Wirtschaft
Die Einigung in Washington sorgt an den Börsen für gute Laune.
Die Einigung in Washington sorgt an den Börsen für gute Laune.(Foto: picture alliance / dpa)

Börsen feiern US-Kompromiss: Dax in Sektlaune

Mit einer fulminanten Rally starten Europas Börsen in das neue Jahr. Die Einigung im Fiskalstreit in den USA und gute Nachrichten aus Asien sorgen für Erleichterung und deutlich steigende Aktienkurse. Börsianer warnen aber vor zu viel Zuversicht.

Die Einigung im Fiskalstreit in den USA hat den europäischen Börsen einen optimistischen Auftakt ins neue Jahr beschert. In Frankfurt nahm der Dax Kurs auf 7800 Punkte und schloss bei einem Stand von 7778 Zählern 2,1 Prozent im Plus. Der Leitindex liegt damit auf dem höchsten Stand seit Januar 2008. Der MDax gewann 1,9 Prozent auf 12.149 Punkte, während der TecDax 1,7 Prozent auf 842 Zähler zulegte. Der Euro-Stoxx-50 legt um 2,8 Prozent auf 2711 Punkte zu.

In Asien hatten die Handelsplätze Hongkong und Seoul deutliche Gewinne verzeichnet . In Shanghai und Tokio blieben die Börsen feiertagsbedingt geschlossen. Der länderübergreifende MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens außerhalb Japans enthält, kletterte am ersten Handelstag des neuen Jahres um 2,4 Prozent auf 920 Punkte. In den USA zeichnet sich derweil ein positiver Handelsstart ab.

Der Handel in Frankfurt war jedoch von dünnen Umsätzen begleitet. "Der erste Handelstag 2012 war der umsatzschwächste", konstatierte ein Händler. Viele Marktakteure nutzten die drei Handelstage der ersten Börsenwoche 2013 als Brückentage.

Einigung in letzter Minute

In der Nacht zum Mittwoch hat das US-Repräsentantenhaus dem zuvor gebilligten Gesetzesentwurf des Senats zugestimmt und damit den Sturz über die Fiskalklippe in letzter Sekunde aufgefangen. Durch den Kompromiss könnten ein Rückfall der USA in die Rezession und die damit verbundenen Belastungen für die Weltwirtschaft vermieden werden, sagte Aktienstratege Shane Oliver von AMP Capital

Spitzenverdiener in den USA müssen nun höhere Steuern zahlen. Außerdem sollen die Zuschüsse für Langzeitarbeitslose ein Jahr weiterlaufen und die pauschalen Ausgabenkürzungen, von denen je zur Hälfte das Verteidigungsministerium und die anderen US-Behörden betroffen wären, um zwei Monate verschoben werden. Kritische Stimmen merken dazu gleichwohl an, dass beide Parteien die Probleme nur verschoben hätten. In zwei Monaten machten sich die verschobenen Ausgabenkürzungen von 110 Milliarden Dollar erneut bemerkbar und müssten deshalb neu verhandelt werden.

Von einem großen Wurf könne bei der Einigung im US-Kongress nicht die Rede sein, so Andrew Sullivan, Leiter Sales-Trading bei Piper Jaffray. "Längerfristig bleiben Zweifel, wie nachhaltig der Kompromiss ist." Sullivan sieht daher nur begrenztes Aufwärtspotenzial an den Börsen. Ungelöst bleibt auch die Frage der Schuldenobergrenze, die technisch zum Jahreswechsel erreicht wurde, durch einige fiskalische Tricks aber bis in den Februar hinausgezögert wird.

Auch Investmentanalyst Ralph Herre von der Landesbank Baden-Württemberg gibt sich skeptisch: "Die langfristigen Haushaltsprobleme der USA wird der Kompromiss nicht lösen. Es handelte sich lediglich um eine Notlösung, um der US-Wirtschaft zunächst eine Rezession zu ersparen."

Die Börsen legten gleichwohl zu. "An den Märkten überwiegt der Optimismus, da die USA ein starkes Wachstumssignal gegeben haben", sagt Händlerin Anita Paluch vom Broker Gekko Global Markets. Nun aber stelle sich die Frage, wie lange der Kompromiss die Aktienmärkte noch antreiben dürfte. Im Vorjahr hatte der Dax um 29 Prozent zugelegt, und war alleine in den vergangenen sechs Wochen um fast 10 Prozent geklettert.

Die Märkte profitieren nicht nur von der Einigung in den USA, sondern auch von guten Konjunkturindikatoren aus Asien, wie Börsianer betonen. So liegt der offizielle Einkaufsmanagerindex in China im Dezember mit 50,6 Punkten das dritte Mal in Folge im Expansionsbereich. In Singapur, das wegen seines starken Handels als guter Frühindikator für die weltweite Wirtschaft gilt, hat das Wachstum im vierten Quartal mit 1,8 Prozent die Erwartung von minus 1,0 Prozent klar überboten.

Bankenwerte im Plus

Zu den Spitzenreitern der ersten deutschen Börsenliga gehörten Commerzbank und Deutsche Bank. Sie gewannen 3,9 Prozent beziehungsweise 3,6 Prozent. Finanzwerte reagieren üblicherweise überdurchschnittlich auf Bewegungen des Gesamtmarktes.

Auch konjunktursensible Aktien profitierten von der Einigung im seit Monaten schwelenden US-Fiskalstreit. So verteuerten sich Volkswagen um 3,9 Prozent. Infineon stiegen um 4,3 Prozent und ThyssenKrupp um 4,9 Prozent.

Die Aktien von Bayer liefen dem Markt hinterher. Mit einem Plus von 0,1 Prozent zählten sie zu den schwächsten Werten im Dax. Dem Hoffnungsträger Xarelto weht künftig in den USA ein schärferer Wind entgegen: Das Konkurrenzprodukt Eliquis der Pharmakonzerne Pfizer und Bristol-Myers Squibb bekam die Zulassung. Das Medikament soll zur Verhinderung von Schlaganfällen eingesetzt werden.

Aktien von Unternehmen, die weniger stark von den Schwankungen der Konjunktur abhängig sind, stehen nicht sonderlich hoch im Kurs. Denn angesichts der vorläufigen Einigung im US-Haushaltsstreit setzen viele Anleger auf eine wirtschaftliche Erholung. So gaben Fresenius Medical Care 0,2 Prozent ab, während Beiersdorf, Henkel, Linde oder Merck nur unterdurchschnittlich zulegten.

Die schwachen Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone belasteten die Kurse nicht stärker. "Auch im ersten Quartal 2013 ist ein Rückgang der Produktion im verarbeitenden Gewerbe wahrscheinlich", sagt Howard Archer, Chefvolkswirt von IHS Global Insight. Die striktere Fiskalpolitik, steigende Arbeitslosigkeit und in der Folge eine begrenzte Kaufkraft dürften vor allem die Inlandsnachfrage dämpfen. Deutlich besser als erwartet ist unterdessen der britische Einkaufsmanagerindex ausgefallen. Er lag bei 51,4 Punkten, erwartet worden waren 49,2.

Der Einkaufsmanagerindex ist ein viel beachtetes Konjunkturbarometer für die gesamtwirtschaftliche Lage. Für den Index werden Manager, die für ihre Unternehmen im Einkauf tätig sind, zur aktuellen Geschäftslage ihrer Betriebe befragt. Dabei werden wichtige Kenngrößen wie Auftragslage, Produktion, Exportaufträge, Beschäftigung und Einkaufspreise erhoben.

Quelle: n-tv.de

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