Wirtschaft
(Foto: imago stock&people)

Wall Street knickt deutlich ein: Dax lässt Großteil seines Gewinns liegen

Enttäuschung an der Frankfurter Börse: Die meiste Zeit zeigt sich der Dax mit satten Aufschlägen, nur um am Ende einen Großteil davon wieder abzugeben. Anleger sind ratlos, von Gewinnmitnahmen ist die Rede. Stützend wirkt noch die Japan-Rally vom Morgen.

Nach einem starken Auftritt über den größten Teils des Handelstages und Gewinnen von bis zu zwei Prozent kam der deutsche Leitindex Dax am Ende ins Rutschen. So blieb es bei einem leichten Gewinn von 0,3 Prozent und einem Schlussstand von 10.303. Gleichzeitig rutschte der Index damit unter den Unterstützungsbereich von 10.380 Punkten. Einen rechten Reim auf die Bewegung konnte man sich im Handel nicht machen. "Der Dax ist sehr gut gelaufen", so ein Händler. Vermutlich handele es sich um Gewinnmitnahmen.

Dämpfend könnte auch der BLS-Arbeitsmarktbericht aus den USA gewirkt haben. Die Zahl der offenen Stellen ist im Juli auf 5,75 Millionen nach 5,32 im Juni deutlich gestiegen. Zwar könnte eine höhere Zahl einen Anstieg der zukünftigen Beschäftigung in den USA implizieren. Unmittelbar scheint das aber nicht der Fall zu sein, da die Einstellungsquote der Unternehmen im Juli gefallen ist.

Für den Markt ist der Bericht ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind negative Nachrichten zum Arbeitsmarkt grundsätzlich ungünstig, andererseits machen sie eine September-Zinserhöhung in den USA unwahrscheinlicher.

Gestützt wurde die Stimmung jedoch von starken Vorlagen. vor allem aus Asien. In China lagen die Märkte mit der Ankündigung konjunktureller Stimuli weiter auf Erholungskurs, und in Japan verzeichnete der Nikkei den stärksten Tagesgewinn seit etwa sieben Jahren. Daraufhin kehrte auch in Europa der Risikoappetit der Anleger zurück.

Deutschland: K+S büßen am Ende deutlich ein

Chart

Der Dax schloss am Ende 0,3 Prozent höher und stieg auf 10.303 Punkte. Für den MDax ging es 1,2 Prozent nach oben auf 19.818 Zähler. Ein Plus von 0,9 Prozent verzeichnete der TecDax und stieg auf 1735 Punkte, der Euro-Stoxx-50 legte 1,2 Prozent zu.

Stark zeigen sich die Autowerte im Dax: Zu den größten Gewinnern zählte BMW mit einem Plus von 1,8 Prozent. Händlern zufolge hatte das Bankhaus Lampe die Titel auf "Buy" von "Hold" gesetzt. Morgan Stanley sieht die Aktie laut Börsianern nun bei "Overweight" von "Equalweight". Daimler legten 1,3 Prozent zu. Auch für Heidelbergcement ging es um 1,1 Prozent nach oben. Goldman Sachs hatte die Titel Händlern zufolge auf "Kaufen" gesetzt.

Lufthansa erholten sich zwischendurch, schlossen aber 0,3 Prozent im Minus. Dabei hatte das Hessische Landesarbeitsgericht in Frankfurt den Pilotenstreik bei der Lufthansa zumindest für den Mittwoch für rechtswidrig erklärt. Auch hatte die Airline gute Verkehrszahlen vorgelegt.

Video

K+S verbuchten am Ende ein dickes Minus von 1,1 Prozent. "Derzeit erscheint der Kurs schon wieder ziemlich ausgereizt", so ein Händler. Sollte wegen einer möglichen feindlichen Übernahme in den kommenden Tagen nichts hinterher kommen, sei ein neuerlicher Rücksetzer wahrscheinlich. Ein Handelsblatt-Bericht über eine möglicherweise feindliche Übernahme durch Potash wird im Handel als "weich" beschrieben. Keine große Rolle spielte dagegen eine Razzia beim Düngemittel- und Salzproduzent K+S. Das Unternehmen soll unerlaubt Abfälle entsorgt haben. Ausgangspunkt des bereits seit Jahren laufenden Verfahrens ist eine Strafanzeige der Gemeinde Gerstungen.

Im MDax stiegen Osram mit dem Verkauf der Beteiligung an der chinesischen Foshan Electrical & Lighting Co (Felco) um 3,1 Prozent.

Europa: Ryanair legen nach Prognose ordentlich zu

Die Aktien der irischen Airline Ryanair gewannen mit einer höheren Prognose 5,4 Prozent. Der Billigflieger rechnet nun im laufenden Geschäftsjahr mit einem Gewinn von etwa 1,2 Milliarden Euro statt mit etwa 970 Millionen Euro bisher. Auch die Prognosen für die Passagierzahlen hat Ryanair erhöht.

Chart

Der Schweizer Elektro-Konzern ABB hingegen hatte die Umsatzprognosen leicht zurückgenommen. "Das könnte aber eingepreist sein", sagt ein Händler mit Blick auf hohe Absicherungsgeschäfte an den Terminbörsen. Positiv sei, dass der Industriekonzern seine Finanzziele bis 2020 bekräftigt habe. Der Kurs legte um 0,1 Prozent zu.

