Wirtschaft
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Preisstürze belasten ThyssenKrupp: Dax geht mit Verlusten aus dem Handel

Schwach gestartet, schwach geschlossen: Ein Handelstag zum Vergessen am deutschen Aktienmarkt. Zwischenzeitlich machen Hoffnungen auf einen baldigen Geldsegen der EZB den Anlegern Hoffnung. Die negativen Einflüsse überwiegen jedoch eindeutig.

Man muss in dieser Woche als Anleger schon starke Nerven haben, wenn man dem Dax durch die Wechselbäder der Kursentwicklungen folgt: Heute ging es zu Beginn zunächst kräftig runter, am Vormittag jedoch - nach Neuigkeiten vom Europäischen Gerichtshof -, schien der Index sich zu stabilisieren und verbuchte sogar ein kleines Plus. Bald jedoch verloren Anleger die Geduld - und verkauften.

Am Ende schloss der Dax mit einem Minus von 1,3 Prozent bei 9817 Punkten. Der Nebenwerte-Index MDax ließ um 0,8 Prozent nach auf 17.265 Zähler, der technologielastige TecDax sank um 0,9 Prozent auf 1422 Punkte.

Kurzzeitig gestützt wurde die Stimmung von der Hoffnung auf baldige neue Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB): Die Anleger stützten ihre Erwartungen auf die Rückendeckung des EuGH-Generalanwalts für EZB-Anleihekäufe. "Das ist ein Freifahrtschein für Draghi", sagte ein Börsianer. Aber nur für gewisse Zeit konnten verbesserte Aussichten auf baldige EZB-Anleihekäufe dem Dax aus der Verlustzone helfen.

Auf der Suche nach Gründen für die Verluste gab es verschiedene Erklärungen: Marktbeobachter sprachen zum einen von einer simplen Gegenbewegung zum starken Vortag mit einem Gewinn von am Ende 1,6 Prozent für den Dax. Gleichzeitig belasteten der niedrige Ölpreis, der weiter unter Druck stand, sowie der Preissturz beim Kupfer.

Den Markt verunsichert hatten auch negative Vorgaben aus Asien und der 420-Punkte-Swing an der Wall Street - dort waren die Kurse nach einem sehr festen Start vorübergehend deutlich ins Minus gedreht. "Das zeigt, dass die Dinge nicht in die richtige Richtung laufen", sagte Chris Weston von IG Markets. Die Deflationsgefahr nehme überall zu.

Für den starken Verlust am Nachmittag wurden auch schwache US-Einzelhandelsdaten verantwortlich gemacht: Die Einzelhandelsumsätze waren im Dezember um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen. Erwartet wurde lediglich ein Minus von 0,2 Prozent.

EuGH-Neuigkeiten bringen mittelfristig keine Trendwende

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Auch die Konjunkturprognose der Weltbank sorgte für Verunsicherung: Bis 2017 werde sich das globale Wachstum zwischen 3 und 3,3 Prozent einpendeln, hieß es im neu veröffentlichtem Weltwirtschaftsausblick. Vor einem halben Jahr lag die Prognose noch bei 3,4 Prozent, im Jahr 2006 hatte das Wachstum 4 Prozent betragen. Die globale Wirtschaft hat sich nach Einschätzung der Weltbank von den Folgen der Finanzkrise noch nicht vollständig erholt.

Die Ergebnisse von JP Morgan und Wells Fargo gaben den Märkten ebenfalls keine Impulse: JP Morgan enttäuschte mit weniger Umsatz und Gewinn als erwartet, Wells Fargo hingegen bestätigte die Erwartungen der Analysten. Am Vormittag veröffentlichte Zahlen zur Europäischen Industrieproduktion waren zwar besser als gedacht, konnten den Markt aber nicht nachhaltig stabilisieren.

Rohstoff-Titel geraten unter Druck

Bei den Einzelwerten gab es am Ende nur wenige Gewinner: Einer war das Papier von Fresenius Medical Care (FMC), das um 0,7 Prozent zulegte. Auf Platz zwei landeten Fresenius SE, die 0,6 Prozent gewannen, knapp vor Infineon, die 0,4 Prozent zulegten.

Für Commerzbank-Aktien hingegen ging es kräftig runter: Sie verloren 4,1 Prozent auf 10,59 Euro. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte Commerzbank von "Neutral" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 12,40 auf 10,30 Euro gesenkt. Bei der seit der Finanzkrise teilverstaatlichten Bank dürfte sich die Sorge um die Kapitalausstattung verstärken, schrieb Analyst Martin Leitgeb in einer Studie (weitere Analysen finden Sie auf www.telebörse.de).

Der Chemiekonzern Lanxess muss angesichts des anhaltenden Kursverfalls um seinen Platz im Leitindex Dax bangen. Der Kurs von Lanxess fiel zeitweise um mehr als drei Prozent auf 33,87 Euro. Damit markierten die Titel den tiefsten Stand seit Oktober 2011. Seit Jahresanfang haben die Titel damit rund neun Prozent verloren, 2014 lag das Minus bei insgesamt 26 Prozent. Am heutigen Tag stand Ende ein Minus von 2,9 Prozent - die Aktie kostete damit 34,03 Euro.

Unter Druck gerieten wegen fallender Rohstoff-Preise - wie etwa Kupfer - die Titel der selbigen Branche: Im Dax erwischte es ThyssenKrupp, die 5,7 Prozent verloren. Im MDax verbilligten sich die Aktien der Kupferhütte Aurubis, des Stahlhändlers KlöCo und des Stahlkonzerns Salzgitter um 3,9 bis 7,5 Prozent.

An der Spitze im MDax standen Fielmann-Aktien mit einem Zugewinn von 1,4 Prozent. Deutsche Annington und DMG Mori Seiki konnten zwischen 0,9 bis 0,6 Prozent zulegen.

Quelle: n-tv.de

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