Wirtschaft
(Foto: imago/Westend61)

Zäher Handel an der Wall Street: Dax kriegt am Ende noch die Kurve

Nach einigem Auf und Ab schafft es der Dax zum Schluss doch noch in die Gewinnzone. Für Rückenwind sorgt ein schwacher Euro, der auf den tiefsten Stand seit Monaten fällt. Aber auch die Bilanzsaison hält Anleger weiter in Atem - etwa der Fall Eon.

Nach anfänglichen Kursverlusten schloss der deutsche Leitindex Dax am Ende doch noch im grünen Bereich. Rückenwind kam vom schwachen Euro, der zum US-Dollar erstmals seit fast sieben Monaten unter 1,07 Dollar gefallen war. Daraufhin hatten sich die Kurse vieler europäischer Blue-Chips wieder erholt.

Der Dax gewinnt am Ende 0,2 Prozent auf 10.833 Punkte hinzu. Mit einem schwachen Euro verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone im internationalen Vergleich. Gegen 13.45 Uhr MEZ verstärkte sich der Verkaufsdruck auf die Gemeinschaftswährung, sie fiel unter die Marke von 1,07 Dollar. Während am Geldmarkt in den USA die Zinsen stiegen, fielen sie am Euro-Geldmarkt auf immer neue Rekordtiefstände.

Die Erwartung einer weiteren Zinssenkung in der Eurozone im Dezember lastet schwer auf den Sätzen am Euro-Geldmarkt, wo sich Banken untereinander kurzfristig Liquidität leihen. Fallende Zinsen gehen mit steigenden Anleihekursen einher. Bundesanleihen, die zuletzt stark nachgegeben haben, setzen die Erholung vom Dienstag fort.

Frankfurt: Eon rutscht nach Zahlen ans Dax-Ende

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Der Dax schloss am Ende um 0,2 Prozent höher bei 10.833 Punkten. Ebenfalls um 0,2 Prozent stieg der MDax auf 21.020 Zähler. Mit einem Plus von 0,1 Prozent ging der technologielastige TecDax bei 1815 Punkten aus dem Handel. Mit dem Eurozonen-Leitindex Euro-Stoxx-50 ging es 0,2 Prozent hinauf.

Im Fokus standen vor allem die Bilanzen zahlreicher Unternehmen. Der Energiekonzern Eon wird einem Insider zufolge in den ersten neun Monaten einen Verlust von rund fünf Milliarden Euro verbuchen. Das hatte zuvor bereits das "Handelsblatt" berichtet. Die Aktien verloren 3,0 Prozent und bildeten damit zusammen mit den 3,8 Prozent verlierenden RWE-Aktien das Schlusslicht im Dax.

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Für viel Wirbel an der Börse hatte bereits bisher die geplante Übernahme von Atmel durch den TecDax-Konzern Dialog Semiconductor gesorgt. Nun hatte sich noch ein weiterer prominenter Gegner der Übernahme positioniert. Der Hedgefonds Elliott Management ruft die Aktionäre der Dialog Semiconductor auf, die milliardenschwere Übernahme des US-Konzerns zu verhindern. An der Börse wurde der wachsende Widerstand positiv gewertet, die Aktie legte um 2,2 Prozent zu.

Auch der erhöhte Ausblick der Aareal-Bank wurde an der Börse zunächst positiv gewertet. "Aareal ist als konservativ bekannt", sagt ein Händler: "Da überrascht es schon, wenn sie den Ausblick noch höher nimmt, als die Analysten erwartet hatten". Dennoch schloss die Aktie nach anfänglichen Aufschlägen 3,7 Prozent im Minus.

Jungheinrich legten um 1,2 Prozent zu - der Gabelstaplerhersteller sieht sich dank eines starken Neugeschäfts auf einem guten Weg für seine erhöhten Ziele.

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Der Apple-Zulieferer Manz ist bei den Anlegern in Ungnade gefallen. Einen Tag nach dem Ausweis roter Zahlen fielen die Aktien um 5,1 Prozent und damit ans TecDax-Ende. "Wir weisen darauf hin, dass die Jahresprognose weder Kosten für die geplante Restrukturierung enthält noch mögliche Abschreibung im Falle einer Schließung des Solargeschäftes", schrieb LBBW-Analyst Erkan Aycicek in einem Kurzkommentar. Am Montag hatten Manz bereits zwei Prozent verloren.

USA: Dow Jones schafft noch Mini-Plus

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Nach den Abgaben vom Montag geht es an der Wall Street zunächst mit den Kursen erneut abwärts. Gegen Handelsende bauen die Indizes ihre Verluste wieder ab. Der Dow-Jones-Index gewinnt 0,2 Prozent und schließt bei 17.758 Punkten. Der S&P-500 steigt ebenfalls um 0,2 Prozent auf 2082 Zähler. Der Nasdaq-Composite gibt dagegen um 0,2 Prozent auf 5083 Punkte nach.

Beobachter sind sich nicht einig, ob die Zurückhaltung der Anleger mit der nunmehr für Dezember erwarteten Zinswende zusammenhängt. Nach den überraschend starken Arbeitsmarktdaten vom Freitag preisen die Fed-Fund-Futures eine Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent ein, dass die US-Notenbank schon im kommenden Monat erstmals seit der Finanzkrise wieder die Zinsen erhöht.

