Wirtschaft
(Foto: dpa)

Helau! Alaaf!: Dax in Feierlaune

Die Freigabe zusätzlicher Hilfskredite für Griechenland ist in greifbare Nähe gerückt - entsprechend gut gelaunt zeigen sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt. Der Dax markiert zwischenzeitlich den höchsten Stand seit knapp sieben Monaten.

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Am Rosenmontag haben die Optimisten an der Börse den Ton angegben. Die Börse in Deutschland profitierte - wie auch viele andere Märkte in Europa und Asien - von einer weiteren Lockerung der Geldpolitik in China und der Hoffnung auf weitere Milliardenhilfen für das pleitebedrohte Griechenland.

Der Dax stieg um 1,4 Prozent auf 6948 Punkte -  noch höher hatte der deutsche Leitindex zuletzt am 1. August 2011 gestanden.  Seit Jahresbeginn hat der Dax um 18 Prozent oder fast 1100 Punkte zugelegt. Der MDax kletterte 1,3 Prozent auf 10.584 Zähler. Auch für die Tech-Titel ging es aufwärts: Der TecDax gewann 1,6 Prozent auf 792 Punkte. Die Umsätze blieben aber dünn. Grund dafür war neben den Karnevalsfeiern in weiten Teilen Deutschlands die feiertagsbedingte Abwesenheit der US-Investoren.

"Stimuliert wird der deutsche Aktienmarkt von der Meldung, dass die chinesische Notenbank den Mindestreservesatz um 50 Basispunkte gesenkt hat", sagte ein Börsianer. Durch die Senkung der Sicherheiten, die chinesische Banken bei der Zentralbank deponieren müssen, wird Geld für Kredite an Unternehmen und Privatleute frei. Dadurch will die Notenbank die Konjunktur ankurbeln. "Wir befinden uns wieder in einem Umfeld, in dem der Markt von der Liquidität getrieben wird", sagte ein Anlage-Stratege.

Nutznießer dieser Erwartung waren vor allem Rohstoffe und Aktien aus dem Rohstoffsektor. Mit den Sektoren Automobilbau, Chemie und Bau verbuchten weitere konjunkturabhängige Sektoren überdurchschnittliche Kursgewinne. Am deutschen Aktienmarkt bauten Papiere von BASF, HeidelbergCement, MAN und ThyssenKrupp ihre Kursgewinne aus.

"Zusätzlich mehren sich die Stimmen, die eine Griechen-Rettung erwarten", so ein anderer Börsianer. Der französische Finanzminister Francois Baroin hatte am Morgen gesagt, alle Elemente für eine Einigung in Sachen Griechenland seien beisammen. Damit könnte nun das zweite Rettungspaket in Richtung Athen geschickt werden.

"Nach einigen Rückschritten und trügerischen Hoffnungsschimmern wetteten Händler darauf, dass Griechenland den Pfad einer ungeordneten Insolvenz endlich verlassen kann - zumindest kurzfristig", sagt Aktienmarkt-Experte Jonathan Sudaria vom Brokerhaus Capital Spreads. Die Experten von Barclays Capital äußerten sich in einem Marktkommentar ebenfalls optimistisch, dass die 130 Mrd. Euro schweren Kredite freigegeben würden.

Viele Beobachter blieben aber vorsichtig: "Es ist fast schon unnötig zu sagen, dass die Unsicherheiten nach wie vor hoch sind", meint Annalisa Piazza von Newedge. Die Eurogruppe sei weiter ausgesprochen skeptisch, ob Griechenland sich auch an die beschlossenen Sparmaßnahmen hält. "Es besteht immer noch die Möglichkeit, dass eine Entscheidung über das Rettungspaket auf den EU-Gipfel Anfang März verschoben wird", warnte Stan Schamu von IG Markets. In diesem Fall dürften die Börsen wieder den Rückzug antreten.

"Was passiert, wenn die Hilfen an Griechenland ausgezahlt werden, dann aber sofort wieder Portugal, Spanien und andere im Fokus stehen?", fragte die Frankfurter Metzler Bank. Sie rät daher dazu, die hohen Kurse zum Verkauf zu nutzen.

Banken im Plus

Commerzbank verteuerten sich um 3,5 Prozent. Die Papiere reagieren üblicherweise sensibel auf Nachrichten rund um die Schuldenkrise. Deutsche Bank gewannen 2 Prozent. Auch auf europäischer Ebene waren Finanzwerte gefragt.

Die milliardenschwere Übernahmeofferte des US-Paketzustellers UPS für den niederländischen Konkurrenten TNT Express rückte die Deutsche Post ins Rampenlicht. Das UPS-Angebot bewerte TNT doppelt so hoch wie Deutsche Post, rechnete DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky vor. "Dies illustriert die Unterbewertung der Deutsche-Post-Aktie und das kurzfristige Aufwärtspotenzial." Die Papiere gewannen 1,5 Prozent.

Infineon stiegen um 3,1 Prozent. Der britische Halbleiterhersteller CSR hatte gute Quartalszahlen veröffentlicht. Die Aktie haussiert an der Londoner Börse und zieht auch Infineon mit nach oben. Die als defensiv geltenden Werte Fresenius Medical Care (FMC), Merck und Beiersdorf waren hingegen die einzigen Verlierer im Dax.

Im Fokus standen auch Fraport. Der Streik auf dem Frankfurter Flughafen dürfte noch bis Mittwochmorgen andauern. Das belaste den operativen Gewinn von Fraport mit 3 bis 5 Mio. Euro pro Tag, sagte Stefan Kick von Silvia Quandt Research. Die Aktie des Flughafen-Betreibers gab sich davon unbeeindruckt und legte 2,5 Prozent zu.

Die Aktien von Continental legten im Index der mittelgroßen Werte 2,1 Prozent zu. Nach drei Jahren ohne Dividende will der Vorstand den Aktionären eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie zahlen.

Aixtron setzetn im TecDax ihren Höhenflug fort und verteuerten sich um 4,8 Prozent. Die Aktie wird seit einigen Tagen von der Hoffnung gestützt, dass die Überkapazitäten im LED-Markt fallen. Die Rally wird aber nach Einschätzung eines Händlers vor allem von aggressiven Shorteindeckungen gestützt. Der Händler warnte allerdings vor zu viel Euphorie. Die Anfang März zur Veröffentlichung anstehenden Quartalszahlen könnten schlecht ausfallen.

Quelle: n-tv.de

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