Hiobsbotschaften und "Todeskreuz"Dax kennt kein Halten
Eine Fülle negativer Nachrichten aus den hoch verschuldeten südeuropäischen Euro-Staaten sorgt für Unsicherheit am deutschen Aktienmarkt. Doch nicht nur fundamentale Gründe sorgen für negativen Einfluss auf die Kurse. Eine Rolle spielt auch ein charttechnisches "Todeskreuz".
Neue Vorschläge der EU-Kommission zur Stützung des Bankensektors haben die Aktienanleger am Mittwoch nur kurz aufatmen lassen. Der Dax holte kurzzeitig seine Verluste auf, sackte dann aber mit neuen schlechten Nachrichten aus Griechenland wieder ab.
Der Dax schloss 1,8 Prozent im Minus bei 6280,80 Punkten. Der MDax verlor 2,0 Prozent auf 10.208,56 Punkte. Der TecDax gab um 1,8 Prozent nach auf 751,09 Punkte.
Für Käufe hatte zunächst der Vorschlag der EU-Kommission gesorgt, eine Bankenunion mit einer stärker verzahnten Aufsicht einzuführen. Zudem machte sie sich für eine Lastenteilung bei einer Bankenkrise stark. Ferner soll dem Rettungsfonds ESM die Möglichkeit gegeben werden, strauchelnde Banken direkt mit frischem Kapital zu versorgen. "Die Schlagzeilen lesen sich natürlich gut, aber das hört sich schwer danach an, als ob hier wieder einmal nur kurzfristig Zeit gekauft wird", kritisierte ein Händler. Auch Analysten blieben skeptisch: "Das muss man sich erst einmal im Detail anschauen", sagte einer von ihnen.
DaxSchlechte Einflüsse prasselten auch von charttechnischer Seite auf den Markt ein. Der EuroStoxx50 hatte im Handelsverlauf das charttechnisch bedeutsame "Todeskreuz" markiert, mit dem weitere Kursverluste signalisiert werden. Das Phänomen tritt dann auf, wenn der Durchschnittskurs der vergangenen 50 Tage unter die 200-Tage-Linie fällt. Negative Kurseinflüsse aus Europa färbten dabei auch auf den Dax ab.
Als schlechtes Omen werteten Börsianer auch den schwachen Euro, der mit 1,2386 Dollar auf den niedrigsten Stand seit Anfang Juli 2010 fiel. Negativ sehen Händler zudem eine Umfrage zur Parlamentswahl in Griechenland, in der das Linksbündnis wieder die Nase vorn hat. Die linksradikalen Parteien lehnen das Sparpaket der EU ab, das als Voraussetzung für den Verbleib des Landes in der Euro-Zone gesehen wird.
Auch Neuigkeiten aus Spanien und China sind nicht dazu geeignet, die Laune an den Märkten zu heben. In Madrid gibt der Chef der Notenbank, Miguel Angel Fernandez Ordonez, seinen Posten früher als bislang geplant ab. Zudem wollen sich drei angeschlagene regionale Sparkassen zum siebtgrößten Finanzinstitut des Landes zusammenschließen. In China dämpften einflussreiche Ökonomen die Spekulationen auf ein Konjunkturprogramm. Derzeit gehe es um die Stabilisierung des Wachstums und nicht darum, die Konjunktur wie 2008 mit einem massiven Stützungsprogramm anzukurbeln, hieß es in einem von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Bericht.
Metro gefragt
Als einziger Gewinner unter den deutschen Standardwerten ragten mit positiven Vorzeichen Metro heraus. Der Verkauf der defizitären Großmärkte in Großbritannien an die britische Booker Group wurde von den Anlegern positiv beurteilt - auch für Booker. Metro-Aktien legten um 1,3 Prozent zu. Einige Börsianer bezweifelten jedoch, dass der Verkauf für die Aktie die Trendwende auslösen wird. "Das macht den Kohl nicht fett", so ein Analyst. Nach dem Kursrutsch der vergangenen Wochen könnte Metro in der neuen Rangliste per Donnerstagabend die Kriterien für die Mitgliedschaft im Dax verfehlen. Damit könnten die Papiere im September aus der ersten Börsenliga absteigen.
Der Einbruch bei den Neuzulassungen auf dem europäischen Lkw-Markt machte einigen Autobauern zu schaffen. Im Dax rutschten MAN und Daimler um 2,8 bzw. 2,5 Prozent ab.
Besonders schwach entwickeln sich darüber hinaus auch Aktien der übrigen beiden Autobauer BMW und VW. Sie beendeten den Handel mit einem Minus von 3,1 bzw. 2,9 Prozent. Am Vortag hatten die Aktien jedoch weit oben auf der Gewinnerliste gelegen, so dass mancher Anleger angesichts des ungewissen Aktienklimas vorsichtshalber Kasse macht.
Angesichts der gedämpften Konjunkturhoffnungen fielen ThyssenKrupp am unteren Indexende um 3,3 Prozent. Auch der Stahlhändler Klöckner & Co musste im MDax Federn lassen und fiel um 5,1 Prozent. Stärker gaben nur Rheinmetall ab, die 5,2 Prozent nachgaben.
Im SDax standen auf der Verkaufsliste wieder einmal die Aktien von Praktiker ganz oben, die 12,4 Prozent einbüßten. Die Baumarktkette kämpft ums Überleben und hat am Vortag erklärt, zwei Drittel seiner Märkte künftig von der profitablen norddeutschen Tochter Max Bahr betreiben zu lassen.