Wirtschaft
Geschmeidig: Anleger wittern Einstiegskurse
Geschmeidig: Anleger wittern Einstiegskurse(Foto: picture alliance / dpa)

Kurz vor der 9600: Dax landet auf der grünen Seite

Anleger kann offenbar im Moment nichts schrecken - nicht die "Höhenluft" und nicht die zwiespältigen Nachrichten aus der Ukraine. Sie setzen auf billiges Notenbankgeld. Für positive Stimmung sorgen auch US-Daten.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt sind schneller wieder eingestiegen als erwartet. Nach einem verhaltenen Handelsstart drehte der Dax am Nachmittag überraschend doch noch ins Plus und notierte bei Handelsschluss 0,8 Prozent höher bei einem Stand von 9588 Punkten.

Für den MDax ging es um 0,6 Prozent auf 16.270 Punkte hoch. Der TecDax schaffte nur ein kleines Plus von 0,2 Prozent auf 1248 Punkte. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand ein Plus von 1,0 Prozent zu Buche.

Börsianern zufolge bewegt weiterhin die Hoffnung auf eine expansive Geldpolitik der EZB die Kurse. Marktbeobachter waren am Morgen eher von Gewinnmitnahmen ausgegangen. Am Montag hatten positiv aufgenommene Kommentare vom Notenbankertreffen im amerikanischen Jackson Hole die Börsen weltweit angetrieben. Die von EZB-Chef Mario Draghi am Freitagabend geschürten Erwartungen auf eine weitere geldpolitische Lockerung hätten die Anleger überrascht, schrieb Analyst Joshua Mahony von Alpari UK.

Für Optimismus sorgte vor allem das neue Renditetief am Rentenmarkt, nachdem Draghi am vergangenen Freitag eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt hat. "Als Folge werden schlechte Daten kurzfristig positiv an den Märkten aufgenommen", sagte Stan Shamu von IG Markets. So hatte zum Beispiel ein enttäuschender Ifo-Index die Kurse am Montag nicht belastet.

Positiv gestimmte US-Konsumenten

Rückenwind kam am Nachmittag auch von positiv gestimmten US-Verbrauchern. Der Index des Verbrauchervertrauens steigt im August auf 92,4 Punkte nach 90,3 im Juli, Volkswirte hatten dagegen mit einem kleinen Rücksetzer gerechnet. Damit ist die Konsumentenstimmung den vierten Monat in Folge gestiegen. Der Anstieg überrascht auch Ralf Umlauf, Aktienstratege bei der Helaba. Angesichts des robusten gesamtwirtschaftlichen Umfeldes sei die Stimmungsaufhellung ein weiteres Signal für robuste Konsumtätigkeit in den USA.

Die US-Verbraucher spielen eine Schlüsselrolle für die US-Wirtschaft, weil rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vom Privatkonsum abhängen.

Ukraine-Gipfel im Blick

Beklagt wurden jedoch die europaweit geringen Umsätze. Offenbar stünden viele Anleger an den Seitenlinien, sagten Marktteilnehmer.

Unsicher gestaltete sich die Lage in der Ukraine. Zum einen schüttelten sich Russlands Präsident Wladimir Putin und sein ukrainischer Amtskollege Petro Poroschenko einem Reuters-Reporter zufolge in Minsk die Hände. Zum anderen wurden in der Ukraine mehrere russische Soldaten beim Überqueren der Grenze festgenommen. "Bevor nicht klar wird, ob auf eine Entspannung in der Ukraine gesetzt werden kann, will sich kaum einer aus dem Fenster lehnen", sagte ein Börsianer.

Die Ukraine steuert inmitten der Kämpfe gegen prorussische Separatisten auf Neuwahlen zu, nachdem Poroschenko die Auflösung des Parlaments per Dekret beschloss. "Bevor nicht klar wird, ob auf eine Entspannung in der Ukraine gesetzt werden kann, will sich kaum einer aus dem Fenster lehnen", sagte ein Börsianer.

Keine Impulse aus den USA

Auf den ersten Blick überragende die Daten aus den USA beeindruckten die Anleger in Deutschland wenig. Der US-Auftragseingang für langlebige Güter ist im Juli um 22,6 Prozent in die Höhe geschnellt. Ein zweiter Blick zeigt, dass die Orders aus der zivilen Luftfahrt (Plus 318 Prozent) die Zahlen verzerren. Der äußerst kräftige Zuwachs ging ausschließlich auf Bestellungen von Boeing-Flugzeugen zurück.

Im Dax wechselten sich die Kursgewinner rege ab: Heidelbergcement, Commerzbank und Deutsche Bank standen mit jeweils einem Plus von rund 2,0 Prozent an der Spitze.

Der einzige Verlierer war Eon mit 0,1 Prozent Minus. Rwe retten sich knapp ins Plus. Wie das "Handelsblatt" berichtet, sucht der Energiekonzern RWE wegen seiner angespannten Finanzlage Partner für den Bau eines weiteren Meerwindparks in der Nordsee.

Bei den drohenden Streiks der Lufthansa-Piloten hofften einige Investoren offenbar noch auf eine Einigung, sagte ein Händler. Die Aktien von Lufthansa notierten 1,4 Prozent höher.

Empfehlung treibt Stahlwerte

Eine Kaufempfehlung der UBS brachte die Stahlwerte europaweit nach vorne: Die im MDax gelisteten Salzgitter legten 7,2 Prozent zu. In Amsterdam stiegen ArcelorMittal um 4,3 Prozent und in Wien Voestalpine um 3,2 Prozent. UBS hatte für alle drei Werte seine Verkaufsempfehlung kassiert und die Titel auf "buy" gestellt.

"Angesichts der Nachrichtenlosigkeit ist die UBS-Branchen-Empfehlung eine große Sache", sagte ein Händler. Es geschehe selten, dass ein großes Haus eine komplette Branche zur "Turnaround Story" erkläre, vor allem, wenn es seit zwei Jahren vorsichtig gewesen sei.

Quelle: n-tv.de

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