Wirtschaft
(Foto: imago/Olaf Wagner)

Wall Street im Plus: Dax geht gebeutelt ins Wochenende

Eine wenig erhellende Börsenwoche mit insgesamt nur schmalen Gewinnen beendet der Dax mit Verlusten. Zu unsicher ist Anlegern die Lage angesichts der ausstehenden US-Zinsentscheidung kommende Woche. Die 10.200er-Marke ist erstmal passé.

Nicht aus der Deckung wagten sich die Anleger am letzten Tag der Handelswoche: Der Dax verbuchte bei niedrigen Umsätzen einen Verlust von 0,9 Prozent. Anleger hielten sich zurück und warteten auf die Zinsentscheidung der Fed in der kommenden Woche, meinte n-tv-Börsenreporterin Corinna Wohlfeil. US-Erzeugerpreise weckten gleichzeitig Sorgen vor einer Zinserhöhung kommende Woche.

Bislang nehmen die Erwartungen aber weiter ab, dass die Notenbank die Zinsen bereits jetzt erhöht. Davon profitierte der Euro, der auf knapp 1,13 Dollar gesprungen war und nun bei 1,1287 notiert. Die besseren Daten aus Italien zur Industrieproduktion wurden vom Markt nicht honoriert. In den USA wecken indes etwas höher als erwartet Produzentenpreise Zinserhöhungsbefürchtungen.

"Die Schwellenländer wie Brasilien in Turbulenzen, Verwerfungen in China und abknickende Börsen – die US-Notenbank wird in der kommenden Woche erneut eine Begründung finden, warum die Zinserhöhung einmal mehr verschoben wird", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research die kommende Woche der Fed-Entscheidungen. Denn ein Blick hinter die Fassade lasse erkennen, dass eben auch das Wachstum in den USA primär auf monetärem Sand gebaut ist. "Die massiven Anleihekaufprogramme haben die Wirtschaft angeschoben, doch diese ist von den niedrigen Zinsen nach wie vor abhängig. Deshalb zögert und zaudert Janet Yellen bei Zinserhöhungen."

Neben dem Thema Zinsen waren Impulse Mangelware. "Der Markt ist einfach nur in einer Handelsspanne und bleibt in dieser anfällig für stärkere Ausschläge nach beiden Seiten", sagte ein Händler zum Dax. Das untere Ende der Spanne sieht er bei knapp 10.000 Punkten, das obere Ende bei etwa 10.500 Punkten. Die Eröffnung der Wall Street trug zudem wenig zur Kauflaune bei: Dort startete der Dow Jones mit leichten Verlusten.

Deutschland: Gerry Weber stürzen ans MDax-Ende

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Der Dax schloss um 0,9 Prozent leichter auf 10.124 Punkten. Bei MDax zeigte sich ein Minus von 1,0 Prozent auf 19.560 Zähler. Verluste auch beim TecDax: 0,9 Prozent ging es nach unten auf 1715 Punkte, der Euro-Stoxx-50 gab 0,8 Prozent ab.

Im Dax standen RWE erneut unter Abgabedruck und büßten am Ende 3,4 Prozent ein. Laut "Rheinischer Post" droht dem Versorger in dem Handelsstreit mit der arabischen Dana Gas eine Milliarden-Strafe. Ein Schiedsgericht habe nun bestätigt, dass RWEST eine Vertraulichkeitsvereinbarung gebrochen habe. Hintergrund des Streits sind die gescheiterten Pläne zum Bau der Nabucco-Pipeline, an der RWE beteiligt war. Zudem hat die Société Générale ihr Kursziel auf 12,50 Euro gesenkt und die Verkaufsempfehlung bestätigt. Grund sei eine unsichere Dividendenhöhe.

