Wirtschaft
Nach der Negativreaktion des Dax auf die US-Präsidentenwahl blicken die Frankfurter Aktienhändler wieder etwas optimistischer nach vorne.
Nach der Negativreaktion des Dax auf die US-Präsidentenwahl blicken die Frankfurter Aktienhändler wieder etwas optimistischer nach vorne.(Foto: picture alliance / dpa)

Sorge um US-Haushaltsstreit: Dax geht auf Tauchstation

Zunächst gewinnen die Märkte nach ihren heftigen Negativreaktionen auf die Wiederwahl Barack Obamas etwas an Vernunft. Doch die Angst vor der US-Fiskalklippe und der Euro-Krise schwebt weiter über den Anlegern – zumal die Krise nun erstmals auch deutsche Unternehmen hart trifft. Weil auch EZB-Draghi die Märkte enttäuscht, gehen die Börsen auf Tauchstation.

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Sorgen über den US-Haushaltsstreit und durchwachsene Quartalsberichte haben den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax machte zunächst Boden gut, verlor dann aber gut 0,4 Prozent auf 7204,96 Punkte. Am Vortag hatte der Leitindex in Reaktion auf die Wiederwahl Barack Obamas und den drohenden Stillstand bei der US-Haushaltssanierung einen Rückschlag von fast zwei Prozent erlitten. Der MDax verlor 1,18 Prozent auf 11 382,55 Punkte. Der TecDax fiel um 0,91 Prozent auf 806,68 Zähler.

Eine ganze Reihe von Quartalsberichten sorgte für Kursbewegungen. "Die heute vorgelegten Zahlen waren durchwachsen", sagte ein Händler. "Wirklich überzeugen kann kaum noch ein Unternehmen. Wenn die Zahlen gut sind, ist oft der Ausblick schlecht. Das reicht dann einfach nicht mehr." Angeschoben wurde der Dax unter anderem von Kursgewinnen beim Index-Schwergewicht Siemens mit einem Plus von 1,8 Prozent. Der Konzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr zwar einen Gewinnrückgang vermeldet und ein Sparprogramm aufgelegt. Die Zahlen seien besser ausgefallen als befürchtet, sagte ein Händler. Ein Plus von 3,4 Prozent verzeichneten die Aktien von HeidelbergCement. Umsatz und operatives Ergebnis des Baukonzerns waren im dritten Quartal gestiegen.

Commerzbank und Deutsche Post enttäuschen

Auf der Verliererseite standen die Aktien von Adidas mit einem Abschlag von 1,4 Prozent. Der Sportartikelhersteller ist wegen der rückläufigen Entwicklung bei der Tochter Reebok etwas pessimistischer für das Gesamtjahr als bisher und hatte seine Umsatzprognose gesenkt. Unter die Räder kamen auch die Papiere der Deutschen Post. Sie verloren 2,9 Prozent, nachdem der Konzern wegen der Neckermann-Pleite und höheren Gehältern für Briefträgern einen Gewinnrückgang verkündet hatte.

Verkauft wurden auch die Titel der Commerzbank. Der Gewinn der Bank war unter dem Strich geringer ausgefallen als Analysten erwartet hatten. Im vierten Quartal werde das operative Ergebnis wegen einer steigenden Risikovorsorge noch geringer ausfallen als die 216 Mio. Euro, die von Juli bis September erwirtschaftet worden waren, warnte die Bank. Die Bank will insbesondere das Privatkundengeschäft umbauen und bei der Restrukturierung auch Stellen streichen. Wieviele Jobs gefährdet sind, lässt die Bank weiter offen. Laut Medienberichten sind aber bis zu 6000 Arbeitsplätze gefährdet. Commerzbank-Aktien büßten 5,7 Prozent ein.

US-Fiskalklippe und EZB belasten Börsen

Zudem rückten die Haushaltsprobleme der USA nach der Präsidentenwahl weiter in den Vordergrund, sagte ein Börsianer. Die anfängliche Freude an den internationalen Finanzmärkten über die schnelle Entscheidung der US-Präsidentenwahl war am Mittwoch schnell verpufft. Denn kann sich der wiedergewählte Präsident Barack Obama nicht bis Januar mit dem US-Kongress über einen neuen Haushaltsplan einigen, treten automatisch Steuererhöhungen und Einsparungen in Kraft, die das Wachstum der US-Wirtschaft abwürgen könnten.

Auch die Zinsentscheidung der EZB belastete die Märkte. Die Zentralbank beließ den Leitzins im Euro-Raum am Nachmittag wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent, trotz der Schwäche der Konjunktur in den allermeisten Euro-Ländern. "EZB-Chef Mario Draghi hat bislang keine Hinweise darauf gegeben, dass die Zentralbank bald an der Zinsschraube drehen wird. Das könnte den ein oder anderen enttäuscht haben," sagte ein Analyst. "Draghi gesteht zwar ein, dass die Wachstumsdynamik in der Euro-Zone wohl schwach bleiben wird. Aber offenbar ist das für die EZB noch kein Grund, um aktiv zu werden."

Laut Draghi besteht das Risiko, dass sich die Konjunktur weiter abkühlen wird. Jüngste Erhebungen zeigten keine Verbesserungen in Richtung Jahresende, so der EZB-Chef. Schon am Mitwoch hatte Draghi die Märkte mit seiner Einschätzung aufgeschreckt, die Ausläufer der Euro-Krise hätten nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht. Nicht wenige Ökonomen können sich allerdings vorstellen, dass EZB-Chef Mario Draghi im Dezember oder zu Beginn des neuen Jahres nochmals an der Zinsschraube dreht.

Quelle: n-tv.de

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