Wirtschaft
Der Dow zieht - der Dax klingt sich dankend ein.
Der Dow zieht - der Dax klingt sich dankend ein.(Foto: picture alliance / dpa)

VW bringt Markt zum Stottern: Dax hängt sich an stabilen Dow

Zu Beginn der neuen Handelswoche scheint der Markt die guten Nachrichten regelrecht zu suchen. Der Ifo-Index gibt einen ersten Schub. Doch schlechte Signale aus China und ein VW-Papier unter Druck bremsen. Die Lockerheit bringt dann die Wall Street.

Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach langer Zeit unentschlossenem Handel für die Gewinnzone entschieden. Einem unerwartet starken Ifo-Index standen Sorgen um Chinas Wirtschaft und abgestrafte VW-Papiere gegenüber. Letztlich aber übertrug sich die positive Grundstimmung der US-Börsen, wo die Indizes neue Höchststände ins Auge nahmen, aufs Parkett.

Der Dax schloss bei 9709 Punkten - ein Plus von 0,5 Prozent. Hier half ein beherzter Schlusssprung nahezu allen Werten in die Gewinnzone. Der MDax kletterte 0,6 Prozent auf 16.933 Stellen. Der TecDax erhöhte sich um 0,8 Prozent auf 1276 Zähler.  "Die US-Märkte greifen schon wieder nach oben an, und damit sollten auch neue Höchststände im DAX nicht überraschen", sagte Achim Matzke, Marktanalyst der Commerzbank.

Das Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft hellte sich entgegen den Erwartungen auf. Der Index kletterte von 110,6 auf 111,3 Punkte. Die gefüllten Orderbücher der Industrie und die Kauflaune der Verbraucher lassen die deutsche Wirtschaft weiter zuversichtlich sein. "Die deutschen Firmen sind optimistisch, aber nicht euphorisch", sagte Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe.

Allerdings könnten die guten Wirtschaftsdaten auch die Hoffnung einiger Marktteilnehmer auf eine weitere Zinssenkung durch die EZB dämpfen, sagte Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black.

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Schlechte Nachrichten kamen derweil aus Fernost. "Die Sorgen wachsen, dass das Wachstum in China weiter schwindet", sagt ein Händler. Nun zeichnet sich ab, dass chinesische Banken die Ausleihungen für Immobilienkredite einschränken und damit die Preise am Wohnungsmarkt fallen könnten.

Stießen Fonds Vodafone ab?

An den europäischen Börsen zogen Vodafone an. Zwar handelt die Aktie ex Dividende, gleichzeitig sorgte jedoch der Reverse-Split im Verhältnis von 11 zu 6 für einen optisch stabilen Aktienkurs. Die Berenberg-Bank schließt nicht aus, dass internationale Fonds zuletzt ihre Vodafone-Anteile verkauft haben könnten, um die Ausschüttung nicht an die Fonds-Eigentümer weiterreichen zu müssen. "Das könnte in den vergangenen Wochen Druck auf die Vodafone-Aktie verursacht haben", schreibt die Bank unter Berufung auf Gespräche mit Kunden.

HSBC-Aktien verlorennach Geschäftszahlen 3,5 Prozent. Ein Händler verweist darauf, dass der Vorsteuergewinn mit 22,6 Milliarden Dollar die Erwartung um rund acht Prozent verfehlt habe. Die Dividende von 0,49 Dollar je Aktie liege derweil rund fünf Prozent unter der Markterwartung.

Schwarzer Tag für VW

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Im Dax zogen ungeachtet aller Konjunkturdaten Volkswagen die Blicke auf sich. Die Papiere sackten 6,5 Prozent auf 187,90 Euro ein. VW hatte am Freitag Zahlen vorgelegt und seine Pläne zur Komplettübernahme der Lkw-Tochter Scania vorgestellt hat. Scania-Aktien legen dagegen 32,7 Prozent zu, bleiben damit aber leicht unter dem gebotenen Preis von 200 Kronen.

BMW verloren 0,7 Prozent. Deutsche Post, K+S und Deutsche Börse vervollständigten das Verlierer-Quintett.

