Wirtschaft

Wall Street fährt Verluste ein: Dax geht mit dickem Minus aus dem August

Nach deftigen Verlusten in der Vorwoche bringt der letzte Handelstag im August dem Dax keine Besserung: Es geht weiter bergab. Schwache Asien-Börsen sorgen für Unmut unter den Anlegern. Die Wall Street verliert im August soviel wie zuletzt im Mai 2010.

Einen schwachen Start erwischte der Dax in die Handelswoche und schloss den ersten Tag mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 10.259 Punkten. Schuld an den Abgaben hatten negative Vorgaben aus Asien und wieder geschürte Spekulationen, dass es in den USA womöglich doch schon im September zu einer Zinserhöhung kommt.

So kam auch an den US-Börsen keine rechte Kauflust auf. Sorgen um Chinas Wachstum und die Zinswende hatten die Anleger erneut im Griff. Ein nach oben sausender Ölpreis konnte die Verluste etwas vermindern. Am Ende eines düsteren August steht im Dow-Jones-Index ein Monatsminus von 6,6 Prozent - so viel verlor er zuletzt im Mai 2010.

Für den gesamten August, der traditionell als kein guter Börsenmonat gilt, verbucht auch der Dax daher ein deutliches Minus, trotz der Erholung in der Vorwoche, in der sich der Dax rund zehn Prozent von seinem Montagtief wieder lösen konnte. Der Dax hat seit Anfang des Monats mehr als neun Prozent eingebüßt.

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Während es an der Börse in Shanghai nach der kräftigen Erholung am Donnerstag und Freitag am Montag wieder abwärts ging, brachte das viel beachtete Treffen der Notenbanker in Jackson Hole vom Wochenende keine grundlegend neuen Erkenntnisse zur Politik der US-Notenbank. Insgesamt wurden die Kommentare von dort aber als leicht falkenhaft verstanden, zumal demnach die Tür für eine erste Zinserhöhung im September weiterhin offen ist.

Der Euro notierte knapp über 1,12 Dollar und damit auf dem Niveau vor den "hawkish" klingenden ersten Aussagen von Notenbankvize Stanley Fisher bei CNBC am Freitagnachmittag. Dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag komme nun eine besonders hohe Bedeutung zu, hieß es an der Börse, denn in ihrem jüngsten Kommunique hatte die US-Notenbank erklärt, eine erste Zinserhöhung nach der globalen Finanzkrise sei angemessen, wenn es "weitere Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt gibt" und die Fed-Mitglieder "recht zuversichtlich sind", dass die Inflation auf das Fed-Ziel von zwei Prozent einschwenkt.

Deutschland: RWE nach Dividendenschock Schlusslicht im Dax

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Bergab ging es für den Dax, der 0,4 Prozent auf 10.259 einbüßte. Der MDax legte hingegen 0,1 Prozent zu auf 19.678 Punkte. Für den technologielastigen TecDax ging es ebenfalls nach oben, er stieg sogar um 0,7 Prozent auf 1707 Punkte. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 war jedoch auf dem absteigenden Ast und büßte 0,5 Prozent ein.

Im Dax gab es am Ende wieder einige Gewinner. An der Spitze landeten Infioneon, die um 2,1 Prozent zulegten. Fresenius notierten als zweitbester Wert 0,7 Prozent im Plus.

Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Versorger: RWE und Eon gaben 4,4 und 1,8 Prozent nach. Die Städte Duisburg und Essen stellen sich einem Medienbericht zufolge auf eine weitere Dividendenkürzung des Energieversorgers RWE ein. Tatsächlich ist wohl mit einem spürbaren Dividendenrückgang auf 0,50 bis 0,60 Euro zu rechnen", sagte der Essener Kämmerer Lars Martin Klieve der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Das Thema Dividendenkürzung sei schon mehrfach herumgereicht worden, sagte ein Händler. Auch Analysten rechnen damit, dass der von der Energiewende gebeutelte Versorger für das laufende Jahr seine Dividende kürzt.

