Wirtschaft
(Foto: picture-alliance / dpa)

Wall Street mit Gewinnen : Dax geht angeschlagen aus dem Handel

Mit einem blauen Auge verabschiedet sich der Dax aus einem verlustreichen Börsentag. Das Minus beträgt am Ende nach zwischenzeitlich deutlicheren Abgaben immer noch fast zwei Prozent. Ursachen sind der festere Euro und Turbulenzen im Autosektor.

Ein Handelstag mit zeitweise herben Verlusten von mehr als drei Prozent endete für Dax-Anleger mit einem kleinen Schrecken: Der deutsche Leitindex konnte sich mit den ins Plus drehenden US-Börsen am späten Nachmittag wieder etwas erholen. Dennoch blieb für den Dax ein Minus von 1,7 Prozent, was gleichbedeutend mit einem Endstand von 9794 Punkten war. Ein festerer Euro, lethargischer Ölpreis und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen den Renault-Konzern lasteten schwer auf den Börsen in ganz Europa.

Aktien von Renault brachen am Mittag um bis zu 23 Prozent ein und zogen den gesamten europäischen Automobilsektor und auch die Börsenindizes mit in die Tiefe. Medien berichteten über eine Razzia bei dem Konzern wegen des Verdachts möglicher Verstöße bei den Abgaswerten von Fahrzeugen. Der Konzern bestätigte mittlerweile Durchsuchungen mehrerer Niederlassungen in der vergangenen Woche. Anschließend machte die Renault-Aktie wieder Boden gut und schloss am Ende mit einem Abschlag von 9,4 Prozent.

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Unter den Durchsuchungen bei Renault litt vor allem der Daimler-Kurs, der im Tief um mehr als 6 Prozent abrutschte. Daimler betreibt seit Jahren eine Kooperation mit den Franzosen und hat diese im vergangenen Jahr noch ausgeweitet. "Wir sind davon nicht betroffen", sagte eine Sprecherin des Konzerns auf Nachfrage.

Anleger flüchteten angesichts der Aktien-Baisse in sichere Werte: Bundesanleihen waren auf den höchsten Stand seit Anfang Dezember gestiegen. Die Rendite zehnjähriger Papiere, die sich stets umgekehrt zum Kurs verhält, fiel auf unter 0,5 Prozent.

Frankfurt: K+S sind der einzige Gewinner im Dax

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Der Dax schloss am Ende 1,7 Prozent tiefer und sank auf 9794 Punkte, nachdem er zuvor sogar ein neues Jahrestief bei 9615 Punkten markiert hatte. Für den Nebenwerte-Index MDax ging es 1,5 Prozent nach unten auf 19.296 Zähler. Noch heftiger erwischte es den TecDax, der 2,7 Prozent auf 1673 Punkte nachließ. Der Euro-Stoxx-50 verzeichnete ein Minus von 1,3 Prozent und fiel auf 3034 Punkten.

Im Sog von Renault verloren Daimler 3,6 Prozent, VW 3,7 Prozent und BMW 3,4 Prozent. Der europäische Automobilsektor gab um 3,9 Prozent nach.

Zu den größten Verlierern im Dax zählten auch die Aktien der Lufthansa mit einem Abschlag von 3,4 Prozent. Händlern zufolge belastete ein Bericht des "Handelsblatt", wonach die Fluggesellschaft Probleme mit der Billig-Tochter Eurowings hat. Vor allem zahlreiche Verspätungen sorgten demnach zuletzt für Ärger.

Die einzigen richtigen Gewinner im Dax waren die Aktien von Siemens mit einem Plus von 0,2 Prozent und von K+S, die sich um 3,0 Prozent verteuerten. K+S bastelt laut "FAZ" an einer neuen Abwehrstrategie für Übernahmeversuche. Manager hätten die Idee aufgeworfen, die US-Tochter Morton Salt in den USA teilweise an die Börse zu bringen.

Auf der Gewinnerseite im MDax standen Bilfinger mit einem Plus von 3,3 Prozent. Wie das Unternehmen mitteilte, will der Vorstand Angebote verschiedener Interessenten für die zentralen Divisionen des Segments Building and Facility "im besten Interesse der Gesellschaft und ihrer Aktionäre" einer näheren Prüfung unterziehen.

