Wirtschaft
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Wall Street fester: Dax kann 10.000er-Marke nicht halten

Durch die Lappen geht dem Dax am Ende des Tages ein Großteil seines Gewinns. Die am Vormittag eroberte 10.000-Punkte-Marke muss der Index in der Folge sausen lassen. Für Verunsicherung kurz vor Handelsschluss sorgen Wirtschaftsdaten aus den USA.

So eine Enttäuschung: Das erste Mal seit zwei Wochen hatte der Dax einen Vorstoß über die 10.000-Punkte-Marke gestartet und lange Zeit sah es so aus, als könnte er seine Eroberung bis zum Börsenschluss halten. Doch am Ende vermieste die zur Schwäche neigende Wall Street den Handelstag, ihreseits geschwächt durch hohe Öllagerbestände in den USA. Allerdings fing sich der US-Handel später. Am Ende bewiesen die Börsianer Mut, indem sie sich von dem wieder nachgebenden Ölpreis lösten und die Aktienkurse nach oben schickten.

Am Ende schloss der Dax "nur" 0,7 Prozent im Plus. Gestützt wurde der deutsche Leitindex durch satte Kursgewinne von Index-Schwergewichten wie Daimler, BASF und Siemens. Aber auch VW trug etwas dazu bei, obwohl der Autobauer trotz eines Aufschlags von rund sieben Prozent vergleichsweise wenig zum Index-Gewinn beisteuert.

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Seit Anfang des Jahres notiert der Dax nun wieder im Plus, wenn auch nur knapp zwei Prozent. "Sollten die Befürchtungen einer globalen Wachstumsabschwächung nicht in vollem Umfang eintreten, ist der Dax momentan nicht teuer bewertet", sagte ein Händler. Fonds säßen auf Cash, das nun wieder an der Börse investiert werde.

Enttäuschende Konjunkturdaten erreichten den Markt am Morgen aus dem wirtschaftlichen Zentrum der Eurozone: Die deutsche Industrieproduktion war im August stärker gesunken als erwartet. Zugleich wurde der Vormonatswert nach oben revidiert.

Auch Übernahmen spielten wieder eine Rolle. Der Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev hatte seinem Konkurrenten SABMiller ein Übernahmeangebot unterbreitet. Mit einem Zusammenschluss entstünde ein Biergigant, der Marken wie Budweiser, Corona und Stella Artois mit Pilsner Urquell, Grolsch und Peroni unter einem Dach vereinen würde. Das fusionierte Unternehmen wäre in den USA, China, Europa, Afrika und Lateinamerika stark vertreten.

Frankfurt: VW dominieren den Dax

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Der Dax schloss am Ende 0,7 Prozent im Plus auf 9970 Punkten. Sein Tageshoch hatte er zuvor bei 10.093 Punkten markiert. 0,1 Prozent abgeben musste hingegen der MDax, der sich damit auf 19.944 Zähler verschlechterte. Ein Minus verzeichnete auch der TecDax, es betrug 1,2 Prozent. Der technologielastige Index sank auf 1768 Punkte. Etwas besser lief es für den Euro-Stoxx-50, der am Ende nahezu unverändert schloss.

Auch bei Autowerten wurden die Leerverkäufe eingedeckt. VW sprangen um 7,1 Prozent, Daimler und BMW um bis zu 4,3 Prozent. Bei VW sieht Arndt Ellinghorst, Analyst von Evercore ISI, den Konzern mit dem neuen CEO Müller nun vor einer "Kultur-Revolution" und macht ein Einsparpotenzial von rund 20 Milliarden Euro in den kommenden Jahren aus.

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Siemens profitierten von einem positiven Kommentar aus dem Hause Bank of America und stiegen um 2,3 Prozent. Lufthansa fielen dagegen 1,8 Prozent. Die DZ-Bank hatte die Aktien von der Liste ihrer "Equity Ideas" gestrichen. "Das, der höhere Ölpreis und vor allem Gewinnmitnahmen drücken auf den Kurs", sagte ein Händler. Dieser hatte seit dem Augusttief um rund 30 Prozent zugelegt.

