Wirtschaft
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Datenflut in Frankfurt: Dax macht Satz nach oben

Zahlen, Prognosen, Konjunkturdaten: Den Frankfurter Börsenhändlern rauchen am Dienstag die Köpfe. Ordentliche Quartalszahlen befördern den Handel. Das sich eintrübende Wirtschaftsklima in der Eurozone wird lediglich zur Kenntnis genommen.

Starke Geschäftszahlen und optimistische Ausblicke mehrerer Unternehmen haben Anleger am Dienstag an die Börse gelockt. "Die meisten Bilanzen fallen heute besser aus als erwartet, das macht Lust auf mehr", sagte Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank. Zusätzlichen Rückenwind bekam der Dax am Nachmittag vom positiven Handelsbeginn in den USA.

Das sich eintrübende Wirtschaftsklima in der Eurozone tangierte die Börsianer am späten Vormittag nur kurz. Das Barometer fiel im April überraschend um 0,5 auf 102,0 Punkte, wie die EU-Kommission mitteilte. Ökonomen hatten dagegen mit einem Plus auf 103,0 Zähler gerechnet. Die Stimmung verschlechterte sich vor allem in der Baubranche und bei den Dienstleistern, etwas schwächer in der Industrie und im Einzelhandel. Der separat ermittelte Geschäftsklimaindex für die Eurozone gab ebenfalls leicht nach. Dieses Barometer fiel um 0,13 Punkte auf 0,27 Zähler. Analysten hatten hier einen Anstieg auf 0,42 Punkte erwartet.

Der Dax stieg um 1,5 Prozent und schloss bei auf 9584 Punkten. Der MDax legte um 0,7 Prozent auf 16.167 Zähler zu. Der TecDax verzeichnete ein Plus von 1,4 Prozent und wies 1222 Punkte auf.

Für Erleichterung unter Aktienanlegern sorgten zudem Meldungen über einen Rückzug russischer Truppen von der Grenze zur Ukraine, auch wenn die Nato dies nicht bestätigen wollte. "Die Zeichen stehen derzeit auf Entspannung", schrieben die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar. Allerdings sei unklar, ob der Truppenabzug eine Reaktion auf die westlichen Sanktionen gegen Russland sei oder nur ein Schachzug der Moskauer Regierung.

Zu den größten Gewinnern zählte die Deutsche Bank. Ihre Aktien stiegen trotz eines Gewinneinbruchs um 2,2 Prozent. Der Ergebnisrückgang sei geringer ausgefallen als befürchtet, betonte Equinet-Analyst Philipp Häßler. Commerzbank zogen um 3,4 Prozent an.

Infineon gewannen an der Dax-Spitze 4,6 Prozent, nachdem der Chip-Hersteller auf Basis einer starken Quartalsbilanz seine Gesamtjahresziele angehoben hatte. "Das Geschäft läuft auf Hochtouren und das Unternehmen profitiert von einer anhaltend starken Nachfrage", schrieb DZ Bank Analyst Harald Schnitzer in einem Kommentar. "Infineon ist in einer exzellenten Position, um in den kommenden Quartalen überdurchschnittlich zu wachsen."

Die Titel von Volkswagen pendelten nach Bekanntgabe eines Gewinnanstiegs im ersten Quartal um den Vortagesschluss und lagen zuletzt 1,2 Prozent tiefer. VW habe sich trotz der insgesamt guten Zahlen zum Teil sehr vorsichtig geäußert, sagte ein Händler zur Begründung.

Siemens stiegen um 0,6 Prozent. Das Dax-Schwergewicht reicht ein Übernahmeangebot für den Industriekonzern Alstom ein. Demnach soll Siemens bereit sein, Geschäfte im Schienenverkehr - wie etwa den Bau von ICE-Zügen und Lokomotiven - an Alstom abzugeben, wenn der Konzern im Gegenzug das Energietechnik-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte. Auch der US-Rivale General Electric hatte Interesse an Teilen von Alstom angemeldet. Alstom hatte angekündigt, bis Mittwochvormittag über das weitere Vorgehen informieren zu wollen.

Lufthansa verteuerten sich um 1,4 Prozent. Der scheidende Konzernchef Christoph Franz hinterlässt seinem Nachfolger Carsten Spohr genaue Ziele für die Sanierung. Im laufenden Jahr sind für das Konzernumbauprogramm "Score" bereits Projekte von zusammen 1,1 Milliarden Euro brutto identifiziert worden. Im nächsten Jahr beläuft sich der Wert auf fast 900 Millionen Euro.

Im MDax rutschten MTU um 2,4 Prozent ins Minus. Der Triebwerksbauer verbuchte im ersten Quartal ein Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. "Die Zahlen waren nur im Rahmen der Erwartungen - das reicht auf diesem Kursniveau nicht mehr", sagte Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Seit Anfang März war die Aktie um rund 17 Prozent gestiegen.

SGL Carbon legten um 1,4 Prozent zu. Der Kohlenstoffspezialist kämpft weiter mit einer schwachen Nachfrage im Stammgeschäft mit Graphitelektroden. Dort lastet vor allem die Überproduktion in China und der damit verbundene Preisdruck auf den Erlösen. Immerhin konnte der Konzern, der unter anderem wichtiger Lieferant für das Elektroauto i3 von BMW ist, das Tempo beim Umsatzrückgang etwas drosseln. SGL-Chef Jürgen Köhler hatte bereits im März angekündigt, dass der Konzern im laufenden Jahr nicht aus den roten Zahlen kommt.

Im TecDax verteuerten sich Wirecard nach Quartalszahlen um 0,8 Prozent. "Vor allem die starke Marge gefällt uns und ist eine gute Nachricht", sagt ein Händler. Dies sei auch nötig, da über Wirecard "eine Sentiment-Wolke" hänge. Grund seien die Sanktionen gegen russische Banken angesichts der Ukraine-Krise. Die Sanktionen zwingen US-Unternehmen, ihren Zahlungsverkehr mit deren Banken zurückzufahren oder sogar einzustellen.

Morphosys gewannen 1,4 Prozent. Das Biotechunternehmen verdiente im ersten Quartal deutlich weniger. Grund waren hohe Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sowie Investitionen. Zudem belasteten geringere Lizenzzahlungen als im Vorjahr die Erlöse des Konzerns. Finanzvorstand Jens Holstein sprach gleichwohl von einem guten Start ins Jahr. Beide Segmente hätten sich gut entwickelt. "Unser solides Geschäftsmodell erlaubt es uns, weiterhin in langfristige Werttreiber zu investieren. Wir erwarten, dass unsere firmeneigenen Forschungs- und Entwicklungskosten im Jahresverlauf steigen werden", sagte der Manager.

Aixtron stiegen um 2,5 Prozent. Der Anlagenbauer grenzte seine Verluste zu Jahresbeginn ein und erfreute damit die Anleger. Für Equinet-Analyst Adrian Pehl kamen die Zahlen nicht überraschend: "Wir haben mit einem verbesserten Marktumfeld gerechnet, das für Aixtron allmählich bessere Auftragseingänge und Umsätze bedeuten sollte."

Quelle: n-tv.de

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