Wirtschaft
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US-Börsen schließen im Minus: Dax leidet unter Gewinnmitnahmen

Nach einem starken Oktober wollen Anleger am deutschen Aktienmarkt ihre Aktien versilbern. Das Ergebnis sind sinkende Kurse beim Dax, in Abwesenheit übergeordneter Nachrichten. Dabei können zwei Leitindex-Konzerne mit ihren Bilanzen durchaus überzeugen.

Mit einem deutlichen Verlust verabschiedet sich der Dax aus dem vorletzten Handelstag der Woche. Der Index schließt 1,1 Prozent leichter auf 10.783 Punkten. Gewinnmitnahmen prägten das Bild: Nach der Rally im Oktober machten Anleger Kasse. Der deutsche Leitindex hatte im Oktober den besten Monat seit sechseinhalb Jahren hingelegt - mit einem Kurszuwachs von 12 Prozent.

Unter dem Strich tritt der Dax nun schon seit Ende Oktober nahezu auf der Stelle. Eine Beruhigung sei allerdings fast schon zwingend notwendig gewesen, sagte Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin "Index-Radar".

Im Fokus der Anleger standen erneut Konzernbilanzen. Mit Siemens, RWE und Merck hatten am Morgen drei Dax-Unternehmen Ergebnisse veröffentlicht.

Am Vormittag stand an der Frankfurter Börse einmal nicht der Leitindex Dax im Rampenlicht, sondern sein kleiner, technologielastiger Index-Bruder TecDax. Denn dieser stieg zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit fast 15 Jahren. Damals hieß das Marktbarometer allerdings noch Nemax-50. Mit 1844 Punkten übertraf der TecDax das Mai-Hoch um 4 Punkte. Gestützt wird der Index vor allem von SMA Solar, die um 12 Prozent steigen.

Frankfurt: Merck steigen nach Zahlen an Dax-Spitze

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Der Dax schloss am Ende 1,1 Prozent tiefer auf 10.783 Punkten. Für den MDax ging es 1,4 Prozent nach unten auf 20.662 Zähler. Ins Minus gedreht hatte auch der TecDax, der am Ende 1,2 Prozent nachgab auf 1809 Punkte - nach seinem Rekordhoch bei 1844 Zählern. Der Euro-Stoxx-50 büßte 1,7 Prozent ein auf 3389 Zähler.

Bei Siemens lag der Gewinn im Industriegeschäft mit 2,46 Milliarden Euro um fast 100 Millionen Euro über der Konsensprognose von Analysten. Siemens stiegen um 1,9 Prozent. Merck schlossen mit einem Plus von 1,5 Prozent an Platz zwei in der Dax-Rangliste. Der Hersteller von Medikamenten und Flüssigkristallen hatte im dritten Quartal operativ 6 Prozent mehr verdient als erwartet.

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RWE führten die Verliererliste im Dax an. "Der Quartalsbericht hat die ohnehin bestehende Unsicherheit noch geschürt", sagte ein Händler zu dem deutlichen Minus von rund 9,6 Prozent. "Besonders negativ ist, dass RWE das Ergebnisziel unter Vorbehalt stellt", ergänzte er. Zudem gebe es noch keine Aussagen zur Dividende, das beunruhige den Markt ebenfalls.

Bei den deutschen Nebenwerten fiel SMA Solar mit einer höheren Umsatz- und Gewinnprognose positiv auf. Der Kurs sprang zwischenzeitlich um 16 Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit März 2014. Am Ende waren es jedoch nur noch 6,1 Prozent.

Papiere des Versicherers Talanx fielen um 3,7 Prozent. Händler verwiesen auf eine unter den Erwartungen liegende Prognose für das kommende Jahr. RTL Group gewannen 4,2 Prozent. Umsatz und Gewinn des TV-Senders lagen über den Erwartungen.

Zalando-Aktien stiegen nach Quartalszahlen des Online-Händlers um 0,9 Prozent. Osram, die am Vortag um fast 30 Prozent eingebrochen waren, erholten sich um 0,6 Prozent.

USA: Wall Street rutscht deutlich ins Minus

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Zurückhaltung prägt den Handel an der Wall Street. Die US-Börsen beendeten den Donnerstag mit klaren bis kräftigen Kursverlusten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 1,4 Prozent auf 17.448 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P 500 sank ebenfalls um 1,4 Prozent auf 2046 Zähler. Der Composite-Index an der Technologiebörse Nasdaq zog sich um 1,2 Prozent auf 5005 Punkte zurück.

Als Belastungsfaktor machten Beobachter unter anderem einen neuerlichen Rücksetzer bei den Ölpreisen aus, der Aktien der Energiebranche und verwandter Segmente belastete. Zentrales Thema blieb ansonsten der Zinsausblick. Die Mehrheit der Beobachter rechnet weithin mit einem ersten Zinsschritt noch im Dezember.

