Wirtschaft
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Paukenschlag bei Volkswagen: Dax knapp im Plus - Dow knapp im Minus

Nach drei tiefroten Börsentagen hellt sich die Stimmung am deutschen Aktienmarkt vorsichtig auf: Frische Daten aus der Eurozone deuten eine robuste wirtschaftliche Entwicklung an. Kurz vor Handelsschluss richten sich wieder alle Augen auf VW.

Die neue Zuversicht kühlt sich am Abend deutlich ab: Nach dem personellen Paukenschlag bei VW ist der deutsche Leitindex Dax mit einem leichten Plus von knapp 0,4 Prozent bei 9613 Punkten aus dem Handel gegangen. Der Nebenwerteindex MDax beendete den Mittwochshandel 0,5 Prozent im Plus bei 19.186 Punkten. Der Technologiewerteindex TecDax schloss 0,8 Prozent im Plus bei 1712 Punkten.

An den US-Börsen haben die anhaltenden Konjunktursorgen in China überwogen. Neue Daten unterstrichen die aktuelle Wachstumsschwäche im Reich der Mitte. "Es ist zu erwarten, dass die Märkte kurz- beziehunsgweise mittelfristig unter den Auswirkungen des chinesischen Wachstums leiden werden", sagte Chefstratege Christophe Donay von Pictet Wealth Management die Schwäche bei Aktien. Auch die fallenden Ölpreise bremsten die Wall Street. Der Dow schloss zum vierten Mal in fünf Sitzungen im Minus.

Am Ende verliert der Dow-Jones-Index 0,3 Prozent auf 16.280 Punkte. S&P-500 und Nasdaq-Composite büßten 0,2 und 0,1 Prozent ein. Für wenig Bewegung sorgte der Markit-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende US-Gewerbe im September. Dieser stagnierte über der Expansionsschwelle, Volkswirte hatten dagegen mit einem leichten Rückgang gerechnet.

VW zieht die Notbremse

Der VW-Skandal bleibt an der Börse Gesprächsthema Nummer eins: Europas größer Automobilkonzern zog am Nachmittag unerwartet scharfe Konsequenzen. VW-Chef Martin Winterkorn muss wegen des Abgas-Skandals zurücktreten.

Der Kurs der VW-Aktie reagierte auf die Personalie zunächst kaum: Die im Dax gelisteten Vorzugsaktien beendeten einen für Volkswagen einschneidenden Börsentag 5,2 Prozent im Plus bei 111,50 Euro - und damit deutlich unter dem VW-Tageshoch von 131,35 Euro. Der Paukenschlag aus Wolfsburg erreichte den Frankfurter Aktienhandel eine gute halbe Stunde vor Börsenschluss.

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Mit der Deutschen Bank und JP Morgan stuften gleich zwei weitere große Broker die VW-Aktie ab und rieten Anlegern nach dem Kurseinbruch bei VW zu einer "neutralen" Position. Die Ratingagentur Fitch nahm die Bonität des Wolfsburger Konzerns auf eine Liste für eine mögliche Abstufung. Käme es zu einer negativen Ratingentscheidung würde sich die Refinanzierung von VW am Bond- und Kreditmarkt verteuern. Die Kurse der Anleihen von VW brachen ein.

"Es hat eher verwundert"

Zum Rücktritt von VW-Chef Winterkorn merkte ein Händler an: "Es hat eher verwundert, dass Winterkorn zunächst noch auf Durchhalten gesetzt hat." Das enorme Ausmaß der Manipulationen und die schweren Folgen daraus für den Konzern hätten es dem Vorstandschef als letztlich Verantwortlichen unmöglich gemacht, sich im Amt zu halten.

Einige Analysten sehen unabhängig davon schwere Zeiten auf den gesamten Autosektor zukommen. Investoren dürften die Branche eine Weile lang meiden, weil sie fürchteten, dass weitere Autohersteller von den Auswirkungen des Abgas-Skandals betroffen sein könnten, schrieben die Societe Generale. Die Credit Suisse rechnet angesichts des Skandals um Abgasmanipulationen mit härteren Emissionsvorgaben auch in Europa.

