Wirtschaft
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EZB bleibt Hoffnungsträger: Dax kehrt in die Erfolgsspur zurück

Die Freitags-Verluste sind fast wieder reingeholt: Zum Wochenauftakt zeigt sich der Dax von seiner kämpferischen Seite und legt ordentlich zu. Unterstützung kommt von SAP und Continental, die beide überraschend erste Zahlen vorlegen.

Nach den Kursturbulenzen der vergangenen Woche steht der deutsche Aktienmarkt nun wieder auf festen Füßen. Vor dem Hintergrund der beginnenden Berichtssaison legte der Dax wieder kräftig zu und schloss 1,4 Prozent höher bei 9782 Punkten. Der Nebenwerte-Index MDax legte um 0,5 Prozent zu auf 17.245 Zähler, der TecDax gewann 0,6 Prozent auf 1417 Punkte.

Anleger setzten weiter auf eine Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) - diese prüft Insidern zufolge mehrere Strategien für ein großangelegtes Programm zum Kauf von Staatsanleihen (QE), es sei aber noch nichts in trockenen Tüchern. Der Kursgewinn des Dax wurde aber auch als Gegenbewegung zu den Verlusten vom Freitag gewertet.

Zum Auftakt der US-Automobilmesse in Detroit standen im Tagesverlauf auch die Fahrzeug-Hersteller unter Beobachtung. Volkswagen teilte mit, der Autobauer habe erstmals weltweit mehr als zehn Millionen Fahrzeuge verkauft und sein Ziel damit vier Jahre früher als ursprünglich geplant erreicht. Nach anfänglichen Verlusten stieg die Aktie um 0,5 Prozent. Etwas besser performten BMW, blieben aber mit plus 0,6 unter dem Dax-Zuschlag. Lediglich Daimler stiegen mit 2,3 Prozent überdurchschnittlich.

Lufthansa werden zum Verkaufsschlager

Fortschritte im Cloud-Geschäft trieben SAP an. Die Titel stiegen an der Dax-Spitze und schlossen 4,6 Prozent höher. Der Softwarekonzern baute den Vertrieb von Programmen zur Miete über das Internet im vierten Quartal rasant aus. Der Umsatz stieg um 45 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Weit oben im Dax beendeten auch die Aktien von Fresenius SE den Börsentag - sie gewannen 3,3 Prozent. Die Erleichterung über das grüne Licht der US-Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) für das Fresenius-Werk Grand Island in den USA machte sich in Käufen der Aktie Luft.

Stark zeigten sich auch Lufthansa, die 1,7 Prozent zulegen. Für das laufende Jahr rechnet die Fluglinie mit einem operativen Ergebnis, das "signifikant" über dem Vorjahreswert liegen dürfte, wie am Morgen bekannt wurde. Rückenwind gibt vor allem der Verfall des Ölpreises: Laut dem Konzern soll die Kerosinrechnung dieses Jahr auf 5,8 Milliarden Euro fallen, wie aus einer Präsentation der Airline hervorgeht. Im vergangenen Jahr hatte die Kerosinrechnung noch mit 6,7 Milliarden Euro zu Buche geschlagen.

Lanxess, die in den vergangenen sechs Monaten arg gelitten und mehr als 30 Prozent verloren hatten, stiegen nach anfänglich höheren Gewinnen letztlich nur noch um 0,2 Prozent. Citigroup hatte am Morgen das Papier von "Neutral" auf "Buy" erhöht. Der erfolgreiche Verkauf eines Teils seines Südeuropa-Geschäfts an den tschechischen Versorger EPH machte sich im Aktien-Kurs von Eon nicht bemerkbar: Das Papier stieg um maue 0,2 Prozent.

Ganz am Ende der Dax-Rangliste landeten RWE, die 2,6 Prozent nachließen. Händler machten charttechnische Verkaufssignale verantwortlich. Der schwächelnde Energiekonzern will mit seinem Ökostromgeschäft nach immer neuen Rückschlägen endlich Kasse machen. Schwach schnitten auch Commerzbank ab, die 1,1 Prozent verloren.

ProSiebenSat.1 lassen nach Herabstufung stark nach

Auch die Aktie von Continental war mit leichten Abgaben in den Handel gegangen, verbesserte sich bis zum Schluss aber auf ein Plus von 2,8 Prozent. Der Automobilzulieferer Continental hat im abgelaufenen Jahr ein solides Ergebnis erzielt, wurde allerdings etwas von ungünstigen Wechselkurseffekten gebremst. "Das Ebit enttäuscht ein wenig, es liegt um drei Prozent unter der Konsensprognose", sagte ein Händler. Größeren Kursverlusten stehe aber die Hochstufung auf "Kaufen" durch die Bank of America-Merrill Lynch gegenüber.

Im MDax arbeiteten sich TAG Immobilien ganz nach oben und legten um 3,3 Prozent auf 10,37 Euro zu. Die Privatbank Berenberg hatte zuvor das Kursziel von 10 Euro auf 12 Euro erhöht. ProSiebenSat.1 hingegen büßten kräftig ein und landeten mit minus 2,4 Prozent auf 35,79 Euro weit hinten im MDax. Berenberg hat ProSiebenSat.1 von "Hold" auf "Sell" abgestuft, das Kursziel aber auf 29,6 Euro belassen. Schlusslicht im Nebenwerte-Index waren Südzucker mit einem Minus von 3,8 Prozent. Analysten rechnen mit einem Gewinneinbruch.

Trotz eines Umsatzrekords gerieten die Aktien des TecDax-Unternehmens Dialog Semiconductor unter Druck. Die zuletzt stark gelaufenen Titel des Chipentwicklers verbilligten sich um 1,7 Prozent. Die Marktbeobachter vom Finanz-Blog "Die Börsenblogger" gehen von Gewinnmitnahmen aus - angesichts des steilen Aufstiegs des Titels: Die Dialog-Aktie hatte binnen eines Jahres mehr als 118 Prozent zugelegt.

Quelle: n-tv.de

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