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Die Überraschung kommt zum Schluss.
Die Überraschung kommt zum Schluss.(Foto: REUTERS)

Fresenius und Rhön gefallen: Dax landet im grünen Bereich

Von Kaufrausch kann keine Rede sein, aber für ein kleines Plus reicht es. Gesprächsstoff auf dem Frankfurter Parkett ist die Übernahme von Rhön-Kliniken durch Fresenius. Anleger sind begeistert. Beide Titel schießen in die Höhe. Ein Dax-Rally wird es deshalb nicht.

Die Anleger haben die Bestmarke aus dem Mai von 8557 Punkten weiterhin fest im Blick. Die deutschen Standardwerte näherten sich ihrem Rekordhoch am letzten Handelstag der Woche zumindest noch ein kleines Stück an.

Der deutsche Leitindex Dax notierte zuletzt 0,2 Prozent höher bei 8509 Punkten. Der MDax rückte um 0,1 Prozent auf 14.840 Punkte vor. Der TecDax notierte ebenfalls 0,1 Prozent höher bei 1063 Punkte. Der Leitindex der Eurozone EuroStoxx50 machte 0,2 Prozent gut und stieg auf 2869 Punkte.

Es fehle im Moment schlicht der letzte Antrieb für ein neues Hoch. Die Anleger seien ganz froh darüber, einige Gewinne zu sichern, bevor in der kommenden Woche die US-Notenbank über den Zeitplan für den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik entscheidet, kommentierte Händler Matt Basi von CMC Markets. Auch US-Daten sorgten am Nachmittag kaum für Bewegung.

Marktteilnehmer begründeten die allgemeine Zurückhaltung mit der nach wie vor unklaren Situation in den USA. Wie wird die US-Notenbank weiter vorgehen? Anleger warten mit Spannung darauf, ob und in welchem Umfang die Fed die Reduzierung der milliardenschweren Anleihekäufe beschließen wird. Das entscheidende Gremium berät nächsten Dienstag und Mittwoch über die weitere Strategie in der Geldpolitik.

Zeit für Konsolidierung?

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"Die Preiszone rund um 8500 Punkte scheint den vorläufigen Deckel für die jüngste Dax-Rally zu bilden", sagte Gregor Kuhn von IG Markets. Vor einem Angriff auf das Allzeithoch wäre eine Verschnaufpause gesund, um die überkaufte Lage zu bereinigen. Auch die Vorlagen machen eine Konsolidierung wahrscheinlich. In den USA zeigen die Indizes ebenfalls Respekt vor den Jahreshochs.

 "Die beste Phase scheint hinter uns zu liegen", ergänzte ein anderer Marktteilnehmer. Die Entspannung in der Syrien-Krise sei nun eingearbeitet, stattdessen träten nun die Sitzung der US-Notenbank mit dem erwarteten Schnitt bei den Anleihekäufen und die Bundestagswahl in den Vordergrund. 

Fresenius-Deal: "Übernahme durch die Hintertür"

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Klar im Fokus stand die Milliardenübernahme von Großteilen des Klinikportfolios von Rhön-Klinikum durch Fresenius SE. "Das war ein heißer Husarenritt", sagte eine mit dem Deal vertraute Quelle. Seit Frühjahr hätten die Spitzen von Fresenius und Rhön mit Juristen daran gearbeitet. Eine Zustimmung der Rhön-Aktionäre auf einer Hauptversammlung ist nicht notwendig. Denn nach geltendem Recht können 70 Prozent der Geschäftsteile einer Gesellschaft ohne die Zustimmung der Aktionäre verkauft werden.

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Ein Händler bezeichnete das Geschäft als "großartigen Deal, vor allem für die Rhön-Aktionäre". Der Konzern will nämlich einen Großteil der Einnahmen an die Aktionäre weitergeben. Entsprechend schossen die Rhön-Papiere um 11,4 Prozent nach oben an die MDax-Spitze. Aber auch für Fresenius wird der Zukauf positiv gewertet - die Aktien zogen als bester Dax-Wert um 3,6 Prozent an.

Börsenabschied für Rhön?

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Wegen des Klinik-Verkaufs dürfte Rhön in absehbarer Zeit aus dem MDax fallen. "Ich gehe nicht davon aus, dass das in diesem Jahr noch passiert, aber im nächsten Jahr steht das sicher an", sagte LBBW-Analyst Berndt Fernow. Noch ändere sich an der Marktkapitalisierung nichts. "Aber wenn sie den riesigen Erlös an die Aktionäre ausgeschüttet haben, dann dürfte der Aktienkurs in sich zusammenfallen, und dann werden sie auch aus dem MDax fallen." Fernow verwies auf das Beispiel Altana, bei dem es 2007 vergleichbar gelaufen sei. Altana hatte sein Pharmageschäft verkauft und war so auf die Chemiesparte geschrumpft. In der Konsequenz rutschten die Titel damals vom Dax in den MDax ab.

Ebenfalls im Plus notierten Kabel Deutschland: Nach der Übernahme durch Vodafone notierten die Aktien 6,3 Prozent fester. Bis zum Ende der Annahmefrist verkauften mehr als 75 Prozent der Aktionäre ihre Kabel-Deutschland-Anteile an den britischen Mobilfunkriesen.   

Auf Talfahrt gingen dagegen Gerry Weber, die sich um 8,1 Prozent verbilligten. Der Modekonzern hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr erneut gesenkt.

Der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister hat sich rund 210 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung beschafft. Der Nettoemissionserlös soll überwiegend für die Umsetzung der globalen Wachstumsstrategie verwendet werden, teilte das MDax-Unternehmen mit Sitz in Bielefeld mit. Insbesondere den russischen Markt hat Gildemeister hier im Blick. Ableger beeindruckte das nicht groß. Die Titel notierten 0,6 Prozent höher.

Kaufgelegenheit bei Südzucker?

Südzucker-Aktien gaben 2,6 Prozent nach. Sie sind damit seit Jahresbeginn um fast 30 Prozent eingebrochen. "Der Kurs folgt immer stärker der Entwicklung des Zuckerpreises auf dem Weltmarkt", sagte ein Händler. Dieser habe sich von den Tiefständen Mitte Juli zwar etwas erholt, der übergeordnete Abwärtstrend sei jedoch intakt.

"Allerdings endet die EU-Zuckermarktordnung erst in vier Jahren, bis dahin dürften die Erträge von Südzucker nicht einbrechen", gab der Händler zu bedenken. Es stelle sich also die Frage, ob die Aktie angesichts einer prognostizierten Dividendenrendite von mehr als 4,0 Prozent für die kommenden drei Geschäftsjahre nicht unterbewertet und also eine Kaufgelegenheit sei.

Quelle: n-tv.de

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