USA: Wall Street mit ordentlichem Plus

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Kursgewinne bei Energie- und Banktiteln gaben der Wall Street Auftrieb. Auslöser waren eine Stabilisierung der Ölpreise sowie der Quartalsbericht des größten US-Geldhauses JP Morgan, dessen Gewinn höher ausfiel als erwartet. Nach dem Börsenrutsch seit Jahresbeginn sei der Handel eher von Stimmungsschwankungen abhängig als von Fundamentaldaten, sagte Anlagestratege Bill Northey von U.S. Bank.

Der Dow-Jones-Index mit den Standardwerten notierte 1,4 Prozent fester und schloss bei 16.379 Punkten. Der breiter aufgestellte S&P-500 stieg um 1,7 Prozent auf 1922 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-Index kletterte 2,0 Prozent 4615 Stellen.

An der Wall Street standen Finanzwerte im Blick, nachdem JP Morgan als erste US-Großbank ihre Zahlen präsentierte. Im abgelaufenen Quartal steigerte der Branchenprimus seinen Gewinn überraschend stark und erzielte 2015 dank strikter Kostenkontrolle ein Rekordergebnis. JP-Morgan-Aktien zogen 1,7 Prozent an. Citigroup gewannen 0,7 Prozent, Wells Fargo 2,3 Prozent. Beide legen am Freitag ihre Ergebnisse vor.

Zu den Verlierern zählten Best Buy, die um 9,4 Prozent abrutschten. Der Elektronikhändler hatte zuvor von einem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft berichtet. Intel verbilligten sich um 0,6 Prozent. Der Chipriese legte nach Börsenschluss seinen Quartalsbericht vor.

Asien: Shanghai schafft die Wende und schließt im Plus

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Mit negativen Vorgaben der US-Börsen geht es auch an den ostasiatischen Börsen nach unten. In Asien fällt die Tokioter Börse mit besonders heftigen Verlusten auf. Der Nikkei-225-Index bricht zeitweise um über 4 Prozent ein, am Ende schließt er 2,7 Prozent tiefer auf 17.241 Punkten.

Beobachter machen dafür die überraschend schwachen Auftragseingänge im japanischen Maschinenbausektor verantwortlich. Dazu kommt, dass der in Krisenzeiten als Fluchtwährung beliebte Yen zum Dollar wieder kräftig aufgewertet hat, was wiederum die Aktien exportorientierter japanischer Unternehmen belastet.

Die Börse in Shanghai stand anfangs ebenfalls unter Druck. Mit Abgaben von zeitweise 2,6 Prozent war der Shanghaier Leitindex sogar unter das Tief gefallen, das er während des Börseneinbruchs im vergangenen Sommer verzeichnet hatte. Im späten Handel drehte der Markt ins Plus. Gestützt von lebhaftem Interesse an kleineren Unternehmen eroberte der Leitindex die Marke von 3000 Punkten zurück und schloss um 2 Prozent höher.

Rohstoffe: Öl über 31 Dollar

Der Ölpreis haben etwas Boden gutgemacht: WTI kostete am späten Abend mit 31,14 Dollar je Fass 2,2 Prozent höher als am Vorabend, Brent wurde mit 31,03 Dollar je Barrel 2,5 Prozent höher gehandelt. Zeitweise hatte die Aussicht auf ein anhaltendes Überangebot den Brentpreis auf ein Zwölf-Jahres-Tief von 29,73 Dollar gedrückt. Auslöser war der Wochenbericht des US-Energieministeriums vom Mittwoch, der weiter hohe Öl-Lagerbestände in den USA zeigte und damit die Ölpreise wieder unter Druck setzte.

Devisen: Euro klar unter 1,09 Dollar

Der Euro hat zwischenzeitliche Gewinne wieder abgegeben und am Nachmittag sein Tagestief von 1,0835 US-Dollar erreicht. Am späten Abend notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,0862 Dollar. Im Tagesverlauf war der Euro zwischenzeitlich wegen Spekulationen um den künftigen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) bis auf 1,0943 Dollar gestiegen. Die EZB hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,0893 (Mittwoch: 1,0816) Dollar festgesetzt.

Ein Anstieg der Ölpreise gepaart mit einer weniger schlechten Stimmung an den Börsen habe das Sicherheitsbedürfnis der Anleger am Nachmittag etwas gedämpft und den Euro dadurch geschwächt, hieß es aus dem Handel. Ähnlich wie der japanische Yen wird der Euro in unsicheren Zeiten von vielen Anlegern als sicherer Hafen aufgesucht.

Quelle: n-tv.de

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