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Dies könne sich nun ändern, hieß es. Vor allem die Premiumhersteller BMW, Daimler und Audi könnten nach der Einschätzung der Analysten darunter leiden. Sie seien besonders auf die Diesel-Technologie angewiesen, um den Verbrauch ihrer Fahrzeuge zu senken. Die Aktien von Daimler und BMW blieben davon am Berichtstag unberührt. Daimler schlossen knapp 0,3 Prozent im Plus. BMW-Titel legten 0,6 Prozent zu.

Vorherrschenden Einfluss auf die Stimmung am Parkett hatten dagegen über weite Strecken des Tages die freundlichen Konjunkturdaten aus der Eurozone: Am Vormittag hatte der Einkaufsmanager-Index (PMI) aus der Eurozone neue Zuversicht ausgelöst. Wie Index-Anbieter Markit am Morgen mitteilte, deuten die verstärkten Zuwächse bei Auftragseingang und Auftragsbeständen darauf hin, dass es auch in den kommenden Monaten aufwärts gehen dürfte.

Offensichtlich schüttelten die Börsen die enttäuschenden Stimmungsdaten aus China erst einmal ab, hatte Marktanalyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets die Reaktionen am Markt auf die jüngsten Konjunkturdaten kommentiert. Zudem stabilisierten sich die Aktien des Dax-Schwergewichts VW, die wegen des Skandals um manipulierte Diesel-Abgastests abgestürzt waren.

China-Daten helfen Lufthansa

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Zweitstärkster Wert im Leitindex nach VW waren die Aktien der Lufthansa, die sich mit der Aussicht auf fallende Treibstoffkosten um starke 3,9 Prozent verbesserten. Zuletzt waren die Ölpreise nach den schwachen Konjunkturdaten aus China deutlich zurückgegangen.

Der Aktienkurs der Fluggesellschaft profitierte zudem von Aussagen eines Lufthansa-Sprecher, der sich auf einer Veranstaltung der Berenberg Bank in München äußerte und dabei ein positives Fazit des Sommergeschäfts zog. Demnach sollen die Geschäfte auch im September trotz Streiks gut laufen, dieser positive Trend bis Mitte November fortdauern und die Airline ihr Gewinnziel für 2015 "bequem" erreichen.

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Die allgemeine Erholungsbewegung erfasste selbst die gebeutelten Energieversorger: Die Aktien von Eon kletterten nach den starken Kursverlusten der vergangenen Tage um 0,8 Prozent, RWE verteuerten sich um 1,6 Prozent. Beitragen konnten dazu offenbar auch die Aussagen von RWE-Chef Peter Terium, der den Absturz der Aktien in den vergangenen Wochen als "übertrieben" bezeichnete.

Wall Street: Schwache Energiewerte

An der New Yorker Wall Street zeigten sich Energiewerte und konjunktursensible Titel schwach. So gaben im Industriegütersektor United Technologies um weitere 1,4 Prozent auf ein Zweieinhalbjahrestief nach. Als Auslöser der mehrtägigen Talfahrt machten Händler die Bonitätssenkung durch Moody's und S&P aus. Das Unternehmen plant einen umfangreichen Aktienrückkauf. MetLife stiegen um 0,7 Prozent. Der Versicherer hatte bereits zum dritten Mal seit dem vergangenen Jahr die Mittel zum Rückkauf eigener Aktien aufgestockt. Laut Kreisen sucht der kriselnde Warenhausbetreiber J.C. Penney einen neuen Chefeinkäufer, die Titel sanken um 0,1 Prozent.

Im Blick stand außerdem die Potash-Aktie. Berichte, wonach einige deutsche Investoren des Düngemittelherstellers K+S allmählich die Geduld mit dem Management des Unternehmens verlieren, sorgten für Fantasie sorgen, dass die von K+S bislang abgelehnte Übernahme durch Potash doch noch zustande kommt. "Wir würden ein offizielles Angebot von Potash begrüßen - selbst wenn es feindlich wäre", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Potash gaben 5,5 Prozent ab.

