Wirtschaft
(Foto: imago/BE&W)

Gute Laune an der Wall Street: Dax legt starken Auftritt hin

Mit einem satten Plus geht der Dax aus dem Handel - auch wenn er am Ende die 11.300er-Marke nicht halten kann. Short-Eindeckungen stützen den Index ebenso wie gute Konjunkturdaten und eine starke Wall Street.

Mal wieder kräftig nach oben ging es am zweiten Handelstag der Woche am deutschen Aktienmarkt. Der Dax legte 1,6 Prozent auf 10.371 Punkte zu. Händler sprachen von Käufen zum Beenden sogenannter Short-Positionen, also von Geschäften, mit denen Marktteilnehmer auf fallende Kurse gesetzt hatten. "Das Sentiment war so schlecht in letzter Zeit, dass man bevorzugt auf der Short-Seite unterwegs war", sagte ein Händler. Viele Marktteilnehmer seien unter anderem von der stabilen Entwicklung in Schanghai auf dem falschen Fuß erwischt worden. Rückendeckung für den Dax kam auch von der Wall Street, wo die Indizes ebenfalls mit einem satten Aufschlag in den Handelstag lagen.

Dass es sich bei den Käufen bisher vor allem um Short-Eindeckungen handelte, zeigten auch die Einzeltitel und die Sektoren. Besonders gefragt waren in Europa Auto-, Rohstoff- und Versorger-Aktien, die bisher den Abschwung mit angeführt hatten.

Gestützt wurde der Leitindex jedoch auch von positiven Außenhandelszahlen aus Deutschland, denn die Export-Unternehmen bleiben auf Rekordkurs: Im Juli stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um 6,2 Prozent auf 107,1 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Für Kauflaune sorgten auch Daten zur Eurozonen-Wirtschaft, die im zweiten Quartal 2015 stärker gewachsen ist als zunächst berichtet. Die Wachstumsimpulse kamen von den Konsumausgaben und dem Außenhandel. Das Wachstum von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr fiel höher aus als von Ökonomen erwartet.

Deutschland: RWE nach positivem Kommentar weit oben

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Der Dax schloss am Ende um 1,6 Prozent verbessert auf 10.271 Punkten. Sein Tageshoch hatte er bei 10.372 Punkten markiert. Für den MDax ging es 1,2 Prozent nach oben auf 19.589 Zähler. 1,5 Prozent im Plus schloss der TecDax und stand damit bei 1719 Punkten, der Euro-Stoxx-50 stieg um 1,2 Prozent.

Zu den größten Dax-Gewinnern zählten nach dem freien Fall der vergangenen Tage die Aktien von RWE mit einem Plus von 5,7 Prozent. Kepler Cheuvreux hatte die Aktien auf "Hold" angehoben und von der "Sector Least Preferred" genommen. "So etwas zeigt sich dann in sehr schnellen Short-Eindeckungen, weil diese 'Least Preferred Lists' einen wichtigen Baustein im Universum der möglichen Short-Titel darstellen", sagte ein Händler. Eon gewannen 1,8 Prozent.

Die Commerzbank-Titel stiegen um 6,8 Prozent, nachdem die Analysten von JP Morgan die Aktien auf "Overweight" von "Neutral" hochgesetzt hatten. Absoluter Spitzenreiter waren am Ende aber die Aktien von K+S, die um 7,2 Prozent zulegten.

Leicht positiv für das Sentiment der Telekom wurden im Handel die Börsenpläne der Scout24-Gruppe gewertet. Scout24 strebt noch in diesem Jahr den Gang an den Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse wagen, wenngleich "vorbehaltlich des Marktumfelds". Ein erfolgreiches IPO wären gute Nachrichten für die Telekom. Die Bonner halten 29 Prozent der Anteile von Scout24. Am Ende des Handelstages schlossen die Telekom-Aktien 1,7 Prozent im Plus.

Frankreich: Grünes Licht für Übernahme beflügelt Alstom

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Mit Aufschlägen von 1,2 Prozent ging es für die Alstom-Aktie nur leicht nach oben. Auf Kreisemeldungen über die bevorstehende Genehmigung der Übernahme durch General Electric sei zwar bereits in den vergangenen drei Tagen spekuliert worden, jedoch sei es für die Stimmung positiv, hieß es im Handel. Dies zeige zum Beispiel die aktuelle Hochstufung von Alstom durch Barclays auf "Overweight".

Im Fokus der rund 17 Milliarden Dollar schweren Übernahme stünden nun die damit verbundenen Auflagen an GE, was auch den Verkauf bestimmter Unternehmensteile betreffen dürfte. "Insofern ist das ganze schon mehr ein Thema für GE als für Alstom", sagte ein Händler. Bereits am Dienstagnachmittag könnte dazu auch die Genehmigung von den US-Kartellbehörden kommen.

USA: Wall Street mit sattem Plus

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Ein kräftiges Plus behauptet die Wall Street am ersten Handelstag nach dem verlängerten Wochenende. Am Montag war die Börse aufgrund des Feiertages "Labor Day" geschlossen geblieben. Grund für die positive Tendenz ist die Hoffnung auf weitere Stimulierungsmaßnahmen in China. Die erneut schwachen chinesische Konjunkturdaten werden dagegen in den Hintergrund gedrängt.

Der Dow-Jones-Index gewinnt 2,4 Prozent und schließt bei 16.492 Punkten. Der S&P-500 legt um 2,5 Prozent zu und für den Nasdaq-Composite geht es um 2,7 Prozent nach oben.

