Wirtschaft
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Starke Wall Street beflügelt: Dax macht einen kräftigen Satz

Was für ein Endspurt: Der Dax lässt die Melancholie hinter sich und zeigt sich von seiner stärksten Seite. Mehr als zwei Prozent geht es nach oben. Anleger glauben wieder an Profite, Griechenland lässt hoffen und die US-Börsen pushen zusätzlich.

Einstiegspreise gab es heute beim Dax nach einem Kursrutsch von fast 900 Punkten oder sieben Prozent in nur drei Wochen. Und Anleger stiegen ein und zwar gewaltig. Gegen Ende des Handelstages erhielt der Leitindex nochmal einen kräftigen Schub und stieg um 2,4 Prozent nach oben auf 11.265 Punkte. "Einige mutige Marktteilnehmer haben das derzeit niedrige Kursniveau schon für erste Engagements genutzt", sagte Christian Henke von IG Markets zu den Käufen im Dax. Dieser habe die "psychologische Unterstützung" bei 11.000 Punkten verteidigt, nachdem er im frühen Handel erneut unter diese gefallen war.

Gekauft wurden in der Erholung vor allem die als risikoreiches Investment geltenden konjunktursensiblen Aktien wie BASF, Bayer, Deutsche Post, Daimler und Lanxess. Rückenwind kam auch von den ebenfalls starken US-Börsen.

Gleichzeitig hofften Marktteilnehmer auf einen möglichen Durchbruch in der Griechenland-Krise. "Heute ist Griechenland-Tag", sagte ein Händler mit Blick auf das Spitzentreffen zwischen Angela Merkel, Francois Hollande und Alexis Tsipras. "Wenn es heute nicht zu einem Durchbruch kommt, wann dann?", fragt der Marktteilnehmer rhetorisch. Auch die EU-Kommission hält eine rasche Einigung für möglich. Bereits "in den nächsten Tagen" könne eine Übereinkunft erzielt werden, sagte der stellvertretende EU-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis laut der Nachrichtenagentur AFP. Gleichzeitig zeigte sich die EU-Kommission jedoch erneut enttäuscht über die jüngsten Reformvorschläge Athens.

Der Ausverkauf an den Rentenmärkten ging in eine neue Runde: Anleger trennten sich gleich reihenweise von europäischen Staatspapieren, im Gegenzug zogen die Renditen an. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihen kletterte erstmals seit September vorigen Jahres wieder über ein Prozent.

Deutschland: Gerry Weber mit Horror-Tag

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Der Dax schloss am Ende 2,4 Prozent im Plus auf 11.265 Punkten. Für den MDax ging es 1,6 Prozent nach oben auf 20.061 Zähler. Der TecDax gewann 1,9 Prozent auf 1660 Punkte, der Euro-Stoxx-50 tendierte 2,0 Prozent stärker.

Ehrgeizige Ziele machten Heidelbergcement zum größten Gewinner im Dax mit einem Plus von 4,8 Prozent. Der Konzern will Umsatz und Gewinn deutlich steigern und in den kommenden Jahren auch mehr an die Aktionäre ausschütten.

Oben landeten auch die Aktien der Energiekonzerne RWE und Eon, die 2,7 und 2,2 Prozent stiegen. Laut Handelsblatt könnte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Forderung nach einem Klimabeitrag der Kohlekraftwerke aufgeben. Das könne Teil einer Kompromiss-Lösung sein, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Im Gegenzug sollen besonders alte Kohlekraftwerke sofort vom Netz genommen werden.

Bayer konnten 4,4 Prozent zulegen und landeten auf Platz zwei im Dax. Zuvor hatte der Chemie- und Pharmakonzern mitgeteilt, sein Diabetes-Geschäft an Panasonic Healthcare Holdings verkaufen zu wollen. An dem 2014 gegründeten Unternehmen seien die Panasonic Corporation und der internationale Investor KKR beteiligt. Vereinbart worden sei ein Kaufpreis von 1,022 Milliarden Euro. Bayers Diabetes-Sparte hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 909 Millionen Euro erzielt.

Unterschiedlich schlossen im Dax die Aktien der Deutschen Bank und Commerzbank. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) zog die Konsequenzen aus neuen Vorschriften zur Abwicklung europäischer Banken und senkte die Bonitätsnote der beiden deutschen Geldhäuser und zahlreicher weiterer europäischer Institute. Deutsche Bank stiegen allerdings um 2,1 Prozent, Commerzbank schwächelten jedoch mit einem Plus von 0,8 Prozent.

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Mit Blick auf die Einzelwerte stachen Gerry Weber im MDax besonders negativ heraus, die dramatisch einbrachen und am Ende mehr als 30 Prozent einbüßten. Grund ist eine Gewinnwarnung vom Vorabend: Im laufenden Fiskaljahr soll das operative Ergebnis (Ebit) um bis zu 20 bis 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fallen.

Ganz anders sah es für MDax-Wert Wincor-Nixdorf aus: Die Aktien stiegen um 10 Prozent. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, der Geldautomatenhersteller spreche mit dem US-Konkurrenten Diebold über einen Verkauf an diesen.

Ebenfalls steil nach oben ging es für den TecDax-Wert SMA Solar, der 24 Prozent zulegt. Händler verwiesen auf die angekündigte Zusammenarbeit mit Siemens. "Vor allem bei Ausschreibungen von Großanlagen dürfte SMA damit wesentlich stärker dastehen als bisher", sagte ein Teilnehmer.

Der mögliche Verlust eines Apple-Auftrags beim Konkurrenten AMS belastete die Aktien des Konzerns Dialog Semiconductor. Die Titel fielen um 2,4 Prozent - und war damit einziger Verlierer im TecDax. "Das liegt eindeutig an den Spekulationen zu AMS, das kratzt ein wenig am Image für die ganze Branche", sagte ein Händler.