Asien: VW-Schatten reicht bis Korea

Mit tiefroten Vorzeichen beendeten die Börsen in Ostasien den Mittwochshandel. Insbesondere die chinesischen Börsen gingen auf Talfahrt. Der Shanghai-Composite verlor 2,2 Prozent auf 3116 Punkte, der HSI in Hongkong rutschte um 2 Prozent ab. In Sydney fiel das Minus mit 2,1 Prozent ähnlich hoch aus, ebenso wie in Seoul. In Tokio wurde auch am Mittwoch feiertagsbedingt nicht gehandelt. Im japanischen Aktienhandel geht es nach dreitägiger Feiertagspause erst am Donnerstag weiter.

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"Die Reaktion des Marktes hat nicht auf sich warten lassen", kommentierte IG-Marktstratege Bernard Aw die jüngsten Konjunktursignale aus China. "Die schwächer als erwartet ausgefallenen Daten verstärken die Sorgen, dass die chinesische Wirtschaft Probleme hat, Wachstumsmomentum aufzubauen."

Nach Ansicht der Analysten von Nordea deuten die Daten darauf hin, dass das Bruttoinlandsprodukt Chinas im dritten Quartal eine Wachstumsrate von unter 7 Prozent zeigen wird. "Weitere politische Stimuli sind in der Pipeline, aber sie reichen nicht aus, um dem strukturellen Abwärtsdruck entgegenzuwirken. Vor einem Kollaps steht die chinesische Wirtschaft zwar nicht, aber das Risiko einer harten Landung ist deutlich gestiegen", meinte die Marktexperten von Nordea. Offiziell peilt Peking für 2015 ein Wachstum von rund 7 Prozent an.

Devisen: Euro bleibt stabil

Der offizielle Kurs des Euro ist zu Wochenmitte gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1150 US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8969 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,72970 britische Pfund, 134,03 japanische Yen und 1,0882 (1,0860) Schweizer Franken fest.

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Im freien Devisenhandel erreicht der Euro nach einer Draghi-Rede vor einem EU-Parlamentsausschuss ein neues Tageshoch bei 1,1191 Dollar. Die Gemeinschaftswährung kostet zuletzt 1,1159 Dollar und damit 0,3 Prozent mehr als Vorabend.

Wichtigster Termin am Nachmittag aus der Sicht der Devisenexperten: EZB-Präsident Mario Draghi sprach vor Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Von seinen Aussagen und auch von Konjunkturdaten aus den USA könnten die nächsten Impulse für den Euro/Dollar ausgehen, hieß es im Vorfeld.

Bei seinem Auftritt vor den EU-Parlamentariern erteilte Draghi einer raschen Ausweitung der EZB-Geldspritzen eine Absage. Die EZB brauche zur Bewertung der Lage noch mehr Zeit, sagte Draghi vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss. Das nachlassende Wachstum in den Schwellenländern, der stärkere Euro und der Ölpreisverfall trübten zwar den Ausblick. Doch es sei noch zu früh, so Draghi, um beurteilen zu können, ob diese Faktoren dauerhafte Folgewirkungen auslösten.

"Wir werden deshalb alle relevanten Informationen genau beobachten und ihre Auswirkungen für die Aussichten auf Preisstabilität im Auge behalten", betonte Draghi. In den vergangenen Tagen hatte der Euro deutlich nachgegeben. Seit Freitag belaufen sich die Verluste auf fast 3 Cent. Auslöser sind zum einen Äußerungen amerikanischer Notenbanker, die eine baldige Zinswende in den USA erwarten lassen.

Rohstoffe: Chinadaten ziehen Öl ins Minus

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Die schwachen Konjunkturdaten aus China schlagen voll auf die Ölpreise durch. Nach einer zunächst festen Tendenz im asiatischen Handel kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November 48,79 US-Dollar. Das sind 29 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Oktober gibt um 74 Cent nach auf 45,62 Dollar.

Chinas Wirtschaft ist wegen seiner hohen Ölimporte von großer Bedeutung für den Rohölmarkt. Eine schwächere Konjunktur spricht für geringere Einfuhren und damit für tendenziell fallende Ölpreise.

Quelle: n-tv.de

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