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Die VW-Aktie verlor 1,1 Prozent. Ein Schiedsgericht in London hatte im Sinne Suzukis entschieden und den Verkauf des Pakets von 19,9 Prozent an dem japanischen Automobilkonzern gefordert. "Die Frage ist, wie das Paket in der VW-Bilanz steht", sagte ein Händler. Gegenüber dem Einstandspreis von 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2009 dürfte sich der Wert etwa verdoppelt haben. Das sei allerdings auch schon bekannt. "Aus strategischer Sicht macht die Beteiligung ohnehin keinen Sinn mehr", sagte Heino Ruland, Head of Research bei ICF. VW habe gehofft, über Suzuki einen Fuß in den indischen Markt zu setzen. Die Strategie sei aber nie aufgegangen.

In der zweiten Reihe machten Analysten die Kurse. Die Equinet Bank hat die Aktie von Deutsche Euroshop auf "Akkumulieren" hochgestuft, die Aktie legte um 2,7 Prozent zu. Die Credit Suisse soll laut Händlern Gerresheimer gleich um zwei Stufen auf "Outperform" erhöht haben. Der Kurs des Herstellers von Glasverpackungen stieg um 4,2 Prozent. Beim Kursverlust von Zooplus von 0,4 Prozent sprachen Händler von erneuten Gewinnmitnahmen. Der Kurs hatte sich vom Jahresbeginn bis Anfang August verdoppelt.

USA: Zins-Unsicherheit belastet Wall Street

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Die US-Börsen zeigen sich schwach am letzten Augusttag. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,7 Prozent auf 16.528 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,8 Prozent auf 1972 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 1,1 Prozent auf 4776 Punkte.

Anstatt die Märkte zu beruhigen habe das Notenbanker-Treffen in Jackson Hole am Wochenende das Gegenteil bewirkt, konstatiert Marktstratege Nour Al-Hammoury von ADS Securities. Die Unsicherheit sei noch gestiegen, die Märkte nach wie vor im Unklaren, ob die lange erwartete Zinserhöhung nun womöglich doch schon im September anstehe. Zuletzt war die Wahrscheinlichkeit dafür eher gesunken.

Umso mehr Bedeutung werde nun den am Freitag anstehenden monatlichen US-Arbeitsmarktdaten beigemessen. Am Montag fiel der Index der Einkaufsmanager in Chicago für August minimal schwächer aus als erwartet und lieferte somit keinen Impuls. Dafür lastet die weiter schwelende Unsicherheit über die Entwicklung in China. Dort machen Spekulationen die Runde, dass staatlicherseits der Aktienmarkt womöglich nicht mehr gestützt werden soll.

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An der Börse stehen die Aktien von Staples und Office Depot im Blick. Die beiden Büroausstatter sind ihrer Fusion ein Stück näher gekommen. Sie lieferten der Wettbewerbsaufsicht die gewünschten Informationen über ihre Geschäftsaktivitäten. Damit liege der Ball nun wieder im Feld der Regierung. Sie müsse entscheiden, ob ein Zusammengehen beider Unternehmen wettbewerbsrechtlich bedenklich sei, hieß es. Die Unternehmen gingen derzeit weiter davon aus, dass die Fusion zum Ende des Jahres stehen werde. Office Depot zeigten sich 1,4 Prozent fester, Staples gewannen 3,3 Prozent.

Twitter legten 3,6 Prozent zu. Die Experten von SunTrust hoben ihre Einstufung auf Buy hoch. Intel-Aktien profitierten von einem positiven Analystenkommentar und legten 0,4 Prozent zu. Northland Securities hat die Titel auf Outperform von Market Perform hochgestuft. Evercore hat die Aktien von Goldman Sachs und Morgan Stanley auf Buy hochgenommen. Die Papiere gewannen 0,5 bzw 1,2 Prozent. Die Deutsche Bank hat J.C.Penney auf Buy von Hold hochgestuft. Die Aktie stieg um 1,9 Prozent. United Tech verloren 1,8 Prozent, nachdem Barclays den Wert auf Equalweight gesenkt hat.

Asien: Verluste in China und Japan

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Die chinesischen Aktienmärkte präsentieren sich zu Wochenbeginn wieder im roten Gewand. Der Shanghai Composite verliert zwischenzeitlich rund 3,5 Prozent, kann einen Teil seiner Verluste gegen Handelsende aber wieder wettmachen und schließt 0,8 Prozent schwächer bei 3207 Punkten.