Beim französischen Konzern Alstom zeigte sich vor dem Hintergrund der Übernahme der Energie-Sparte durch General Electric nur noch eine marktnahe Performance: Die Aktie verlor um 0,6 Prozent. "Seit rund einer Woche wird eingepreist, dass es keine großen Problem geben wird, daher dürfte in Alstom nun langsam die Luft raus sein", sagte ein Händler. Dennoch sei mit keinen größeren Gewinnmitnahmen zu rechnen.

USA: Wall Street taucht ab

Chart

Die US-Börsen schlossen zur Wochenmitte nach einer Berg- und Talfahrt mit Kursverlusten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 1,5 Prozen t auf 16.253 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 1,4 Prozent auf 1942 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 1,2 Prozent auf 4756 Punkte.

Zu den Verlierern zählten vor allem Energiewerte. Der S&P-Subindex für Energie ließ wegen der niedrigen Ölpreise 1,9 Prozent Federn. Bei den Einzelwerten stand Apple im Fokus. Die Aktie ging nach einer Achterbahnfahrt 1,9 Prozent schwächer aus dem Handel. Apple bringt pünktlich zum Weihnachtsgeschäft neue Versionen des iPads sowie des iPhones auf den Markt. Fans und Börsianer zeigten sich von den Veränderungen wie weiterentwickelte Displays, längere Akkulaufzeiten, leistungsstärkere Chips oder bessere Kameras zunächst nicht überzeugt.

Zu den Gewinnern gehörte Yahoo. Die Aktie stieg nach anfänglichen Verlusten rund zwei Prozent, obwohl der Konzern vor Problemen bei der Abspaltung seiner milliardenschweren Beteiligung an dem chinesischen Onlinehändler Alibaba steht. Dieser schraubte seinerseits wegen der abgeschwächten Konjunktur die Geschäftserwartungen zurück. Dennoch verteuerte sich die Alibaba-Aktie um mehr als fünf Prozent.

Asien: Nikkei mit höchstem Tagesgewinn seit 2008

Chart

Die Aussicht auf weitere Konjunkturhilfen in Japan und China hat die Kurse an den Aktienmärkten in Fernost kräftig angetrieben. In Tokio schoss der Nikkei-Index um 7,7 Prozent in die Höhe auf 18.770 Punkte. Das war der größte Tagesgewinn seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008. Angetrieben wurden die Kurse vor allem durch Ankündigungen des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, die Unternehmensteuern zu senken.

Bei den Einzelwerten schossen in Tokio die Bankenwerte Nomura mehr als acht und Daiwa rund sieben Prozent nach oben. Exporttitel wie Toyota und Honda stiegen um mehr als sechs Prozent.

Auch in China erholten sich die Kurse. Der MSCI-Index asiatisch-pazifischer Aktien außerhalb Japans lag rund drei Prozent im Plus. In Hongkong schoss der Hang-Seng-Index um 4,1 Prozent nach oben, in Shanghai war der Aufschlag mit 2,3 Prozent etwas verhaltener. Anleger zeigten sich angesichts weiterer Konjunkturstützen wieder etwas optimistischer, wenngleich die Unsicherheit über die Wachstumsaussichten in China nicht gänzlich verschwand.

Nach schwachen Ein- und Ausfuhrdaten hatte die Regierung in Peking angekündigt, die heimische Wirtschaft mit umgerechnet insgesamt zehn Milliarden Euro anzukurbeln. Händlern zufolge trugen zur positiven Stimmung auch die jüngsten Konjunkturdaten aus Deutschland bei, wonach die Exporteure einen Rekordumsatz erzielten. Zudem sorgte das kräftige Plus der US-Börsen am Dienstag für Auftrieb an Asiens Märkten.

Devisen: Euro etwas leichter, Schweizer Franken verliert weiter

Der Euro hat sich unter der Marke von 1,12 Dollar eingependelt. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1175 US-Dollar. Wie an den Vortagen war der Handel schwankungsanfällig. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1139 (Dienstag: 1,1162) Dollar festgelegt.

Der Schweizer Franken ist in der Nacht zum Mittwoch auf den tiefsten Stand zum Euro seit Januar gefallen. Ein Euro kostete zwischenzeitlich 1,0984 Franken. Damit war die Gemeinschaftswährung aus Sicht der Schweizer so teuer wie seit der Wechselkursfreigabe durch die Schweizer Notenbank zum Jahresbeginn nicht mehr.

Rohstoffe: Brent büßt wieder ein

Mit den Ölpreisen geht es nach einem Zwischen hoch wieder bergab. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 49,00 US-Dollar. Das waren 52 Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 36 Cent auf 45,58 Dollar.

Manch ein Analyst glaubt nach den jüngsten Gewinnen jedoch an eine Wende bei den Ölpreisen, die sich seit Wochen fast durchgängig auf Abwärtskurs befanden. "Der Markt war zu pessimistisch", sagte Ric Spooner, Analyst beim Finanzdienstleister CMC Markets ins Sydney. "Wenn er sich einmal stabilisiert, dann werden wir zumindest für einige Zeit eine Erholung sehen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen