverändert.

Im MDax legten Wincor Nixdorf 2,4 Prozent zu. Als positiv auch für IT-Konzern bewerteten Händler die Übernahmespekulation um NCR. Der Konzern ist wie Wincor im Geschäft mit Geldautomaten tätig. "Die Spekulation könnte nun auf Wincor übergreifen", sagte ein Händler. Allerdings blieben Marktteilnehmer vorsichtig, ob die Spekulation um NCR realistisch ist.

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Im TecDax kletterten Manz-Titel um 14 Prozent nach oben. Der Anlagenbauer hatte in seinem Geschäftsbereich Energy Storage Bestellungen im Wert von rund 50 Millionen Euro erhalten.

Der im SDax gelistete Graphitspezialist SGL Carbon verkauft einen Teil der Geschäfte seiner Luft- und Raumfahrttochter Hitco nach Kanada. Hitco steht schon seit einiger Zeit auf der Verkaufsliste von SGL. Wertberichtigungen bei der Luft- und Raumfahrteinheit hatten schon im vergangenen Jahr den operativen Gewinn belastet. Die Anleger reagierten erleichtert und schickten die SGL-Carbon-Aktie 3,8 Prozent nach oben.

USA: Dow Jones gibt ab, Nasdaq dreht auf

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Nach einem erneuten Rekordhoch der Nasdaq zum Wochenbeginn gerät nun auch der S&P-500 an der Wall Street ins Visier der Rekordjäger. Denn den marktbreiten Index trennen im Tageshoch nur noch rund fünf Punkte vom nächsten Rekordhoch. Allerdings dürfte es heute nicht für neue Höchststände im S&P-500 reichen, aber Börsianer sehen gute Chancen, dass es im Wochenverlauf passiert.

Der Nasdaq-Composite legte derweil vor und kletterte auf ein Allzeithoch bei 5.232 Punkten. Zum Handelsschluss notierte der Index 0,2 Prozent höher bei 5.219 Punkten. Der Dow-Jones-Index gewann 0,1 Prozent auf 18.100 Punkte. Der S&P-500 rückte um ebenfalls 0,1 Prozent auf 2.128 Punkte vor.

"Vergangene Woche hatten wir eine Kombination von Geschäftsberichten aus dem Bankensektor und dem Feiern der hinter uns gelassenen Griechenlandkrise, die den Markt angeschoben hat. Das liegt nun hinter uns. In dieser Woche erhalten wir Geschäftsberichte auf einer breiteren Basis, die uns einen genaueren Blick erlauben, wie gut das zweite Quartal gelaufen ist", sagt Marktstratege Art Hogan von Wunderlich Securities.

Allerdings warnen Händler vor zu viel Griechenlandeuphorie, denn die Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket hätten gerade erst begonnen und dürften sich schwierig gestalten. Neben dem Optimismus über die Rettung Griechenlands vor der Staatspleite dreht sich der Handel aber im Wesentlichen um die Berichtssaison, die bislang insgesamt besser als vorausgesagt verläuft.

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Dabei beherrschen die Geschäftsausweise von Morgan Stanley und IBM das Geschehen, wobei letzterer erst nachbörslich veröffentlicht wurde. Morgan Stanley sorgt schon einmal für einen Paukenschlag, denn die US-Investmentbank hat im zweiten Quartal sowohl bei den Einnahmen als auch beim Gewinn die Marktschätzungen übertroffen. Die Aktie legt um 0,4 Prozent zu.

Schwach, aber letztlich weniger dramatisch als befürchtet, so das Fazit der Börsianer zum Geschäftsausweis von Halliburton. Die Titel des Ölfeldausrüsters legen um 1,8 Prozent zu. Mit Hasbro überrascht ein weiteres Unternehmen in der abgelaufenen Periode positiv - Umsatz und Ergebnis liegen über Markterwartung. Die Papiere ziehen um 6,3 Prozent an.

Lockheed Martin hat nicht nur die Gewinnerwartungen für das zweite Quartal übertroffen. Der Rüstungs- und Technologiekonzern hat auch seine Jahresprognose angehoben. Zudem kauft der Konzern den US-Hubschrauberbauer Sikorsky. Die Aktien steigen um 1,5 Prozent. Microsoft steigen um 0,6 Prozent. Der Softwaregigant will sich laut Kreisen erneut mit einem Zukauf in Israel verstärken und soll eine Absichtserklärung zum Kauf der Cloud-Informationssicherheitsfirma Adallom unterschrieben haben. Der erwartete Kaufpreis liege bei rund 320 Millionen US-Dollar, heißt es.

Devisen: Euro hält sich über 1,08 Dollar

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Der Kurs des Euro stabilisiert sich im späten US-Handel bei 1,0835 Dollar und steht etwas höher als am Vortag. Am Morgen war die Gemeinschaftswährung noch bis auf 1,0821 US-Dollar gefallen. Das war etwas weniger als am Freitag, aber inzwischen der tiefste Stand seit Ende Mai. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagmittag auf 1,0889 Dollar festgelegt.

Der Euro wird seit Tagen tendenziell durch den zunehmend stärkeren Dollar belastet. Die US-Währung profitiert durch die Aussicht auf baldige Zinsanhebungen durch die US-amerikanische Notenbank Fed. Absehbar höhere Zinsen lassen eine Währung in den Augen von Anlegern attraktiver erscheinen.

Rohstoffe: Sorge vor Zinserhöhung lässt Goldpreis fallen

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Der Goldpreis setzte seine Abwärtstendenz fort und fiel auf den tiefsten Stand seit März 2010. Für die Feinunze mussten zum Settlement nur noch 1.106,80 US-Dollar bezahlt werden. Das waren 2,2 Prozent bzw 25,10 Dollar weniger als am Freitagabend.

Die Erwartung einer baldigen Zinserhöhung in den USA drückt weiter auf das Sentiment. Befeuert werden entsprechende Spekulationen von James Bullard, Präsident der US-Notenbankfiliale in St. Louis. Er sieht eine über 50-prozentige Chance für eine Zinsanhebung im September. Dies drückt auch den US-Rentenmarkt, wo die Renditen damit steigen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen legt um 2 Basispunkte auf 2,37 Prozent zu.

Die Rohölpreise bewegten sich auf einem Viermonatstief. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 1,5 Prozent bzw 0,74 Dollar auf 50,15 Dollar. Der Preis für Brentöl sank um 0,8 Prozent bzw 0,45 Dollar auf 56,65 Dollar. Vor allem die Aussicht auf ein höheres Angebot aus dem Iran und der feste Dollar belasteten den Ölpreis, hieß es im Handel.

Asien: Shanghai erholt sich, Tokio geschlossen

Im Blickpunkt in Ostasien stand erneut die Börse in Shanghai, wo es nach den jüngsten Turbulenzen und den Stabilisierungsversuchen durch die Behörden nach oben ging. Daneben stand der Goldpreis im Fokus, der am zu Wochenbeginn weiter abrutschte und zwischenzeitlich sogar unter 1100 Dollar je Feinunze gefallen war. In Tokio fand wegen des "Tag des Meeres" kein Handel statt.

Die Abwärtsbewegung bei Gold hatte sich bereits am Freitag im Gefolge starker US-Konjunkturdaten beschleunigt. Diese stützten den Dollar und weckten die Erwartung einer baldigen US-Zinserhöhung, was dem Goldpreis erheblich zugesetzt und ihn auf ein Fünfjahres-Tief gedrückt hatte.

In Shanghai ging es 0,9 Prozent nach oben, nachdem der Markt in der vergangenen Woche bereits um 3,5 Prozent zugelegt hatte. Über die längste Zeit des Tages hatte die Börse allerdings leicht im Minus gelegen. Vom Siebenjahres-Hoch im Juni ist der Leitindex indes immer noch um fast ein Viertel gefallen.

Die Bemühungen der Politik in Peking, den Markt wieder auf Touren zu bringen, scheinen zunächst einen gewissen Erfolg verbuchen zu können, nachdem der Absturz seit Anfang Juni Unsummen an Kapital vernichtet hat. Am Markt bleibt aber die Skepsis groß, ob die Maßnahmen weiter für Schwung sorgen. Dazu gehören die Handelsaussetzung einzelner Aktien, Zinssenkungen und der Stopp von Börsengängen.

In Hongkong konnten die Aktien des Brokerhauses Haitong Securities nicht von guten Ergebnissen profitieren. Der Nettogewinn im ersten Halbjahr hat sich mehr als verdreifacht. Die Aktie verlor dennoch 1,6 Prozent. Dagegen gewannen Li & Fung 1,6 Prozent, obwohl die Deutsche Bank die Aktie des Handelshauses auf "Sell" abgestuft hat.

Quelle: n-tv.de

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