Wirtschaft
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Anleger halten sich zurück: Dax kommt nicht vom Fleck

Die Stimmung an den Börsen ist weiterhin gut. Für viele Investoren ist es nur eine Frage der Zeit, wann der Dax ein neues Rekordhoch markiert. Doch zunächst lautet die Devise: abwarten.

Nach den Vortagesaufschlägen ist es an Europas Börsen gemächlicher zugegangen. Selbst unerwartet gute Zahlen vom US-Arbeitsmarkt ließen die Anleger kalt. Die Stimmung blieb jedoch zuversichtlich. Der Dax schloss bei 9497 Punkten und damit minimal im Minus,nachdem er am Vortag noch 0,8 Prozent zugelegt hatte. Auch der Eurostoxx50 tendierte knapp im roten Bereich. Der MDax gewann 0,2 Prozent auf 16.623 Punkte, der TecDax verharrte bei 1194 Zählern.

Die US-Konzerne hatten im Dezember mit 238.000 Jobs mehr neue Jobs als erwartet geschaffen. Die deutliche Verbesserung der Arbeitsmarktlage setze sich fort, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Zuletzt hatten bereits gute Konjunkturdaten aus Europa und den USA die Hoffnung auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung gestärkt. In den USA dürfte vor allem die am Donnerstag startende Berichtssaison zeigen, ob der Optimismus berechtigt sei, sagte ein Händler.

An den Rentenmärkten setzten die Anleihen der Euro-Sorgenkinder Spanien, Irland und Portugal ihren Aufwärtstrend fort. "Wir haben solide Nachfrage nach Anleihen aus der Peripherie, es gibt kaum Verkäufer", so ein Händler. Anleger setzten auf ein Comeback der spanischen Wirtschaft und nach der erfolgreichen Rückkehr Irlands an den Kapitalmarkt auf einen ähnlichen Schritt Portugals. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Bonds fiel auf 3,764 Prozent und notierte damit so niedrig wie seit Dezember 2009 nicht mehr. Die entsprechende irische Rendite sank auf den niedrigsten Wert seit Anfang 2006. Die portugiesischen Renditen lagen so niedrig wie im Mai vorigen Jahres.

K+S legen zu

Das eisige Winterwetter in den USA sorgte bei K+S für ein sattes Kursplus von 5,4 Prozent. Ein K+S-Sprecher hatte gesagt, bei der US-Tochter Morton Salt laufe der Verkauf von Auftausalz blendend. Die Einnahmen aus den USA seien bei K+S mehr als willkommen, meinte Equinet-Analyst Michael Schaefer. Ein Börsianer warnte jedoch, dass der bislang milde Winter in Europa das Salzgeschäft hierzulande schwächen dürfte.

Unter den größten Gewinnern im Dax fanden sich SAP mit einem Plus von 1,6 Prozent. Die Analysten der UBS hatten die Titel zum Kauf empfohlen. BASF gaben 0,6 Prozent nach. Händler führten das auf eine Herabstufung durch Bank of America Merrill Lynch zurück.

RWE führten die Verliererliste im Dax mit einem Minus von 2 Prozent an. Händler führten das auf Stop-Loss-Orders zurück. "Der Fall durch die 25,50er-Marke hat für einige Stops gesorgt", sagte ein Börsianer. Fundamental belaste die Verkaufsempfehlung für deutsche Versorgerwerte durch Goldman Sachs. Eon verlören nur 0,8 Prozent, da sie technisch noch nicht so angeschlagen aussähen, hieß es im Handel.

Auf der Verliererseite standen auch die Aktien der Munich Re mit einem Abschlag von 1,6 Prozent. Die Experten des US-Versicherungsmaklers Aon Benfield hatten am Vorabend die volkswirtschaftlichen Schäden, die die Stürme "Xaver" und "Dirk" in Europa 2013 angerichtet hatten, auf zusammen mindestens 1,65 Milliarden Euro veranschlagt. Die im MDax gelisteten Aktien von Hannover Rück verloren 1,6 Prozent.

Aufwärts ging es an Europas Börsen dagegen mit dem Bankensektor. "Nach der Rückkehr Irlands an die Kapitalmärkte zahlen nun auch Krisenbanken ihre Staatshilfen früher zurück", sagte ein Händler mit Verweis auf die belgische Bank KBC. Dies stärke das wiederkehrende Vertrauen in den Sektor. Die KBC Group hatte mitgeteilt, 500 Millionen Euro früher als geplant an die Regierung zurückzahlen zu wollen. Deutsche Bank gewannen 1,9 Prozent, Commerzbank 3,5 Prozent.

Auf Unternehmensseite stand im Kion im Blick. Etwas über ein halbes Jahr nach dem Börsengang machen die Großaktionäre Goldman Sachs und KKR Kasse. Die gemeinsam kontrollierte Holdinggesellschaft will 10,7 Millionen Aktien an institutionelle Investoren verkaufen. Im Handel war von einer hohen Nachfrage die Rede. Im Verlauf verbilligten sich die Papiere um 1,9 Prozent.

Celesio rückten 9,2 Prozent vor. In das Tauziehen um die Übernahme des Pharmahändlers durch den US-Konzern McKesson kommt Insidern zufolge nur einen Tag vor dem Ende der Übernahmefrist Bewegung. McKesson arbeite an Zugeständnissen an den US-Hedgefonds Elliott, um diesen zu einer Zustimmung zu der sechs Milliarden Euro schweren Transaktion zu bewegen, hieß es. Die Angebotsfrist für die Offerte von McKesson läuft am Donnerstag um 24 Uhr aus.

Berichtssaison beginnt

Nach Börsenschluss in Europa wird das Protokoll der US-Notenbanksitzung vom 17./18. Dezember veröffentlicht. Zu diesem Termin kündigten die Notenbanker an, das Anleihekaufprogramm in einem ersten Schritt um 10 Milliarden Dollar monatlich ab Januar zu senken. Die US-Notenbank nutzt diesen Bericht als ein Instrument der Kommunikation mit dem Finanzmarkt, daher wird an der Börse dem genauen Wortlaut viel Aufmerksamkeit geschenkt. Besonders dürfte darauf geachtet werden, ob Andeutungen zu weiteren Reduzierungen des Anleihekaufprogramms in dem Protokoll zu finden sind. Die Volkswirte der Credit Agricole gehen davon aus, dass die Fed bereits Ende des Monats eine weitere Senkung um 10 Milliarden Dollar auf dann 65 Milliarden Dollar monatlich bekannt geben wird.

Am Donnerstag folgen dann die Notenbanksitzungen der Bank of England und der Europäischen Zentralbank. Am Abend eröffnet der Aluminiumkonzern Alcoa, wenn auch nicht mehr im Dow-Jones-Index vertreten, inoffiziell die Berichtssaison in den USA. In dieser Woche legen zudem noch die Einzelhändler Bed Bath & Beyond und Family Dollar ihre Quartalszahlen vor.

Quelle: n-tv.de

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