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Wall Street legt ordentlich zu: Dax macht am Ende noch einen Satz

Richtig Gas gibt der deutsche Leitindex kurz vor Handelsschluss und steigt zeitweilig mehr als ein Prozent. Händler sprechen von Short-Eindeckungen. Etwas niedriger fällt jedoch der Schlussstand aus. Zurückhaltung herrscht vor dem Zinsentscheid der Fed.

Am Ende eines eher unaufgeregten Handelstags ging es mit dem Dax nochmal nach oben: Der Leitindex schloss unerwartet deutlich im Plus mit einem Aufschlag von 0,6 Prozent auf 10.188 Punkten. "Da werden bei geringen Umsätzen ein paar Shorts gedeckt", kommentierte ein Händler den späten Kursanstieg.

Trotz des Plus erwarten Händler aber, dass sich die übergeordnete Seitwärtsbewegung noch fortsetzt. Die Handels-Range liege eng zwischen 10.020 und 10.380 Punkten und weit zwischen 9.900 und 10.520 Punkten. Möglicherweise werde sie nach der Sitzung der US-Notenbank verlassen.

Geprägt wurde der deutsche Aktienmarkt vom Absturz der deutschen Versorger: RWE und Eon befanden sich im freien Fall, vorübergehend hatten beide Aktien schon mehr als 10 Prozent verloren. Am Ende halbierten sich die Verluste im allgemeinen Aufwärtstrend. Für Verkäufe sorgten Presseberichte, wonach es ein Milliardenloch bei den Rückstellungen vor allem für den Rückbau von Atomkraftwerken gibt.

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Der deutlich unter den Erwartungen gebliebene ZEW-Index stellte keinen signifikanten zusätzlichen Belastungsfaktor für den Dax dar. Die Konjunkturerwartungen waren im September auf 12,1 von 25 eingebrochen. Erwartet worden war lediglich ein Rückgang auf 18,5.

Die vorbörslich veröffentlichten US-Konjunkturdaten boten den Anlegern keine große Orientierungshilfe. Die Einzelhandelsumsätze im August trafen mit einer Zunahme von 0,2 Prozent die Erwartungen. Der Empire-State-Index verbesserte sich im September zwar leicht, blieb aber klar hinter der Prognose des Marktes zurück. Die Industrieproduktion fiel im August mit minus 0,4 Prozent doppelt so stark wie von den Analysten erwartet.

Für verstärkte Kursausschläge an den Börsen könnte in den kommenden Tagen der Große Verfalltermin an den internationalen Terminbörsen am Freitag sorgen. Dann verfallen alle Optionen und Futures für September. Investoren dürften versuchen, diesen Verfalltag schon vor der mit Spannung erwarteten Fed-Entscheidung bis Mittwoch oder Donnerstag abzuwickeln.

Deutschland: Infineon erneut an der Dax-Spitze

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Der Dax schloss am Ende deutlich in der Gewinnzone und legte um 0,6 Prozent auf 10.188 Punkte zu. Der MDax machte seine Vortagsverluste etwas gut und stieg um 0,5 Prozent auf 19.553 Punkte. In einer Seitwärtsbewegung gefangen ist der TecDax, der heute jedoch 1,0 Prozent auf 1737 Zähler zulegte. Nach einer Nullnummer am Vortag notierte der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 am Ende mit 1,2 Prozent im Plus.

An der Dax-Spitze landeten erneut Infineon, die bereits gestern zwei Prozent gewinnen konnten. Zuvor hatte das US-Magazins Barron's angesichts einer möglichen Gewinnverdopplung in den kommenden drei Jahren den Kurs als für zu billig bewertet. Infineon legten weitere 3,2 Prozent zu.

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Gut im Markt lagen auch Autoaktien. BMW führten die Gewinner mit 2,2 Prozent an, Daimler legten 1,3 Prozent zu und VW ebenfalls 1,3 Prozent. Hier stützten gute ACEA-Zulassungszahlen für Europa und Hoffnungen auf positive Nachrichten von der bevorstehenden IAA.

Auf der Verliererseite im Dax standen die Versorger. Eon verloren nach zwischenzeitlich deutlicheren Verlusten am Ende 6,2 Prozent, RWE fielen um 3,3 Prozent.

K+S gaben um 5,2 Prozent nach. Hier belasteten Berichte, dass sich diverse Bundesländer gegen eine Übernahme durch Potash zusammenschließen wollen. "Damit wird die Übernahmewahrscheinlichkeit weiter ausgepreist", sagte ein Händler.

Im TecDax standen Evotec nach der Erhöhung der Umsatzprognose mit einem Plus von 4,2 Prozent an der Spitze. Die Einnahmen des Biotechnologieunternehmens vor Meilenstein- und Abschlagszahlungen sowie Lizenzen sollen 2015 nun um etwa 45 Prozent zulegen statt um 35 Prozent. "Das ist nun bereits die zweite Erhöhung in diesem Jahr", sagte ein Händler. Bei dem Unternehmen laufe es offensichtlich rund.

Auch Umstufungen bewegten wie üblich die Kurse. Berenberg hatte Kuka auf "Buy" nach "Hold" angehoben, der Kurs legte um 4,5 Prozent zu.

USA: Schwache US-Daten beflügeln Wall Street

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Die Anleger an der Wall Street schlugen sich überwiegend auf die Käuferseite. Möglicherweise half die Hoffnung auf eine verzögerte Zinswende. Die überwiegend schwächeren US-Konjunkturdaten sind "ein klarer Hinweis, dass eine Zinserhöhung im September und möglicherweise auch im Oktober unwahrscheinlich ist", hieß es von ADS Securities.

