Wirtschaft
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Wall Street in Wartestellung: Dax gerät in VW-Abwärtssog

Ein fallender Euro, ein steigender Ölpreis und kletternde Kurse an Chinas Börsen: Positive Impulse für den deutschen Aktienmarkt gibt es genug. Am Ende steht aber ein Abschlag. In New York gibt es eine Berg- und Talfahrt.

Zum Start in die neue Handelswoche hat die 9700-Punkte-Marke im Dax deutlich gewackelt, aber am Ende konnte der Leitindex sie halten. Nach einem Vorwochengewinn von mehr als drei Prozent gaben die Kurse zum Teil deutlich und auf Front nach. n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel sprach von "lähmender Unsicherheit". Ihre Kollegin Sabrina Marggraf verwies auf die anstehende Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB), von der die Anleger weitere geldpolitische Maßnahmen erwarteten.

Der Dax ging 0,5 Prozent tiefer aus dem Handel bei 9779 Punkten. Das Tagestief markierte der Leitindex bei 9690 Zählern, das Tageshoch bei 9804. Am Freitag war er bei 9824 Zählern aus dem Handel gegangen, das Tageshoch lag allerdings bei 9899. Der MDax schloss 0,5 Prozent leichter bei 19.683 Stellen. Der TecDax gab 0,8 Prozent auf 1640 Punkte nach.

"Der Dax hat sich in drei Wochen um mehr als 1000 Punkte erholt, ich denke jetzt ist ein wenig die Luft raus", kommentierte ein Händler. Stützend wirkte Marktteilnehmern zufolge die mit Spannung erwartete Wachstumsprognose des chinesischen Volkskongresses. Hier habe es kein Störfeuer für die Börsen gegeben, hieß es. "Der Bericht des chinesischen Volkskongresses scheint an den Märkten als vorsichtig optimistisch interpretiert zu werden", sagte Angus Nicholson von IG Markets.

Politische Themen standen auch in Europa mit dem Türkei-Gipfel der EU im Blick. Das große Augenmerk war aber bereits auf den Donnerstag gerichtet: Dann wird die EZB nach Einschätzung der meisten Ökonomen Schritte gegen die niedrige Inflation ergreifen. Von Zinssenkungen bis hin zu zusätzlichen Wertpapierkäufen gilt vieles als möglich.

Rohstoffe: Brent auf Kurs 40 Dollar

Die Ölpreise stiegen zwar kräftig, verfehlten aber diesmal ihre stützende Wirkung auf die Aktienmärkte. Außerdem hieß es, die steigenden Ölpreise lieferten der US-Notenbank ein Argument, die Zinsen anzuheben, was der Aktienmarkt nicht gerne sähe. Denn mit steigenden Ölpreisen dürften auch die Preise insgesamt in den USA wie von der Fed gewünscht anziehen. Die erneut gesunkene Anzahl der in den USA in Betrieb befindlichen Bohrlöcher befeuerte die Hoffnung auf fallende Fördermengen in den USA. Der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate Suhail al-Mazrouei sagte außerdem, dass die aktuellen Preise die Ölförderer regelrecht zum Einfrieren ihrer Quoten zwängen.

Für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI wurden mit 37,99 Dollar 5,8 Prozent mehr aufgerufen als noch am Freitag. In der abgelaufenen Woche hatte WTI knapp 10 Prozent zugelegt. Auch die Nordseesorte Brent stieg, sie kostete erstmals seit Jahresanfang wieder mehr als 40 Dollar. Zuletzt verteuerte es sich gegenüber dem Settlement am Freitag um 5,3 Prozent auf 40,77 Dollar.

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Die Analysten von Barclays sehen die jüngste Ölpreisrally jedoch nicht fundamental unterfüttert. Dazu passten Aussagen des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani. Nach Aufhebung der Sanktionen erobere der Iran konsequent Marktanteile zurück, so seine Einschätzung.

Goldpreis legt zu

Auch Gold setzte seinen jüngsten Aufwärtskurs trotz steigender Dollarnotierungen unbeirrt fort. Nach einem 13-Monatshoch zum Wochenschluss kletterte der Preis für die Feinunze auf 1269 von 1260 Dollar. Negative Zinsen in Europa und Japan sowie ein schwaches Wachstum in China sprächen für das Edelmetall, hieß es.