Nach der kräftigen Erholung am Donnerstag und Freitag ist der Kursrückgang komme der Rückgang allerdings nicht ganz überraschend, heißt es. Alleine am Donnerstag und Freitag hatte die Börse offenbar gestützt von Käufen der Regierung um 10 Prozent zugelegt.

Am Wochenende überraschte Peking die Investoren nun mit einer weiteren Maßnahme. Für die Schulden der Provinzen wurde eine Schuldenobergrenze von 16 Billionen Yuan (rund 2,2 Billionen Euro) festgelegt. Außerdem wurde verfügt, dass die Provinzen in diesem Jahr nur 600 Milliarden Yuan an zusätzlichen Schulden aufnehmen dürfen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. China versucht seit einiger Zeit, die rasant steigenden Schulden der Provinzverwaltungen in den Griff zu bekommen.

Derweil gibt es in den Ermittlungen der chinesischen Behörden wegen der jüngsten Börsenturbulenzen angeblich mehrere Geständnisse. So habe ein Reporter des angesehenen Wirtschaftsmagazins "Caijing" zugegeben, auf Grundlage von Gerüchten und eigener Mutmaßungen über den Aktienmarkt geschrieben zu haben, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua.

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Bergab geht es auch mit der japanischen Börse. Der Nikkei 225 sackt um 1,3 Prozent ab und schließt bei 18.890 Punkten. Sorge bereitet nach wie vor der Zustand der japanischen Wirtschaft. So fiel in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt im Juli die Industrieproduktion stärker als von den Analysten prognostiziert.

In Tokio Börse standen Aktien von Suzuki im Mittelpunkt des Interesses. Der Autobauer will die eigenen Anteile von Volkswagen zurückkaufen, nachdem mit einem Schiedsgerichtsurteil ein Schlussstrich unter den Scheidungskrieg der beiden Unternehmen gesetzt wurde. Die Aktien fielen um 1,7 Prozent. Um 0,9 Prozent zulegen konnten dagegen die Papiere des IT-Unternehmens Fujitsu. Goldman Sachs hatte sie zum Kauf empfohlen.

Devisen: Euro präsentiert sich fester

Der Euro erholt sich von seinen deutlichen Verlusten in den vergangenen Handelstagen erholt. Am Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,1234 US-Dollar und damit 0,5 Prozent mehr als am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1268 Dollar festgesetzt.

Zum Wochenstart richten sich die Blicke von Anlegern und Analysten auf neue Inflationszahlen aus dem Euroraum. Wegen der Preisrückgänge bei zahlreichen Rohstoffen wie Erdöl dürfte die ohnehin schwache Teuerung wieder auf dem Rückzug sein. Dies dürfte Spekulationen weiter anheizen, wonach die EZB ihre Geldpolitik weiter lockern könnte. Analysten erwarten einen solchen Schritt aber mehrheitlich nicht, wenn sich der geldpolitische Rat an diesem Donnerstag zu seiner regulären Sitzung trifft.

Rohstoffe: Öl dreht ins Plus

Mit den Ölpreisen ging es zunächst runter. Am späten Nachmittag deutscher Zeit explodierten die Preise jedoch. Binnen kurzem drehten sie abrupt ins Plus, so dass das Barrel der Sorte WTI vom Tagestief aus fast 13 Prozent zulegte. Auslöser waren Aussagen der Energy Information Administration (EIA), wonach die Ölförderung in den USA im bisherigen Jahresverlauf niedriger als bislang gedacht ausgefallen ist.

Hinzu kamen Äußerungen der Opec, sie sei zu Gesprächen mit anderen Produzenten bereit. Bislang hat das Kartell die Produktion trotz des stetig fallenden Ölpreises auf Mehrjahreshochs getrieben. Die Aussagen von EIA wie Opec milderten die Sorgen wegen einer Überproduktion.

Das Barrel der US-Sorte West Texas Internediate (WTI) haussierte mit 8,8 Prozent auf 49,20 Dollar. Für Brent ging es um 7 Prozent nach oben auf 54,32 Dollar. Bereits am Donnerstag und Freitag hatten die Anleger kräftig gekauft, so dass nun der höchste Dreitages-Gewinn seit August 1990 verzeichnet wurde.

Quelle: n-tv.de

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