Wirtschaft
Bernanke, Zahlen über Zahlen ... diese Woche gab es viel zu verarbeiten. Das müssen Anleger erstmal verdauen.
Bernanke, Zahlen über Zahlen ... diese Woche gab es viel zu verarbeiten. Das müssen Anleger erstmal verdauen.(Foto: REUTERS)

Pause nach der Bernanke-Euphorie: Dax lässt alles sacken

Die Euphorie nach den jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Bernanke ist verflogen. Dafür bereiten den Anlegern jetzt schwache Firmenbilanzen Kopfschmerzen. Viele gehen vor dem nächsten Schwung frischer Zahlen auf Nummer sicher und nehmen ihre Gewinne mit.

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Schwache Geschäftszahlen von amerikanischen Großkonzernen wie Microsoft und Google haben die Aktienbörsen zum Wochenschluss leicht ins Minus gedrückt. Aus Furcht vor weiteren Enttäuschungen ließen die Anleger am deutschen Aktienmarkt Vorsicht walten. Die Korrektur sei "nur gesund", kommentierten Marktteilnehmer. Der Leitindex hatte in den vergangenen neun Handelstagen einen starken Lauf, mit nur einem Ausreißer am Dienstag.

Der Dax verabschiedete sich am Ende mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 8331 Punkten in den Feierabend. Auf Wochensicht legte er dagegen 1,4 Prozent zu. Der EuroStoxx50 verlor ebenfalls 0,1 Prozent auf 2716 Punkte. Auch an der Wall Street standen die Zeichen auf verkaufen: Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 gaben zwischen 0,1 und 0,8 Prozent nach.

Größere Verluste verhinderte die Ankündigung einer Zinsreform in China. Die chinesische Zentralbank hatte unter anderem erklärt, die Mindesthöhe für Kreditzinsen zu streichen. Die Banken könnten die Zinsen nun basierend auf wirtschaftlichen Prinzipien festsetzen. "Das ist eine andere Art einer Lockerung der Geldpolitik", sagte ein Börsianer. In den vergangenen Wochen war über einen Liquiditätsengpass in China spekuliert worden. Die Furcht vor entsprechend negativen Konsequenzen für die dortige Konjunktur hatte die Finanzmärkte in Unruhe versetzt.

Im Techsektor hagelt es Enttäuschungen

Enttäuschende Zahlen kamen zunächst aus den USA: Microsoft verbuchte im abgelaufenen Quartal einen 24-prozentigen Gewinnrückgang. Der Softwarekonzern hadert mit der Ablösung klassischer PCs durch Smartphones und Tablets. Auf sein eigenes Tablet "Surface" musste das Unternehmen 900 Mio. Dollar abschreiben. Microsoft brachen daraufhin um bis zu 10,6 Prozent ein.

Bei Google schwächelte das Werbegeschäft. Außerdem hat der Suchmaschinen-Betreiber mit steigenden Verlusten bei seiner neuen Tochter Motorola zu kämpfen. Die Aktien fielen um bis zu vier Prozent.

"Es ist das erste Mal in dieser Bilanzsaison, dass Firmen mit allseits bekannten Namen die Erwartungen verfehlt haben", sagte Art Hogan, Geschäftsführer bei Lazard Capital Markets. "Das ist bemerkenswert, vor allen an einem Tag, an dem sich die gesamte Aufmerksamkeit auf Unternehmensergebnisse zu konzentrieren beginnt."

Am Vortag hatte bereits der deutsche Software-Konzern SAP mit einer Reduzierung der Umsatzprognose die Anleger enttäuscht. Die Aktien rutschten am Freitag wieder ans Dax-Ende und fielen um 2,3 Prozent auf 55,73 Euro. Für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgten eine Reihe von Kursziel-Senkungen durch Analysten.

GE toppt die Erwartungen

Für eine positive Überraschung sorgte dagegen General Electric (GE). Der Siemens-Rivale gab mit 0,36 Dollar je Aktie einen Gewinn über Markterwartungen (0,35 Dollar) bekannt und äußerte sich optimistisch zu den Geschäftsaussichten in der zweiten Jahreshälfte. GE-Titel stiegen daraufhin um bis zu 5,6 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Hoch von 24,95 Dollar und waren damit Spitzenreiter im Dow Jones.

Zugegriffen haben die Anleger im Dax bei K+S. Eine positive Überraschung bei der Quartalsbilanz des norwegischen Konkurrenten Yara zog die Aktien von K+S 2,0 Prozent oben. Der Düngemittelkonzern Yara hat im zweiten Quartal Rekordabsätze verbucht und die gesunkenen Preise für Stickstoffdünger damit teilweise ausgleichen können. Der Gewinn ging weniger stark zurück als Analysten erwartet hatten. 

Die Anteilsscheinder Allianz notierten angesichts künftig härterer Anforderungen an die Kapitalausstattung nahezu unverändert. Nach Einschätzung des internationalen Finanzstabilitätsrats (FSB) ist der größte deutsche Versicherer systemrelevant, was eine strengere Regulierung mit sich bringt. Am Markt wurde aber darauf verwiesen, dass dies bereits erwartet worden sei und die Allianz "sicher alle Anforderungen mit Leichtigkeit erfüllen dürfte".

Conergy präsentiert Investor

Abseits der großen Indizes machten Conergy von sich Reden. Anleger hofften, dass der US-Finanzinvestor Kawa Capital dem insolventen Solarkonzern wieder auf die Beine helfen kann. Kawa will die wesentlichen Vertriebsaktivitäten von Conergy übernehmen. Das einstige Aushängeschild der deutschen Solarbranche hatte vor zwei Wochen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Aktien verbuchten in der Spitze ein Plus von 17,4 Prozent auf 0,11 Euro. Zuletzt notierten die Titel noch 2,1 Prozent höher bei 0,09.

Das Haupt-Gesprächsthema an den Börsen blieb aber die angelaufene Bilanzsaison in den USA. "Die Zahlen der US-Banken waren recht stark, was man für die anderen Branchen nicht sagen kann", sagte Mark Ward, Chef-Händler von Sanlam Securities. Auch LBBW-Analyst Ralph Herre erwartete keine positiven Impulse von der Bilanzsaison. Vorsicht und Zurückhaltung würden die meisten Ausblicke prägen.

Selbst die in den vergangenen Wochen zurückgeschraubten Schätzungen werden zum Teil deutlicher verfehlt, meinte ein Beobachter. Das Wachstum bei den Ergebnissen beläuft sich einer Analyse von FactSet zufolge bislang lediglich auf 1,4 Prozent. Ohne die sehr guten Zahlen aus der US-Finanzbranche kommen die Experten sogar auf ein Minus von 3 Prozent. Dies sei schlechter, als Ende Juni noch erwartet worden war, hieß es. Die enttäuschende Unternehmensdaten von Microsoft, Google und AMD sind in dieser Betrachtung sogar noch nicht enthalten. Charles-Schwab-Experte Randy Frederick sprach in diesem Zusammenhang von einer "sehr mäßigen, langsamen und schleppenden Verbesserung" der US-Wirtschaft.

Dennoch ist die Woche für Aktienanleger vielversprechend gelaufen. Aussagen von US-Notenbankpräsident Ben Bernanke hatten die Kurse beflügelt. Investoren vertrauen darauf, dass die Ära des billigen Geldes auf absehbare Zeit anhält. Die Sorgen am Markt vor einem schnellen "Exit" hat der Fed-Chef mit seinen Stellungnahmen vor dem US-Kongress entkräftet.

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Quelle: n-tv.de

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