Im Nebenwerte-Index MDax büßten die Titel von Klöckner & Co. (KlöCo) nach anfänglich deutlichen Verlusten 0,2 Prozent ein. Dabei verfehlte der Stahlhändler beim operativen Quartalsgewinn die eigenen Ziele. Es sei jedem klar, dass das Branchenumfeld schwierig sei, sagte ein Börsianer. Die Zahlen seien aber schlimmer als befürchtet ausgefallen.

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Bei Nemetschek im TecDax ging es nach einer erhöhten Umsatzprognose um 2,5 Prozent nach oben - davor hatte die Aktie bereits ein neues Allzeithoch bei 38,84 Euro markiert. Das US-Geschäft laufe nach der Übernahme der Bluebeam Software richtig gut, kommentieren die Analysten von. Die US-Tochter entwickele sich "zu einer echten Perle" mit Wachstumspotenzial beim Umsatz von bis zu 60 Prozent. Auch der zum Dollar günstig bewertete Euro spiele Nemetschek in die Karten.

Nach Covestro wagt die Aktie von Chorus Clean Energie den Gang aufs Parkett. Der erste Kurs wurde bei 9,75 Euro festgestellt und ist damit ein Nullsummenspiel für die Aktionäre der ersten Stunde. Denn der Betreiber von Solar- und Windenergieanlagen setzte den Emissionspreis mit 9,75 Euro fest, höhere Preise waren im aktuellen Umfeld nicht zu erzielen. Den Emissionserlös will Chorus für weiteres Wachstum verwenden. So sollen damit neue Solar- und Windparks finanziert werden.

Wall Street: Plus bei Öllagerdaten lässt Gewinne schmelzen

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Die US-Aktienmärkte haben mit Kursgewinnen geschlossen. Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte ging 0,7 Prozent höher mit 16.912 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,8 Prozent auf knapp 1996 Zähler. "Investoren benötigen den S&P-500 als Schrittmacher und einen Bruch der Marke von 2000 Punkten, dies befeuert dann auch die übrigen Märkte", sagte Scott Schuberg von Rivkin Securities mit Blick auf den globalen Aktienmarkt. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg 0,9 Prozent auf 4791 Punkte.

Ein Minus von 5,3 Prozent verzeichneten Adobe. Der Softwarekonzern lieferte einen enttäuschenden Ausblick auf das Fiskaljahr 2016 ab.

Papiere von Nu Skin brachen um 26 Prozent ein. Der Konzern, der Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel vertreibt, rechnet für das dritte Quartal mit Einnahmen klar unter Analystenschätzung. Nach einer Gewinnwarnung fielen Yum Brands um 18,8 Prozent. Das Unternehmen betreibt mehrere Schnellrestaurantketten, darunter Taco Bell, Pizza Hut und KFC.

Auch Monsanto schockiert Anleger mit einem schwachen Ausblick. Doch geplante Kostensenkungen und Aktienrückkäufe können Anleger besänftigen. Die Aktie gewann 0,1 Prozent ein.

Der saudische Milliardär Prinz Al-Walid bin Talal und seine Holding haben ihre Anteile an Twitter erhöht und steigen zum zweitgrößten Aktionär auf. Die Titel des Kurznachrichtendienstes legte 8 Prozent.

Asien: Tokio verdaut den Zinsentscheid

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Die Börse in Tokio hat am Tag des Zinsentscheids der Bank of Japan (BoJ) fester geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte verbesserte sich um 136,88 Punkte oder 0,8 Prozent auf den Stand von 18.323 Punkten. Der breit gefasste Topix stieg um 17 Punkte oder 1,2 Prozent auf 1493 Punkte.