Zentrales Thema bleibt die möglicherweise anstehende Zinswende in den USA, wozu es Hinweise durch den Präsidenten der Fed von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, geben könnte. Die Zinsentscheidung der US-Notenbank wird am Donnerstag kommender Woche mitgeteilt.

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Bei den Einzelwerten steht die Aktie von General Electric im Blickpunkt. Diese profitiert mit einem Plus von 2,4 Prozent von der EU-Genehmigung zur Übernahme des Alstom-Energiegeschäfts, die informierten Kreisen zufolge bevorsteht.

Amazon plant laut eingeweihten Kreisen ein neues Billig-Tablet für 50 Dollar. Für die Aktie geht es um 2,2 Prozent nach oben.

Apple verteuern sich um 0,8 Prozent. Die Investoren warten gespannt auf die Präsentation des Unternehmens am Mittwoch, auf der die neue iPhone-Generation - 6S und 6S Plus - erwartet wird. Die Walt-Disney-Aktie steigt um 2,0 Prozent. Seit Dienstag können die Nutzer des Amazon- und Microsoft-Videoservice auch die Digitalfilm-Sammlung von Disney nutzen.

Asien: Börsen leider unter China-Daten - außer die chinesischen

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Die Konjunkturdaten aus China haben die Anleger an den asiatischen Aktienmärkten weiter verunsichert. Anleger werteten dies als Zeichen der anhaltenden Konjunkturschwäche der zweitgrößten Volkswirtschaft. Dagegen fiel das Minus bei den Exporten geringer aus als befürchtet.

In China versuchen die Behörden unterdessen die starken Marktschwankungen in den Griff zu bekommen. Einer Ankündigung vom Montagabend zufolge müssen Aktionäre keine Einkommenssteuer mehr auf Dividenden zahlen, wenn sie die Anteilsscheine länger als ein Jahr lang halten.

Die wichtigsten Indizes in China konnten nach anfänglichen Verlusten im Handelsverlauf zulegen. Sowohl der Leitindex der Börse Shanghai als auch der Index der 300 wichtigsten Werte in Shanghai und Shenzhen legten deutlich zu, Shanghai schloss 2,9 Prozent im Plus.

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Dagegen büßte der Nikkei-Index in Tokio 2,4 Prozent ein und fiel auf 17.427 Punkte. Damit geriet der Nikkei auch auf Jahresbasis in die Verlustzone. Vor allem die schwachen China-Daten drückten die Kurse, da die Volksrepublik ein wichtiger Handelspartner für viele japanische Unternehmen ist.

Auch in Singapur und in Südkorea gaben die Aktienmärkte nach. In Australien hellte sich die Stimmung der Anleger durch eine geplante Milliardenübernahme im Energiesektor wieder auf. Auch der MSCI-Index asiatisch-pazifischer Aktien außerhalb Japans legte rund ein Prozent zu, entfernte sich aber nicht weit von einem vor Kurzem erreichten Drei-Jahres-Tief.

Devisen: Euro schwankt um Marke von 1,12 Dollar

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Der Kurs des Euro hat eine Berg- und Talfahrt hingelegt. Die Gemeinschaftswährung kostete am Nachmittag 1,1183 US-Dollar, nachdem sie zwischenzeitlich über die Marke von 1,12 Dollar gestiegen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1162 (Montag: 1,1146) Dollar festgesetzt.

Wachsende Sorgen um China gaben dem Euro laut Händlern zunächst Auftrieb. Schlechte Nachrichten aus China belasteten zuletzt tendenziell den Dollar, da die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank dadurch sinkt. Zudem stützten kurzzeitig robuste Zahlen zum deutschen Außenhandel den Euro. Zwischenzeitlich kletterte der Euro bis auf 1,1230 Dollar.

Angesichts der raschen Erholung der chinesischen Aktienmärkte gab der Euro jedoch seine Gewinne wieder weitgehend ab. Die chinesische Regierung versucht nun auch mit Steuersenkungen, die turbulenten Börsen des Landes unter Kontrolle zu bringen. Wer Aktien künftig länger als ein Jahr hält, soll auf die Dividenden keine Steuern mehr zahlen müssen. Profitieren konnten aber vor allem Rohstoffwährungen wie der australische Dollar. Australien ist stark vom chinesischen Markt abhängig.

Rohstoffe: China hält Ölpreise am Boden

Die Ölpreise haben nach anfänglichen Verlusten bis zum Nachmittag wieder zugelegt. Händler nannten vor allem die bessere Börsenstimmung als Grund. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete zuletzt 48,66 US-Dollar. Das waren 1,03 Dollar mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,02 Dollar auf 45,31 Dollar.

Gestützt wurden die Ölpreise vor allem durch die bessere Stimmung an den Aktienmärkten. Nachdem abermals die schwachen Wirtschaftsdaten aus China zunächst für Belastung gesorgt hatten, drehte sich das Bild im Handelsverlauf. Als ein Grund wurden starke Handelszahlen aus Deutschland und besser als bisher bekannte Wachstumsdaten aus der Eurozone genannt.

Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) fiel indes weiter. Das Opec-Sekretariat meldete am Dienstag, dass der Korbpreis der Ölsorten des Kartells am Montag bei 45,56 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) gelegen habe. Das waren 1,24 Dollar weniger als am Freitag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

Quelle: n-tv.de

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