Dax: Handlungsdruck bei BASF?

Bei den Einzelwerten im Dax schauten die Anleger unter anderem auf BASF. Hier gab es Berichte, wonach der Konzern an einem Übernahmeangebot für Dupont interessiert sein könnte. Das sei spekulativ, aber nicht ganz auszuschließen, hieß es im Handel. "Mit der sich fortsetzenden Konsolidierung in der weltweiten Chemiebranche stellt sich die Frage, wo BASF am Ende eigentlich bleibt", so ein Händler. Mit der Übernahme von Syngenta durch ChinaChem und dem Zusammenschluss von Dupont und Dow Chemical sei BASF unter Handlungsdruck geraten. BASF drehten zum Ende 0,3 Prozent ins Plus.

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Bei den Banken rückten Commerzbank mit einem Führungswechsel in den Vordergrund. Hier tritt Martin Zielke die Nachfolge von Martin Blessing an. Blessing hatte es geschafft, die Coba im vergangenen Jahr wieder deutlich in die Gewinnzone zu führen. Analysten der Berenberg Bank merkten an: "Der Schlüssel (für seinen Erfolg) liegt in seiner Zustimmung zu den neuen Aussagen des Finanzvorstands zur künftigen Entwicklung." Coba-Titel zogen gegen den allgemeinen Markttrend leicht an und gewannen 0,2 Prozent. Deutsche Bank sackten dagegen rund 2 Prozent ab.

Analysten schauen auf Versorger

Die Versorger wurden von zahlreichen Umstufungen beeinflusst. Barclays hatte Eon auf "Equalweight" und RWE mit "Underweight" gestartet. Goldman Sachs hatte dagegen Eon von seiner "Conviction Buy List" entfernt, die Kaufempfehlung allerdings bekräftigt. RWE notierten 0,3 Prozent fesrer, Eon 0,9 Prozent leichter. Bayer wurden von Barclays auf "Equalweight" nach "Underweight" hochgestuft. Die Aktien schlossen.dennoch 0,4 Prozent im Minus.

VW-Chef Müller unter Druck

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In der VW-Abgasaffäre geriet nun auch der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch unter Druck. Als VW-Finanzvorstand sei er bereits am 8. September 2015 über die Betrugssoftware informiert worden, so ein Pressebericht. Bei der Sitzung des Konzernvorstandes an diesem Tag habe der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn seine Kollegen darüber unterrichtet, dass der Autobauer gegenüber den US-Umweltbehörden einen sogenannten Defeat Device eingeräumt habe.  Das Gesetz schreibt vor, dass bei kursrelevanten Ereignissen eine sogenannte Ad-hoc-Meldung veröffentlicht werden muss. Doch habe der als Finanzvorstand dafür verantwortliche Pötsch geschwiegen, hieß es. An der Sitzung am 8. September habe auch der damalige Porsche-Chef und heutige VW-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller teilgenommen. Erst zwei Wochen später habe VW eine Ad-hoc-Meldung veröffentlicht. VW-Aktien brachen etwa 3,5 Prozent ein. Daimler und BMW gaben 0,7 und 1,1 Prozent ab. Die Autowerte hatten in der Vorwoche aber deutlich zugelegt.

USA: Schwieriger Wochenbeginn

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Nach einer kleinen Berg- und Talfahrt schlossen die US-Aktienmärkte uneinheitlich. Teilnehmer sprachen von einer zunehmend abwartenden Haltung der Akteure nach der jüngsten kräftigen Erholung und vor allem mit Blick auf die mit Spannung erwarteten geldpolitischen Entscheidungen der EZB und der US-Notenbank. Im Mittelpunkt des Interesses standen die Ölpreise. Sie setzten ihre Erholung eindrucksvoll fort und legten um weitere rund 5 Prozent zu. Der Aktienmarkt ließ sich davon diesmal aber nicht anstecken.

Der Dow-Jones-Index notierte 0,4 Prozent im Plus bei 17.073 Punkten und damit oberhalb der psychologisch wichtigen 17.000er Marke. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,1 Prozent auf 2001 Punkte zu. Der Nasdaq100 sank 0,6 Prozent auf 4303 Punkte.