Gesucht waren am anderen Ende vor allem Lufthansa, die 2,2 Prozent anzogen. Seit Jahresbeginn haben die Papiere der Kranich-Airline damit schon um mehr als ein Fünftel zugelegt. Europas Airlines sind jüngst stark gestiegen, angetrieben von Restrukturierungen, der Erwartung niedrigerer Treibstoffrechnungen und sich häufender Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung in Europa", sagt Michael Kuhn von der Deutschen Bank.

Händler: Telekom-Sektor beginnt den Aufstieg

Deutsche Telekom klettern 1,9 Prozent. Für Händler beginnt der erwartete Kursanstieg der Telekom-Aktien. Händler verweisen darauf, dass Verizon-Aktien zum Börsenschluss aus dem Stoxx-50 und dem Stoxx-Index der Telekom-Aktien entfernt werden. Index-Tracker dürften dann die Verizon-Aktien verkaufen und das Geld unter anderem in andere Telekom-Titel reinvestieren. Am Dienstagabend dürfte ein ähnlicher Effekt einsetzen, weil die Verizon-Aktien dann den FTSE-100 verlassen. In beiden Fällen handelt es sich um die Verizon-Aktien, die die Vodafone-Aktionäre als Sonderdividende eingebucht bekommen haben. Auch Orange, Telefonica und Vodafone steigen.

In der zweiten Reihe waren allen voran Aareal Bank gesucht und verteuerten sich um 5,3 Prozent. Südzucker erhöhten sich um 3,1 Prozent. Die Beschleunigung der Erholung im Zuckerpreis treibt die Aktie. Der Markt setzt auf eine schlechtere Zuckerernte in Brasilien, hieß es. "Allerdings sind die Lager sehr gut gefüllt", warnt der Händler vor überzogenen Erwartungen. Der Zuckerpreis liegt nach einem Plus von fast 20 Prozent in den vergangenen vier Wochen wieder auf dem Stand vom November. Allerdings rangiert er noch immer nur bei der Hälfte des Stands von vor drei Jahren. Zur Aktie sagt er allerdings, diese sei nach mehreren Gewinnwarnungen und der jüngst verhängten Kartellstrafe "ausgebombt".

Unter Druck satnden dagegen Norma und Aurubis, die 1,4 und 0,9 Prozent nachgaben.

Comeback der Solar-Werte?

Im TecDax riss es QSC in die Höhe: Die Papiere stiegen 10,4 Prozent. Das Telekom- und IT-Unternehmen übernimmt 51 Prozent der Anteile an der Münchener FTAPI Software GmbH. Einen Kaufpreis nannte QSC nicht. Mithilfe der FTAPI-Software können Geschäftskunden etwa ihren E-Mail- und Datenverkehr verschlüsseln. Mit dem Zukauf will QSC planmäßig die Eigenentwicklung cloudbasierter Dienste voranbringen. Zudem profitiert das Papier von einer Hochstufung durch JP Morgan. Nach den jüngsten Kursverlusten sei es wieder Zeit, sich auf die attraktiven Fundamentaldaten des Konzerns zu fokussieren, hieß es. QSC haben seit Jahresanfang fast 18 Prozent an Wert eingebüßt.

SMA Solar zogen 10,1 Prozent an. Die Aktien profitiert von der guten Branchenstimmung. "Die Solaraktien sind wieder da", sagte ein Händler. SMA haben seit Jahresbeginn weit über 60 Prozent zugelegt. Ein anderer Händler machte zudem charttechnische Kaufsignale beim Überschreiten der 37,70-Euro-Marke aus. Der deutschen Solarindustrie hatten im vergangenen Jahr asiatische Wettbewerber, sinkende Förderung durch den Staat und fallende Preise für Solarzellen zu schaffen gemacht.

Unterstützt wurden SMA von der Erleichterung der Anleger über die finanzielle Restrukturierung des angeschlagenen Rivalen Solarworld. Die Aktien der Bonner stiegen um fast 30 Prozent auf 46,60 Euro. Allerdings liegen sie damit immer noch etwa 40 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn.

Quelle: n-tv.de

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