USA: Erholung nach jüngsten Verlusten

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Mutiger als zuletzt agieren die Anleger an der Wall Street. Zwar blieben die Sorgen um den Anleihenmarkt und um die Griechenland-Krise präsent, doch nach mehreren Tagen ohne Gewinne zeige sich die Börsenwelt nun etwas freundlicher, heißt es. Die europäischen Märkte hätten im Tagesverlauf klar ins Plus gedreht, gestützt unter anderem von einer Erholung bei den Anleihen.

Der Dow-Jones-Index gewinnt 1,3 Prozent auf 18.000 Punkte, der S&P-500 steigt um 1,2 Prozent, der Nasdaq-Composite um 1,2 Prozent.

Beim Angstthema Nummer eins, der Zinswende, fehlt es gegenwärtig an Hinweisen auf die künftige Politik der US-Notenbank. Drei Tage in Folge gab es nun keine relevanten amerikanischen Konjunkturdaten mehr, und auch klärende Aussagen von Fed-Vertretern blieben aus. Umso gespannter blicken die Anleger bereits jetzt auf den Donnerstag, wenn eine ganze Reihe von Daten auf der Agenda steht, voran die stark beachteten Einzelhandelsumsätze.

Die Aktie von Regeneron Pharmaceuticals gibt 2,6 Prozent ab, nachdem ein Beratergremium der FDA die Zulassung des Cholesterinsenkers Praluent zumindest empfohlen hat, der von dem US-Konzern gemeinsam mit Sanofi entwickelt wurde. Allerdings äußerten einige Ausschussmitglieder auch Bedenken und sprachen sich dafür aus, das Medikament nur bei genetisch vorbelasteten Patienten zu verabreichen.

Tesla verlieren 2,1 Prozent, nachdem CFO Deepak Ahuja seinen Rücktritt nach der Ernennung eines Nachfolgers angekündigt hat. Apple hat einstweilen mit einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaften in New York und Connecticut zu kämpfen. Dabei geht es darum, ob der Konzern mit seinem neuen Musik-Streaming-Dienst Wettbewerbsrecht verletzt. Apple steigen um 1,2 Prozent.

Target legen 0,8 Prozent zu. Der Einzelhändler hat seine Dividende angehoben und will nun doppelt so viel Geld wie bislang für Aktienrückkäufe bereithalten. Ein kritischer Analystenkommentar lässt die Aktie von Nvidia um 1,8 Prozent nachgeben. Nomura hat die Anlageempfehlung für die Titel auf Neutral von Buy geändert.

Euro: Marke von 1,13 Dollar zurückerobert

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Angesichts steigender Renditen am Rentenmarkt hat der Euro wieder an Attraktivität gewonnen. Die Gemeinschaftswährung kletterte auf 1,1324 Dollar nach 1,1283 Dollar am Vorabend.

Ein Schwächeanfall des Dollar zum Yen half dem Euro zusätzlich. Der Greenback fiel auf 122,71 Yen von 124,32 Yen am Vorabend. Händler begründeten dies mit Aussagen des japanischen Zentralbankchefs zur Schwäche der Landeswährung. Das hätten einige Anleger als Kaufsignal verstanden, erklärte ein Händler.

Rohstoffe: Ölpreis legt munter zu

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Der Ölpreis setzt seine jüngste Rally fort. Im Blick stehen neue Daten der Opec zur künftigen Nachfrage. Das Kartell rechnet mit einem unveränderten Bedarf von 1,18 Millionen Barrel am Tag, erwartet allerdings auch, dass das gegenwärtige Überangebot an den Ölmärkten in den kommenden Quartalen abebben dürfte.

Dazu passt, dass die Ölvorräte der USA in der vergangenen Woche den stärksten Rückgang seit fast einem Jahr verzeichnet haben. Die Bestände verringerten sich überdies deutlicher, als Analysten erwartet hatten. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI steigt um 1,29 Dollar auf 61,43 Dollar, die Nordsee-Sorte Brent legt 82 Cent auf 65,70 Dollar zu. Der Goldpreis legt rund 9 Dollar je Feinunze zu auf 1.186 Dollar.

Asien: Starker Yen belastet japanische Exportwerte

Nach Aussagen des japanischen Notenbankgouverneurs hat der Aktienmarkt in Tokio im Minus geschlossen. Haruhiko Kuroda sagte vor dem Parlament, er tue sich schwer, einen weiteren Rückgang des realen effektiven Yen-Wechselkurses zu sehen. Dies schickte den Yen nach oben und ließ den Dollar auf den niedrigsten Stand seit zwei Wochen abstürzen. Dies führte zu verstärkten Verkäufen bei den Export- und Immobilienwerten, was den Nikkei-225 schließlich um 0,3 Prozent auf 20.046 Punkte nachgeben ließ.

Bei den japanischen Exportwerten ging es für Denso um 2,3 Prozent abwärts, Tokyo Electron rutschten um 1,6 Prozent ab und die Aktien des Speicherchip-Herstellers Shin-Etsu Chemical fielen um 1,3 Prozent.

In Shanghai ging es nach einem erneut volatilen Handel leicht nach unten. Im Fokus stand die Entscheidung des Indexbetreibers MSCI, chinesische A-Aktien vorerst nicht in seinen Schwellenlandindex aufzunehmen. Der Shanghai-Composite gab um 0,1 Prozent nach. Im späten Verlauf schaffte der Index nach anfänglichen Verlusten sogar den Sprung ins Plus, konnte dieses Niveau aber nicht über die Ziellinie retten.

Quelle: n-tv.de

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