Wirtschaft
Noch sehen es die Bären gelassen, aber sie wittern ihre Chance am deutschen Aktienmarkt.
Noch sehen es die Bären gelassen, aber sie wittern ihre Chance am deutschen Aktienmarkt.(Foto: picture alliance / dpa)

Bemüht - aber erfolglos: Dax hakt den Tag ab

Alles zurück auf Anfang: Am deutschen Aktienmarkt schließt der Leitindex nahe dem Vortagsstand. Anders als zuletzt picken sich die Händler nicht die Rosinen aus der Nachrichtenlage. So schlägt die Stunde der Analystenkommentare

Den europäischen Aktienmärkten haben Impulse für eine klare Richtung gefehlt. Nach lange zeit unentschlossenem Handel nahmen die Indizes zum Ende noch einmal alle Kraft zusammen. Dadurch reichte es für den Dax zu einem Plus von drei auf 9451 Punkte. Der MDax indes verlor 0,4 Prozent auf 16.335 Stellen. Der TecDax legte wiederum 0,3 Prozent auf 1241 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 schloss 0,1 Prozent fester bei 3134 Punkten. Während die US-Börsen Anzeichen von Schwäche zeigten, werden die Aussichten für die europäischen Märkte weiter günstig bewertet, hieß es im Handel.

Die politische Krise um die Krim zusammen mit dem diplomatischen Säbelrasseln sorgt für Zurückhaltung im Handel. N-tv-Börsenexpertin Katja Dofel verwies darauf, dass sich die Händler zuletzt aus der Nachrichtenvielfalt die Rosinen herausgepickt hätten - und die gibt es Handelstag bislang nicht. In den beiden vergangenen Tagen hatte vor allem die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft dem Dax Auftrieb gegeben.

Unter Druck sind europäische Bankentitel geraten. Händler verweisen dazu auf die US-Notenbank, die den Dividendenplänen einiger Institute einen Strich durch die Rechnung macht. Damit müssen sich die Geldhäuser im Buhlen um die Gunst der Anleger zurückhalten und mehr Geld für eigene Zwecke einbehalten. Die Fed kassierte entsprechende Auszahlungspläne der Citigroup und von US-Sparten der europäischen Häuser HSBC, RBS und Santander.

Analysten sorgen für Bewegung

Im Dax verbuchten Fresenius mit 2,0 Prozent das größte Plus. K+S zogen 1,7 Prozent an. SAP gewannen 1,4 Prozent.

Leichter gingen derweil allen voran Lufthansa aus dem Handel. Das Unternehmen litt unter dem Verdi-Streiktag an etlichen deutschen Airports. Vorsorglich waren 600 Flüge in Frankfurt und München gestrichen worden. Der finanzielle Schaden dürfte in die Millionen gehen. Für das Papier ging es um 1,0 Prozent zurück. Die beiden Bankenwerte Commerzbank und Deutsche Bank büßten 1,0 und 0,8 Prozent ein. Die Ratingagentur Fitch hat die die Ausblicke für 18 europäische Banken gesenkt. Der Schritt schaffe Spielräume für künftige Bonitätsabstufungen, heißt es im Handel. Fitch begründete die Aktion damit, dass eine Unterstützung durch den Staat, sollte sie erforderlich werden, künftig unwahrscheinlicher werde. Deutsche Telekom rutschten nach einer Abstufung durch die Bank Exane BNP Paribas um 0,3 Prozent zurück.

Musik in der zweiten Reihe

Chart

In der zweiten Reihe fielen RTL nach einer Herunterstufung durch Morgan Stanley um 4,2 Prozent. Südzucker kamen nach einer Verkaufsempfehlung durch Goldman Sachs erheblich unter Druck und verbilligen sich um 3,9 Prozent. Europas größer Hersteller werde über Jahre einer negativen Wachstumsprognose trotzen müssen, da die Zuckerpreise weiter fallen, erklärten die Analysten. Ein weiteres Verkaufsargument sei die Kursentwicklung: Seit Monatsbeginn haben die Titel rund sechs Prozent gewonnen, während der MDax 2,9 Prozent nachgegeben hat.

Norma fielen um 2,5 Prozent zurück. Der Industrie- und Autozulieferer kann die Anleger mit seinem Ausblick nicht überzeugen. Der Konzern erwartet im laufenden Jahr ein Umsatzwachstum zwischen vier und sieben Prozent - für einige Investoren eine eher vorsichtige Prognose.

Salzgitter verbilligten sich um 1,2 Prozent. Einem Zeitungsbericht zufolge wird der Stahlkonzern beim zweiten Strang der Erdgas-Pipeline South Stream von Russland nach Italien leer ausgehen Credit Suisse blickt daher etwas weniger optimistisch auf Salzgitter. Die Analysten senken ihre Ebitda-Prognose für 2014 und 2015.

Am anderen Ende zogen Kuka 2,7 Prozent an. Die mittelfristigen Aussichten seien solide, meint Hauck & Aufhäuser (H&A). Die Wachstumstreiber für den Roboterhersteller blieben intakt. Wacker Chemie verteuerten sich um 2,4 Prozent zu. Hier sorgt eine Hochstufung auf "Halten" von "Verkaufen" durch die Deutsche Bank für Bewegung. SMA sacken ab - HHLA brechen ein

Bitterer Tag für SMA Solar

Im TecDax brachen SMA Solar ein und sackten um 5,5 Prozent ab. Der Solartechnikkonzern ist im vergangenen Jahr wegen des Nachfrageinbruchs in Europa erstmals tief in die roten Zahlen geraten. Equinet-Analyst Stefan Freudenreich schreibt in einem Kommentar, trotz aller Anstrengungen blieben Zweifel, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichten, um es mit dem harten Preis-Wettkampf aufnehmen zu können. Der Experte bekräftigt seine Verkaufsempfehlung.

Aufwärts ging es derweil für United Internet - und zwar um 5,0 Prozent.Die Dividende für 2013 soll um ein Drittel auf 0,40 Euro pro Aktie steigen. Das Betriebsergebnis (Ebitda) kletterte dank vieler neuer Kunden um ein Viertel auf 407 Millionen Euro.

Im SDax befanden sich HHLA im freien Fall. Die Aktie des Hamburger Hafen- und Logistikkonzerns rauschte 7,1 Prozent in die Tiefe. Dem Unternehmen machten die Modernisierung des Container-Terminals Burchardkai und die beschränkte Fahrrinnentiefe der Elbe zu schaffen. Der Ausblick enttäusche, zudem ergäben sich Risiken aus der Krim-Krise, erklärten die Analysten der DZ Bank.

Für Air Berlin ging es nach der erneut verschobenen Bilanzpräsentation um 1,5 Prozent hinab. Noch immer ist offen, für welche Lösung sich großaktionär Etihad entscheidet. Börsenabschied, Fusion mit anderen Sorgen-Airlines und neue Rechtsform bleiben aber die diskutierten Szenarien.

Wenig Bewegung gab es indes bei Baywa. Der Agrarhändler verdient wegen der Krim-Krise noch besser als geplant. Der Konflikt heize aus Furcht vor Lieferausfällen die Getreidepreise weltweit an, Händler nennen den Auftrieb "Putin-Prämie", sagte Baywa-Chef Klaus Josef Lutz. Sein Haus handele jährlich zwei bis 2,5 Millionen Tonne Getreide aus der Ukraine, das als Kornkammer Europas gilt.

Quelle: n-tv.de

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