Wirtschaft
Der Dax schloss schließlich mit einem minimalem Plus von 0,1 Prozent.
Der Dax schloss schließlich mit einem minimalem Plus von 0,1 Prozent.(Foto: picture alliance / dpa)

Trotz schwacher Konjunkturdaten: Dax kann kleines Plus behaupten

Knapp an einem neuen Jahrestief schrammt der deutsche Leitindex zunächst vorbei - enttäuschende Konjunkturdaten lassen nichts Gutes erahnen. Im Laufe des Handelstages werden die Verluste jedoch geringer. Am Ende steigt der Dax ins Plus - und hält es.

Schlechte Konjunkturdaten setzten dem deutschen Aktienmarkt zunächst zu und hielten den Dax im Minus: Hiobsbotschaften gab es am laufenden Band - so war die Industrieproduktion in der Eurozone im August stärker gefallen als erwartet. Gleichzeitig trübten sich die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland überraschend deutlich ein. Zu schlechter Letzt hat auch die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für dieses und kommendes Jahr drastisch gesenkt. Am Vormittag kommt der Dax mit 8701 Punkten dem Jahrestief von Montag (8700 Punkte) gefährlich nahe. Aber dann überschritt der Index am Nachmittag wieder die Grenze zur Gewinnzone - und schloss schließlich mit einem minimalem Plus von 0,1 Prozent bei 8825 Punkten.

Der MDax legte um 0,7 Prozent zu und schloss bei 15.056 Punkten. Der TecDax gewann 0,5 Prozent auf 1150 Zähler.

Nach Einschätzung eines Marktexperten dürften die jüngsten Daten aber nicht zu negativ gesehen werden. Alles in allem deuteten sie auf einen Rückgang der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal hin, nicht aber auf eine Rezession, sagte ein Marktexperte.

Die Bilanzsaison in den USA stand ebenfalls im Blick. Mit JP Morgan (JPM), der Citigroup und Wells Fargo hatten gleich drei Vertreter der US-Bankenbranche Quartalsausweise vorgelegt, die aber keine einheitliche Tendenz aufwiesen. Die Zahlen von JPM wurden mit Enttäuschung aufgenommen, überraschend gut hatte dagegen die Citigroup abgeschnitten. "Nur" im Rahmen der Erwartungen lagen die Zahlen von Wells Fargo. Gut kamen die Quartalszahlen von Johnson & Johnson (J&J) an, zumal der Pharmakonzern sein diesjähriges Gewinnziel nun schon zum dritten Mal erhöht hat.

Was macht die Lufthansa?

"Mit dem schwachen Ölpreis dürften Energieaktien wie üblich runtergehen, aber vor allem für Airlines und Chemie sieht es überraschend schlecht aus", hatte ein Händler vor dem Handelsstart gesagt. Titel wie BASF könnten den Dax stark belasten, wenn sie den US-Vorgaben folgten. Dort waren Standardwerte wie Dow Chemical um 5,6 Prozent eingebrochen. Die Aktien des weltweit größten Chemiekonzerns schlossen mit einem Minus von 0,4 Prozent.

Auch die Performance der Fluglinien-Aktien in den USA überrasche, sagte der Händler. "Hier müsste eigentlich der Ölpreis-Absturz langsam zu stützen beginnen." Da sich Europas Branchenwerte zunächst kräftig erholt hatten, dürfte ein Kursabsturz wie von Delta Airlines mit über 6 Prozent Minus wieder stark belasten. Lufthansa könnten so auf ein neues Jahrestief gedrückt werden, zumal auch im Tarifstreit mit den Piloten die Fronten weiter verhärtet sind, so die Befürchtungen vor Handelsstart. Aber es kam anders: Die Aktien der Airline legten kräftig zu und schlossen am Ende mit einem Plus von 2,2 Prozent.

Daimler versetzt Anleger in Aufregung

Bei den Dax-Werten stand noch die Deutsche Telekom im Fokus. Der französische Telekomanbieter Iliad hatte die geplante Übernahme von T-Mobile US abgesagt. Auch eine aufgebesserte Offerte für einen Anteil von 67 Prozent an T-Mobile US habe die Deutsche Telekom nicht überzeugen können. Iliad teilte deswegen mit, keinen Kontrollanteil an dem Mobilfunkunternehmen mehr erwerben zu wollen. Die Telekom-Titel büßten an der Frankfurter Börse ein Prozent ein.

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von Henkel, die sich um 1,9 Prozent verbilligten. Die Analysten von Bofa Merrill Lynch hatten die Titel auf "Underperform" von "Buy" heruntergesetzt. Ebenfalls schlecht schnitten die RWE-Titel ab mit minus 1,5 Prozent.

Spitzenreiter im Dax war die Aktie von Daimler, die um satte 3,7 Prozent zulegen konnte. Kräftige Short-Eindeckungen trieben die Aktie nach starken Aussagen zum Gewinn im dritten Quartal. Vor allem die Stärke des Industriegeschäfts überraschte. "Die Aktie hatte schon gestern bei 56 Euro einen kleinen Boden gebildet, dass verstärkt die Eindeckungen heute noch", sagte ein Händler.

Zyklische Titel profitieren am stärksten

Von der Erholung an den Börse profitierten die Kurse zyklischer Titel überproportional. So legen Continental (plus 2,7 Prozent), die jüngst eingebrochene Infineon-Aktie (2,3), K+S (1,5) sowie Lanxess (1,4) kräftig zu.

Im MDax lagen Bilfinger (plus 4,1 Prozent) gut im Markt, nachdem sich der Kurs seit Mitte April halbiert hat. Mit Leoni (6,9) und ElringKlinger (3,9) zogen zwei Automobilzulieferer an. "Die Bekräftigung der mittelfristigen Ziele von Leoni sorgt für etwas Erleichterung für die Branche der Zulieferer", sagte ein Händler. Auch Dürr (1,7) und Rheinmetall (1,3) tendierten fester.

Quelle: n-tv.de

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