Die negativen Vorgaben aus Asien, wo die Börse in Schanghai erneut deutlich nachgab, wurden von den Investoren ausgeblendet. Aktuell wird an den Märkten eine Zinserhöhung nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent eingepreist - vor einem Monat waren es noch 41 Prozent.

Der Dow-Jones-Index legte 1,4 Prozent auf 16.599 Punkte zu. Der S&P-500 stieg 1,3 Prozent auf 1978 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 1,1 Prozent auf 4860 Punkte vor.

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Die Aktie von Hewlett-Packard legte 0,3 Prozent zu. Nach dem Kurshoch zu Beginn des Jahres habe sich die Aktie ständig schwächer entwickelt, so die UBS, trotz der Aussichten auf eine Aufspaltung des Unternehmens. Für die Aktien von Cheniere Energy ging es um 1,2 Prozent aufwärts. Investor Carl Icahn hat seine Beteiligung an dem Unternehmen auf 9,59 von 8,18 Prozent aufgestockt.

Der Mischkonzern General Electric kommt mit dem geplanten Verkauf des Unternehmenskreditgeschäfts in Japan voran. Mehrere japanische Firmen kamen in die engere Auswahl möglicher Käufer, wie mit der Sache vertraute Personen sagten. Darunter seien auch die Leasing-Töchter der Großbanken Sumitomo Mitsui Financial Group und Mitsubishi UFJ Financial Group. Die ersten Gebote mussten bis zum 4. September eingereicht werden. Die Aktie gewann 2,1 Prozent.

Asien: Tokio im Plus, Shanghai im Minus

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An den Fernost-Börsen prägen die Zentralbanken den Handel. Ob die US-Notenbank erstmals seit über neun Jahren die Zinsen erhöhen wird, erfahren die Anleger erst am Donnerstagabend, wenn die Börsen in Asien längst geschlossen sind. Die Entscheidung wirft dennoch schon seit Tagen ihre Schatten voraus und macht die Anleger weltweit vorsichtig. Schwächere chinesische Wirtschaftsdaten und die Turbulenzen an den Börsen des Landes haben Erwartungen befeuert, dass die Federal Reserve die Zinswende noch etwas aufschieben könnte.

Der Kurs der Bank of Japan (BoJ) in der nahen Zukunft steht hingegen schon fest: Die BoJ teilte mit, dass sie ihre Politik unverändert lässt. Das war zwar weithin erwartet worden, doch hatten sich zuletzt einige Stimmen gemeldet, die wegen der hartnäckig niedrigen Inflation und eher flauer japanischer Konjunkturdaten eine neuerliche geldpolitische Lockerung für möglich hielten. Beobachter trösten sich damit, dass die BoJ vielleicht im Oktober aktiv wird.

Die Enttäuschung an der Tokioter Börse hält sich daher in Grenzen. Zwar gibt der Nikkei-225 einen Teil seiner Gewinne von anfangs gut zwei Prozent wieder ab, mit plus 0,3 Prozent bei einem Stand von 18.026 Punkten schließt der Index aber positiv. Der breit gefasste Topix verharrt indes mit 1462 Zählern auf dem Stand des Vortages.

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Die chinesischen Handelsplätze Shanghai und Shenzen setzten ihre Talfahrt vom Wochenbeginn fort. Der Leitindex der Börse Shanghai schloss mit einem Minus von 3,5 Prozent. Der Index der 300 wichtigsten Werte in Shanghai und Shenzhen büßte sogar fast vier Prozent ein.

In Sydney büßt der S&P/ASX-200 1,2 Prozent ein. Zur Sorge um China, den wichtigsten Abnehmer australischer Rohstoffe, gesellt sich innenpolitische Unsicherheit. Der bisherige Regierungschef Tony Abbott musste nach einer Amtszeit von nur 24 Monaten am Montag abtreten und den Chefposten dem früheren Kommunikationsminister Malcom Turnbull überlassen.

Devisen: Euro kaum verändert

Der Euro zeigte sich von seiner schwachen Seite und fiel unter 1,13 Dollar zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1320 (Montag: 1,1305) Dollar festgelegt. Der Handel am Devisenmarkt fiel überwiegend ruhig aus. Experten begründeten dies mit der großen Spannung vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank an diesem Donnerstag.

Zum Yen gibt der US-Dollar in Reaktion auf die Entscheidung der japanischen Notenbank, an ihrer Geldpolitik unverändert festzuhalten, deutlich nach. Die Entscheidung war zwar weithin so auch erwartet worden, dennoch kommt der Dollar vom Tageshoch bei 120,60 Yen auf knapp unter 120 zurück. "Um ehrlich zu sein, habe ich so eine starke Reaktion nicht erwartet", sagt Analyst Takuya Kanda von Gaitame.Com Research Institute und ergänzt: "Ich habe aber schon gemerkt, dass die Erwartungen hinsichtlich einer Lockerung zugenommen hatten" im Vergleich zum frühen Morgen.

Rohstoffe: Ölpreise leicht erholt, Gold etwas günstiger

Die Ölpreise erholen sich leicht von den jüngsten Abgaben. Zu Wochenbeginn hatten schwache Daten aus China und die anhaltenden Sorgen eines zu hohen Öl-Angebots die Preise unter Druck gebracht. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI legte um 1,3 Prozent auf 44,59 Dollar zu.

Der Goldpreis bewegt sich weiterhin in einer recht engen Handelsspanne. Auch hier dominiere die anstehende Fed-Sitzung das Geschehen, heißt es. Für die Feinunze müssen aktuell 1104 Dollar bezahlt werden, vier Dollar weniger als am Vortag.

Quelle: n-tv.de

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