Nach einer Herunterstufung ging es auch für Eon weiter bergab: Die Aktien des Versorgers rutschten auf ein frisches 20-Jahres-Tief und bildeten mit einem Minus von 4,4 Prozent das Schlusslicht im Dax. RBC hatte die Titel auf "Sector Perform" von "Outperform" heruntergesetzt und das Kursziel auf 10,50 von 14,50 Euro gesenkt. Am Vortag hatte die Aussicht auf einen Verbleib der deutschen Kraftwerke im Eon-Konzern die Aktien bereits um knapp acht Prozent ins Minus gedrückt.

Im MDax erwischte es Gerry Weber deutlich, die rund 12 Prozent einbüßten. Die Zahlen seien enttäuschend ausgefallen, insbesondere auf der Nettoseite seien die Erwartungen weit verfehlt worden, hieß es im Handel. Stada profitierten dagegen von einer Hochstufung auf "Buy" von KeplerCheuvreux und steigen um 4,8 Prozent.

Europa: Geplatzte Fusion belastet Telekom-Sektor

Belastend auf die europäischen Indizes wirkt die Absage der Fusion zwischen den skandinavischen Telekom-Konzernen TeliaSonera und Telenor. Laut Aussagen der Unternehmen konnten sie sich nicht mit der EU-Kommission über die Auflagen für eine Fusion einigen. "Das ist ein Rückschlag für die Unternehmen und für die gesamte Branche in Europa", kommentiert Pohjola-Analyst Kimmo Stenvall. Denn nur Firmenzusammenschlüsse (M&A) seien ein Weg, um im schwachen Wachstumsumfeld in Europa Werte für die Aktionäre zu schaffen. Der Markt habe daher mit weiteren Fusionen gerechnet.

Mit 2,3 Prozent Minus stellt Europas Telekom-Index daher die schwächste aller Branchen. Telenor und TeliaSonera fallen bis zu 1,6 Prozent. Stärker abwärts geht es bei als künftige Übernahmeziele betrachteten Aktien. So fallen die dänische TDC um 6,6 Prozent und Orange in Frankreich um 3,4 Prozent. Deutsche Telekom geben 2,1 Prozent nach.

USA: Wall Street mit Gewinnen

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Die Schaukelbörse setzt sich an der Wall Street fort. Nach den leichten Gewinnen am Vortag geht es zunächst abwärts, doch dann drehen die US-Indizes in den positiven Bereich. Der Dow-Jones-Index gewinnt 0,6 Prozent und schließt bei 16.432 Punkten. Der S&P-500 steigt um 0,5 Prozent, der Nasdaq-Composite ebenfalls 0,5 Prozent.

Einerseits befinden sich die Börsianer bereits in einer Art Warte-Modus, da die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Donnerstag nächster Woche nun immer näher rückt. Andererseits sorgt die Unsicherheit um diesen Termin immer wieder für heftige Ausschläge in beide Richtungen.

Konjunkturdaten werden daher nun besonders streng unter die Lupe genommen - so am Berichtstag die Erzeugerpreise, die mit einem unveränderten Stand etwas höher ausfielen als der erwartete leichte Rückgang. Ein Anziehen der Teuerung erleichtert der US-Notenbank die Zinswende. Kurz nach Handelsstart wird noch die Verbraucherstimmung aus Michigan mitgeteilt.

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Am Aktienmarkt stehen Pfizer im Blick, nachdem der Pharmakonzern vor einem britischen Gericht eine Niederlage in einem Patentfalll um den Umsatzbringer Lyrica verloren hat. Die Aktie verteuert sich um 0,6 Prozent nach.

Pläne des Flugzeugbauers Boeing finden Zuspruch bei den Analysten der Bank of America. Falls Boeing sich zur Produktion eines neuen Flugzeugs mit 200 bis 250 Sitzen entschließe, gebe es Nachfrage für fast 2.700 Stück, urteilen die Experten. Die Boeing-Aktie notiert um 0,3 Prozent fester.