An Konjunkturdaten wurden nur die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus der Vorwoche veröffentlicht. Demnach beantragten in der vergangenen Woche 276.000 Amerikaner erstmals Arbeitslosenhilfe und damit so viele wie in der Woche davor. Analysten hatten mit nur 270.000 Erstanträgen gerechnet. Für die Zinserwartungen dürften die Daten aber von untergeordneter Bedeutung sein.

Für die Zinserwartungen dürften die wöchentlichen Daten aber keine größere Rolle spielen und allenfalls ein weiteres Signal zum Gesamtbild liefern. Zwar ist die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt ein Kriterium, an dem die Fed ihre Geldpolitik ausrichtet, doch hatte erst der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für den Oktober bestätigt, dass die Beschäftigungslage in den USA sehr gut ist und einer Zinserhöhung schon im kommenden Monat nicht im Wege steht.

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Unternehmensnachrichten blieben rar: Nach Börsenschluss legte Cisco den Zwischenbericht zum Verlauf des ersten Geschäftsquartals vor. Im Vorfeld legte die Aktie um 0,1 Prozent zu.

Die Titel des Geldautomatenherstellers NCR reduzierten sich nach anfänglichen Gewinnen um 1,3 Prozent. Die Private-Equity-Gesellschaft Blackstone investiert 820 Millionen Dollar in das Unternehmen, das sich jüngst vergeblich zum Verkauf gestellt hatte. Blackstone hätte dann einen Anteil von über 15 Prozent an NCR. Letztere wiederum wird mit der Blackstone-Investition einen Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 1 Milliarde Dollar finanzieren.

Aktien von Advance Auto Parts brachen um 15,4 Prozent ein. Der Hersteller von Autozubehör hat mit den Zahlen für das abgelaufene Quartal enttäuscht, den Ausblick gesenkt und zudem Filial-Schließungen angekündigt.

Gopro gaben um 7,8 Prozent auf 23,15 Dollar nach und rutschten unter den Ausgabepreis von 24 Dollar. Im Oktober 2014 lag die Aktie noch auf einem Allzeithoch von 98 Dollar. Seit August befinden sich die Titel der Herstellers von Camcordern mit zunehmenden Umsatzsorgen verstärkt unter Druck. Zudem hatten zuletzt auch die Ergebnisse für das dritte Quartal enttäuscht.

Eine solide Nachfrage bei der Auktion 30-jähriger Anleihen bescherte den US-Anleihen zwischenzeitlich steigende Notierungen. Allerdings wurden diese im späten Handelsverlauf wieder abgegeben. "Es gibt eine Menge an Liquidität die angelegt werden will und die Renditen in den USA sind derzeit attraktiver als anderswo", sagte Analyst Thomas Roth von Mitsubishi UFJ Securities.

Doch die Aussicht auf einen eher moderten Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank ließ die Notierungen wieder zurückkommen. "Ein solches Szenario spielt eher risikoreichen Anlageformen wie Aktien in die Karten", merkte Ronald Sanchez von Fiduciary Trust Company International an. Die Rendite zehnjähriger Titel zeigte sich unverändert bei 2,31 Prozent. Am Vortag fand aufgrund eines Feiertages kein Handel statt.

Rohstoffe: Ölpreise geben deutlich nach

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Am Rohstoffmarkt sind die Ölpreise wieder deutlich gefallen. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember 44,95 US-Dollar und damit 86 Cent weniger als am Vortag. Das Barrel WTI verbilligt sich um 60 Cent auf 42,33 Dollar. Anleger ziehen sich in der Erwartung zurück, dass das US-Energieministerium um 17 Uhr MEZ einen neuerlichen Anstieg seiner Ölvorräte melden wird.

Zur Wochenmitte waren die Ölpreise auf den tiefsten Stand seit Ende August gefallen. Hauptgrund für die Preisschwäche ist das anhaltend hohe Angebot an Rohöl. Die Öllager sind entsprechend gut gefüllt. Neue Daten aus den USA sollten dies am Nachmittag bestätigen. Die Regierung wird ihre wöchentlichen Vorratszahlen bekannt geben. Es wird mit einem erneuten Lageraufbau gerechnet.

Asien: Hongkong schlägt die Region

Nach vier Tagen in Folge mit Verlusten ist es an der Hongkonger Börse wieder kräftig aufwärts gegangen. Mit einem Plus von rund zwei Prozent im späten Handel war der Hang-Seng-Index klarer Tagessieger in Ostasien. Während sich in Tokio wie bereits an den Vortagen nur wenig tat - der Nikkei-Index schloss praktisch unverändert mit knapp 19.698 Punkten -, verlor der Shanghai-Composite nach seinem zuletzt guten Lauf ein halbes Prozent.

An den anderen Börsen der Region ließ die weiter über den Märkten schwebende mutmaßlich im Dezember anstehende Zinserhöhung in den USA keine Kaufstimmung aufkommen. Allerdings hielten sich auch die Abgaben in Grenzen.

In Australien erholten sich die Kurse von den frühen Tagestiefs kontinuierlich, ehe es am Ende wieder etwas zurückging von den Tageshochs. Das Marktbarometer ging knapp im Plus aus dem Tag.

Quelle: n-tv.de

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