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Unter den Einzelwerten an der Börse verlieren die Aktien der Modekette Gap 1,4 Prozent. Sie hatten am Montag im nachbörslichen Handel schon kräftig Federn gelassen, nachdem das Unternehmen für Oktober rückläufige Umsätze gemeldet und einen enttäuschenden Ausblick gegeben hatte.

Einen kräftigen Einbruch verzeichnen Leapfrog, die um 20,2 Prozent fallen. Der Hersteller von Lernspielzeug hat im zweiten Geschäftsquartal einen größeren Verlust geschrieben, als Analysten erwartet hatten. Auch der Umsatz enttäuschte.

Die Aktien von Monsanto zeigen sich 1,4 Prozent leichter, nachdem der Agrarchemiekonzern seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr 2015/16 gesenkt hat. Restrukturierungskosten werden nach Aussage Monsantos das Ergebnis schmälern.

Asien: Nikkei koppelt sich von Negativtrend ab

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Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung in China und die Aussicht auf ein Ende der Ära des billigen Geldes in den USA haben die Märkte in Fernost belastet. Die asiatischen Börsen einschließlich China tendierten nahezu alle im roten Bereich.

Gegen den Trend fester beendete lediglich der japanische Leitindex Nikkei den Handel. Er schloss 0,2 Prozent im Plus bei 19.671 Punkten, dem höchsten Schlusskurs seit zweieinhalb Monaten. Händler verwiesen auf den weiterhin zum Dollar schwachen Yen, wovon in der Regel unter anderem Exportwerte profitieren.

Insgesamt aber scheuten Anleger in Fernost das Risiko. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gab mehr als ein Prozent nach. Die Aktienpreise hätten sich ziemlich gut erholt im vergangenen Monat, sagte Takeru Ogihara von Mizuho Trust Securities. "Die Rally ist vorerst vorbei, da die Märkte versuchen, eine Zinserhöhung der Fed im Dezember einzupreisen." Angesichts zuletzt überraschend starker US-Arbeitsmarktdaten gehen inzwischen viele Marktteilnehmer davon aus, dass die amerikanische Notenbank im kommenden Monat die Zinswende einleiten wird.

Neue Daten aus China schürten zudem Bedenken, dass sich die Konjunktur in der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt weiter abschwächen könnte. Der Leitindex der Börse Shanghai gab 0,1 Prozent nach, der Index der 300 wichtigsten Werte in Shanghai und Shenzhen verlor 0,2 Prozent. Der Hang Seng in Hongkong tendierte 1,5 Prozent schwächer.

Devisen: Euro pendelt um die 1,07 Dollar

Der Kurs des Euro hat weiter unter Druck gestanden. Nach wie vor lastet die Erwartung einer noch lockereren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der Gemeinschaftswährung. Am Nachmittag kostete ein Euro 1,0700 US-Dollar und damit gut einen halben Cent weniger als am Morgen. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,0711 (Montag: 1,0776) Dollar fest.

Zahlen zur Industrieproduktion aus Frankreich und Italien waren gemischt ausgefallen. Während die französischen Daten positiv überraschten, blieben die Ergebnisse aus Italien hinter den Erwartungen zurück. "Die Daten zur Industrieproduktion aus Frankreich und Italien für September zeigen, dass sich das Wachstum der Euroraum-Industrie im dritten Quartal von seinem ohnehin schwachen Tempo weiter verlangsamt hat", kommentierte das Analysehaus Capital Economics.

Auch Preisdaten aus den USA konnten den Euro nicht stützen. Im Oktober waren die Preise für eingeführte Güter in den Vereinigten Staaten stärker gefallen als erwartet. Das schwächelnde Preisniveau spricht tendenziell eher für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik in den USA. Insgesamt dominieren aber seit dem jüngsten US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag die Erwartungen einer Zinswende im Dezember.

Rohstoffe: Erholung beim Öl, Kupferpreis fällt

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Die Aufwertung des Dollar hat die Erholungsbewegung des Ölpreises nur kurz unterbrochen. Der Preis für das Barrel Rohöl der US-Sorte WTI legte nach einem kleinen Rücksetzer auf 44,60 Dollar zu. Zum Settlement am Montag kostete WTI 43,87 Dollar. Ein Fass der Sorte Brent kostete am späten Nachmittag 47,42 Dollar und damit 23 Cent mehr als am Vortag.

Ein fester Dollar ist tendenziell schlecht für den Ölpreis, denn Öl wird in Dollar bezahlt, weshalb die Stärke der US-Währung den Rohstoff für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum verteuert. Das Problem der Überversorgung, das den Ölpreis belastet, dürfte sich mit einer geringeren Nachfrage verschärfen.

Aus Furcht vor einem fortgesetzten Rückgang der China-Nachfrage haben sich weitere Anleger aus dem Kupfermarkt zurückgezogen. Das Industriemetall verbilligte sich um bis zu ein Prozent auf 4915 Dollar je Tonne und lag damit nur noch 60 Dollar über dem Sechs-Jahres-Tief vom August.

Der Markt rechne bezüglich der China-Konjunktur mit dem Schlimmsten, sagte Anlagestratege Daniel Hynes von der Australia New Zealand Bank. Die von Bergbaufirmen angekündigten Kürzungen der Fördermengen stützten zwar den Markt, für eine nachhaltige Erholung der Preise müsse aber die Nachfrage wieder anziehen.

Quelle: n-tv.de

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