Zuvor hatte die Zentralbank des Landes entschieden, die geldpolitischen Zügel vorerst nicht noch weiter zu lockern. Angesichts des schwächeren Wachstums in China sehen sich die Währungshüter in der BoJ allerdings wachsendem Druck seitens der Finanzmärkte ausgesetzt, die Geldpolitik noch weiter zu lockern. In Finanzkreisen wird spekuliert, dass dies bei der BoJ-Sitzung am 30. Oktober geschehen könnte.

Die Bank of Japan steuert als Zentralbank die Geldpolitik in der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft. "Japans Wirtschaft erholt sich weiterhin moderat, obwohl Exporte und Produktion von der Abkühlung in den Schwellenländern beeinflusst werden", teilte die BoJ mit.

Mit ihrer lockeren Geldpolitik stemmt sich die japanische Notenbank gegen ein neuerliches Abgleiten Japans in die Deflationsspirale. Die Nummer drei der Wirtschaftssupermächte hinter den USA und China litt jahrelang unter fallenden Preisen: Verbraucher hielten sich in Erwartung immer weiter sinkender Preise mit Käufen zurück, was Umsatz, Gewinn und Investitionen der Unternehmen drückte.

In China bleiben die Börsenplätze in Shanghai und Shenzhen wegen der Feierlichkeiten rund um den chinesischen Nationalfeiertag auch zur Wochenmitte noch geschlossen.

Devisen: Euro gibt nach

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Der Kurs des Euro ist gefallen. Am Nachmittag erreichte die Gemeinschaftswährung ein Tagestief bei 1,1212 Dollar und stand damit mehr als einen halben Cent tiefer als am Vorabend. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1266 (Dienstag: 1,1224) US-Dollar festgesetzt.

Als Auslöser für die Euro-Schwäche nannten Händler enttäuschende Konjunkturdaten aus der Eurozone. In Deutschland war die Industrieproduktion im August überraschend gesunken. Auch Spanien enttäuschte die Anleger am Devisenmarkt mit schwachen Produktionsdaten. Hier war die Fertigung im August deutlich stärker als erwartet gesunken.

Zu den Gewinnern am Devisenmarkt zählte hingegen das britische Pfund. Hier profitierte die Währung von überraschend guten Konjunkturdaten. Im August war die britische Industrieproduktion stärker als erwartet gestiegen.

Rohstoffe: Öl, Gold und Kupfer wieder gefragter

Die Ölpreise ziehen nach ihrem starken Vortagsplus weiter an. Am Nachmittag kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November 52,65 US-Dollar. Das sind 73 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) steigt um 1,05 Dollar auf 49,04 Dollar.

Mit Gold zieht ein weiterer Rohstoff weiter an. Die Feinunze verteuert sich auf 1152 Dollar nach 1147 Dollar am Vorabend. Bereits den dritten Tag in Folge geht es für das Edelmetall aufwärts, am Vorabend lag der Settlementpreis in den USA auf dem höchsten Stand seit über einer Woche. Haupttreiber ist die Aussicht, dass Zinserhöhungen rund um den Globus in absehbarer Zeit kaum zu erwarten sind. Damit wird das zinslose Edelmetall für Anleger attraktiver.

In der Hoffnung auf ein nahendes Ende des weltweiten Überangebots sind weitere Anleger in den Kupfer-Markt zurückgekehrt. Das Industriemetall verteuerte sich um bis zu 1,1 Prozent auf 5240 Dollar je Tonne.

Dem Verband International Copper Study Group (ICSG) zufolge wird die Nachfrage das Angebot 2016 um 130.000 Tonnen übersteigen. Bisher waren die Experten davon ausgegangen, dass 230.000 Tonnen mehr gefördert würden als benötigt. Die Aussichten für die Nachfrage seien allerdings unverändert trüb, betonte Analyst Sergej Raewski von der Investment Bank SP Angel.

Quelle: n-tv.de

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