General Electric setzt die Verkleinerung seiner Finanzsparte GE Capital fort und hat jetzt den Bereich Verkehrs-Finanzierung in einem nicht näher bezifferten Milliardengeschäft an die Bank of Montreal (BMO) verkauft. Außerdem könnte der US-Industriekonzern bald den Verkauf des Asset Managements auf den Weg bringen, das ein Vermögen von 115 Milliarden US-Dollar verwaltet. Entsprechende Überlegungen hat GE jetzt angekündigt. GE-Aktien steigen um 0,5 Prozent.

Asien: Anleger schalten in Warte-Modus

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Die ostasiatischen Märkte haben zum Wochenschluss bereits die Blicke auf die kommende Woche mit der Zinsentscheidung in den USA gerichtet. Die Akteure an den Aktienmärkten ziehen sich an die Seitenlinie zurück und warten ab. "Im jetzigen Stadium ist die Debatte über das Ob und das Wann für die Märkte schädlicher als der faktische Beschluss selbst", sagt Nomura-Analyst Tim Ash zur Stimmungslage. Tomoichiro Kubota von Matsui Securities verweist darauf, dass es "immer noch einige Spekulation auf einen Zinsanstieg" gebe. Die Instabilität dürfte daher zunächst erhalten bleiben.

Daneben stehen in China die Industrieproduktionsdaten für August auf dem Terminkalender. Folglich fallen die Kursbewegungen an den Börsen zum Wochenausklang ungewohnt gering aus.

In Tokio schließt der Nikkei knapp behauptet bei fast unverändert bei 18.264 Punkten. Für den Index steht dennoch ein Wochengewinn zu Buche - der erste seit fünf Wochen. Der Leitindex der Börse Shanghai schloss nahezu unverändert. Gestützt wurden die Asien-Börsen durch gute Vorgaben der Wall Street. Am meisten tut sich noch in Hongkong: Der Hang Seng lag im Plus. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans tendierte 0,2 Prozent fester.

Etwas stärker nach unten geht es in Korea mit 0,7 Prozent nach einem allerdings deutlichen Plus am Vortag. Für keine Überraschung sorgte die südkoreanische Notenbank.

Devisen: Euro steht auf der Stelle, Franken verliert

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Der Euro hat sich aufgrund hoher Ungewissheit über die künftige Geldpolitik in den USA nur wenig bewegt. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1280 US-Dollar und damit so viel wie am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1268 (Donnerstag: 1,1185) Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,8875 (0,8941) Euro.

Zum Schweizer Franken konnte der Euro weiter zulegen. Erstmals seit Mitte Januar, als die Schweizerische Nationalbank SNB ihre Kursobergrenze für den Franken aufhob, kostete ein Euro mehr als 1,10 Franken. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, verwies auf wirtschaftliche Bremsspuren in der "erfolgsverwöhnten Schweizer Wirtschaft". Der Franken sei trotz seiner jüngsten Schwäche immer noch überbewertet. Schweizer Waren und Dienstleistungen sind für Ausländer also immer noch teuer, was die Konjunktur belastet.

Rohstoffe: Opec-Sitzung fällt aus, Ölpreis fällt ab

Am Rohstoffmarkt haben die Ölpreise nach dem Votum des US-Senats für den Iran-Deal leicht nachgegeben. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 47,26 US-Dollar. Das waren 1,63 Dollar weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 1,72 Dollar auf 44,20 Dollar.

Saudi-Arabien hat laut einem Medienbericht eine außerplanmäßige Opec-Konferenz abgelehnt, die Venezuela wegen des rasanten Verfalls der Preise kürzlich vorgeschlagen hatte. Unterdessen hat Goldman Sachs die Prognose für den WTI-Ölpreis gesenkt und sieht ihn auf Monatssicht nun bei 38 statt bisher 45 Dollar, auf Sicht von 12 Monaten bei 45 statt bisher 60 Dollar. Der Markt sei noch stärker überversorgt als bislang gedacht, sagen die Analysten, die sogar im Extremfall ein Abrutschen des Preises auf 20 Dollar für denkbar halten.

Quelle: n-tv.de

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