Unter den Einzelaktien lagen Papiere aus dem Ölsektor an der Spitze. Im Dow gewannen Exxon und Chevron 2,6 bzw. 3,1 Prozent. Baker Hughes zogen um 0,8 Prozent an. Übernahmefantasie trieb den Kurs von Dupont um 2,4 Prozent an. Angeblich zieht der deutsche Chemieriese BASF ein Gebot für den US-Konzern in Erwägung, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. BASF könnte damit der angestrebten Fusion von Dupont mit Dow Chemical in die Quere kommen. Dow Chemical gaben gut 1 Prozent ab.

Apple büßten 1,1 Prozent ein. Im juristischen Kampf gegen die US-Kartellwächter im E-Book-Streit hat der iPhone-Hersteller eine Niederlage erlitten, ein Berufungsantrag von Apple wurde zurückgewiesen. Apple soll ein Kartell ins Leben gerufen haben, um die Preise für E-Books festzusetzen. Es wird nun damit gerechnet, dass Apple als Teil einer Einigung 450 Millionen Dollar zahlen wird. Daneben belasteten negative Analystenprognosen die Aktie. Facebook litten darunter, dass sich der Konzern dem Druck der europäischen Regierungen beugt und am Freitag bereits ankündigte, in Zukunft mehr Steuern in Großbritannien zu zahlen. Facebook verloren 2,5 Prozent.

Devisen: Euro kämpft sich zurück

Der Euro geriet nach gesunkenen deutschen Industrieaufträgen unter Druck. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel bis auf ein Tagestief von 1,0939 Dollar und wurde am Abend bei 1,1025 Dollar gehandelt. Die EZB setzte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,0953 Dollar fest nach 1,0970 Dollar am Freitag.

Die deutsche Industrie hatte zu Beginn des neuen Jahres einen Dämpfer bei den Auftragseingängen erhalten. Die Bestellungen waren im Januar zum Vormonat um 0,1 Prozent gefallen. Die Schwäche der Schwellenländer dürfte laut Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen bald noch stärker auf die Industrie durchschlagen. "Damit sind auch höhere Zuwachsraten des Bruttoinlandsproduktes nicht in Sicht." Verhaltene Wachstumsaussichten in Deutschland dürften tendenziell auch den Euro belasten.

Asien: Shanghai Composite erholt sich weiter

Am chinesischen Aktienmarkt stützte die Hoffnung auf Wachstumsinitiativen der Politik die Aktienkurse. Zwar hatte der Nationale Volkskongress das Wachstumsziel für das laufende Jahr auf 6,5 bis 7 Prozent gesenkt und damit auf das niedrigste Niveau seit einem Vierteljahrhundert. Doch Pläne zur Stimulierung der Wirtschaft wurden als verheißungsvoll gesehen. Der Shanghai Composite legte 0,9 Prozent zu, der Shenzhen Composite gewann 0,4 Prozent. Schon in den vier vorangegangenen Handelstagen hatten sich die Börsen in der Volksrepublik kräftig erholt. Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik ohne Japan legte rund 0,5 Prozent zu.

Bereits zur Eröffnung des Volkskongresses in Peking am Samstag konzentrierten sich die Marktteilnehmer auf Wachstums-Botschaften und weniger auf die schmerzhaften Einschnitte zur Begrenzung der exzessiven Produktion in der Kohle- und Stahlindustrie. Die neue Wachstumsprognose für das laufende Jahr liegt unter dem Ziel von "rund 7 Prozent", das noch im Vorjahr für 2016 festgelegt worden war.  Erhoffte Stimuli stützen Chinas Aktienkurse

In Tokio nahmen die Anleger nach einem viertägigen Aufwärtslauf Gewinne mit. Verkauft wurden Versicherer und Energiewerte. Der Markt habe sich aber beruhigt und die jüngsten Sorgen um eine US-Rezession hätten sich mit dem Arbeitsmarktbericht vom Freitag vermindert, sagte Shingo Ide vom NLI Research Institute. Tokio hat am Montag mit Verlusten geschlossen. Der Nikkei-Index fiel 0,61 Prozent auf 16 911 Zähler. Der breiter gefasste Topix gab 1,0 Prozent auf 1362 Zähler nach.

Quelle: n-tv.de

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