Wirtschaft
Ebbe. Alles weg. Das war's.
Ebbe. Alles weg. Das war's.(Foto: picture alliance / dpa)

Alles eine Frage des Vertrauens?: Dax macht Rückzieher

Wie an der Schnur gezogen verliert der deutsche Leitindex seine Tagesgewinne. Aber warum? Händler bemühen sich um Erklärungen. Salbende Worte von EZB-Chef Draghi und problemlose Anleiheauktionen der "Peripherieländer" Spanien und Italien hatten die Anleger eigentlich hoffnungsfroh gestimmt. Möglicherweise ein Computerfehler?

Wie gewonnen, so zerronnen: Am Ende des Handelstages verpufften Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi zur Zinsentscheidung und gut gelaufene Anleiheauktionen. Auch wenn sie zunächst für deutlich positive Impulse gesorgt haben. Händler taten sich mit Erklärungen für die Abwärtsbewegung schwer. 

Der Dax fiel nach freundlichem Verlauf im späten Handel und endete 0,16 Prozent tiefer bei 7708,47 Punkten. Der MDax verlor 0,13 Prozent auf 12 348,40 Punkte. Der TecDax schloss praktisch unverändert bei 875,30 Zählern.

"Super-Mario": Der Mann mit der ruhigen Hand.
"Super-Mario": Der Mann mit der ruhigen Hand.(Foto: REUTERS)

Ein Händler sagte, dass ihn die zuvor gesehene positive Kursreaktion auf die Aussagen von Draghi sehr verwundert habe. Ein anderer Marktteilnehmer bemerkte, dass es vor dem Abwärtssog eine sehr große Verkaufsorder im S&P-Future gegeben habe. Diese habe für Druck an den Börsen weltweit gesorgt. "Es ist nur zu hoffen, dass es sich nicht um einen erneuten Fehler handelt", ergänzte er. Die Nachrichtenlage spreche ansonsten nicht für diesen Abgabedruck. Wieder ein anderer Händler nannte dann doch einen wirklichen Grund für die klare Abwärtsrevision. Er verwies auf das US-Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Dezember.

Die Frankfurter Währungshüter hatten auf ihrer Sitzung entschieden, den Leitzins beim Rekordtief von 0,75 Prozent zu belassen. Sie enttäuschten sogar Hoffnungen, dass die Notenbank sich in absehbarer Zeit zu einer Senkung durchringen könnte. Trotzdem kam Feierlaune auf.  Der Dax stieg noch während der Pressekonferenz von Draghi auf ein Tageshoch. "Draghi findet beruhigende Worte für die Investoren", hieß es von Frankfurter Marktteilnehmern zur Erklärung.

EZB sieht Stabilisierung der Lage

"Die EZB betreibt eine Politik der ruhigen Hand", lobte unter anderem Analyst Ralf Umlauf von der Helaba. Er hob die Aussage Draghis positiv hervor, wonach die Entscheidung für unveränderte Leitzinsen einstimmig gefallen sei. Statt auf geldpolitische Maßnahmen will die EZB im neuen Jahr lieber auf eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Großwetterlage und die Selbstheilungskräfte der Märkte setzen. "Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die besser geworden sind", sagte Draghi. Steigende Aktienmärkte und sinkende Renditen für Anleihen von Schuldenstaaten sprächen für sich. Das Marktvertrauen habe sich "signifikant erhöht". Die wirtschaftliche Schwäche in der Euro-Zone werde sich 2013 zwar fortsetzen. Doch werde das Wachstum schrittweise Fahrt aufnehmen.

Ins Bild passte ein kleiner Befreiungsschlag Spaniens. Die erste Auktion spanischer Schuldtitel in diesem Jahr wurde gut aufgenommen. Am Rentenmarkt gab es einen überraschend großen Run auf die Papiere - sowohl am Primär- als auch am Sekundärmarkt. Insgesamt sammelte die Regierung in Madrid mit 5,8 Mrd. Euro bei den Investoren mehr Geld ein als geplant. Börsianer sprachen von einer starken Auktion. Auch Italien konnte problemlos neue Kredite aufnehmen, was die Rendite der entsprechenden zehnjährigen Bonds in Richtung vier Prozent drückte.

Robuste Konjunkturdaten aus China

Am Morgen hatte ein überraschend kräftiges Anziehen der chinesischen Exporte für steigende Kurse am Aktienmarkt gesorgt. Der Außenhandel Chinas gewann im Dezember spürbar an Schwung. Die Handelsbilanz habe sämtliche Erwartungen gesprengt, sagte Marktstratege Stan Shamu von IG. Nach Regierungszahlen legten die für das Wachstum wichtigen Ausfuhren um 14,1 Prozent zum Vorjahresmonat zu. Das ist der stärkste Anstieg seit über einem halben Jahr. Auch die Importe, die sich in den vergangenen Monaten wie die Exporte schwach entwickelt hatten, erholten sich und stiegen im Jahresvergleich um 6,0 Prozent.

Auch die besseren Daten zur französischen Industrieproduktion kamen am Markt gut an. Diese stieg im November um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat; erwartet wurde lediglich ein Plus von 0,1 Prozent. Gerade Frankreich gilt als möglicher Wackelkandidat in der Eurozone. Das Land tut sich schwer mit den von vielen Ökonomen geforderten Strukturreformen.

Anleger gehen ins Risiko

Wie am Rentenmarkt stand auch am Aktienmarkt Sicherheit nicht sonderlich hoch im Kurs. So rutschten in Frankfurt vor allem die Aktien von konjunkturunabhängigen Unternehmen ab. Allen voran standen im Dax die Aktien des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) und seines Mutterkonzerns Fresenius auf den Verkaufslisten. Beide verloren 2,6 bzw. 1,9 Prozent. Dazu trug auch ein Kommentar der Analysten der Credit Suisse bei, die ihre Kursziele für beide Titel gesenkt und für FMC auch ihre Kaufempfehlung kassiert hatten.

RWE gerieten nach der Senkung der Anlageempfehlung durch die Analysten von Barclays unter Druck und verloren 1,9 Prozent.

Auf der Gewinnerseite standen dagegen die Aktien der Banken weit oben. Deutsche Bank gewannen in der Spitze 1,2 Prozent, Commerzbank 3,2 Prozent. Händler verwiesen auf die Verlängerung der Fristen für den Aufbau von Liquiditätsreserven durch den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht am Wochenende.

ThyssenKrupp legten knapp drei Prozent zu. Viele Anleger hoffen, dass der Stahlkonzern seine Werke in Übersee bald verkaufen kann. Weltmarktführer ArcelorMittal hatte am Mittwoch Interesse geäußert.

Gefragt waren auch BMW, deren Aktien um 1,0 Prozent zulegten. Der Autobauer hatte für 2012 Rekordabsatzzahlen vorgelegt. 

Wetten auf hohe Abfindung für MAN-Aktionäre

Größter MDax-Gewinner waren die Titel von MAN. VW will die Allianz von MAN mit ihrer anderen Lkw-Tochter Scania vorantreiben und kündigte einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit MAN an. Den übrigen MAN-Aktionären will VW ein Abfindungsangebot machen. MAN-Titel stiegen um 3,4 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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