Wirtschaft
Russland lässt militärisch die Muskeln spielen - bei den Anlegern steigt die Nervosität.
Russland lässt militärisch die Muskeln spielen - bei den Anlegern steigt die Nervosität.(Foto: picture alliance / dpa)

Keine Feststimmung zur Weiberfastnacht: Dax mildert seinen Einbruch

Die unsichere Lage in der Ukraine sowie die militärischen Muskelspiele lassen die Stimmung am Markt kippen. Auf breiter Front reagieren die Verkäufer. Zudem haben Anleger auch eine pralle Agenda zu wälzen.

Sorgen vor einer Eskalation der Lage in der Ukraine sowie der erneut verschobene Rekord im S&P 500 haben am Aktienmarkt die Verkäufer aufs Parkett getrieben. Nach zwischenzeitlich satten Verlusten und dem Rutsch unter die 9500er Marke kam der Leitindex mit Öffnung einer festeren all Street wieder etwas zurück.

Letztlich schloss der Dax 0,8 Prozent schwächer bei 9588 Punkten. Das war der tiefste Schlusskurs seit zwei Wochen. Für den MDax ging es letztlich nur knapp 0,2 Prozent hinab auf 16.829 Stellen. Der TecDax büßte 0,6 Prozent auf 1262 Zähler ein. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone verlor 0,4 Prozent auf 3135 Punkte. Der Pariser Leitindex CAC 40 bewegte sich kaum vom Fleck, während der Londoner FTSE 100 etwas zulegte.

Das wiederholte Scheitern des S&P-500-Index am Sprung über den starken Widerstand bei 1.850 Punkten drückte den Dax bis zum Mittag um 1,7 Prozent nach unten.

Auch robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone oder ein solider deutscher Arbeitsmarkt im Februar können keine Stimmung pro Aktien entfachen. Der Ausverkauf am Aktienmarkt belastet den Euro. Profiteur der Verunsicherung an den Finanzmärkten ist der Yen.

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Im Handel wird auf die Spannungen in der Ukraine verwiesen. "Die Spannungen nehmen zu und das lassen die Investoren nicht kalt", sagte ein Börsianer. "Die ganze Situation ist sehr heikel, nicht nur was die Politik und eine mögliche russische Invasion, sondern auch was das Engagement einiger europäischer Banken und Unternehmen in der Ukraine angeht", kommentierte Markus Huber vom Handelshaus Peregrine & Black.

Wenig Erhellendes von Yellen

Darüber hinaus brachten niedrige Teuerungsraten aus mehreren großen Bundesländern wieder das Deflationsgespenst zum Vorschein. Und auch die geringe Zunahme der Geldmenge in der Eurozone im Januar konnte für Konjunktursorgen herhalten. 

Die Ausführungen der Fed-Präsidentin Janet Yellen vor dem Bankenausschuss des Senats haben die Finanzmärkte indes bislang kalt gelassen. "Yellen hat ihre bekannten Positionen wiederholt", sagt ein Händler. Mit Blick auf die zuletzt eher ernüchternden Konjunktursignale habe sie zudem offen gelassen, ob und in welchem Ausmaß diese dem harten Winterwetter geschuldet gewesen seien. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass an der Wall Street die Aussagen im weiteren Handelsverlauf noch "in die positive oder negative Richtung interpretiert werden", sagte der Händler.

Allianz verlieren kräftig

Im Dax sanken Allianz nach Zahlen um 2,3 Prozent. Negativ stößt der DZ-Bank der hohe Nettokapitalabfluss im Bereich der Vermögensverwaltung auf. Zu den Viertquartalszahlen selbst sagt die Bank, dass diese genauso wie der Anstieg der Dividende im Rahmen der Erwartungen ausgefallen seien. Die jetzt gelieferten Zahlen seien aber kein Grund, das Papier weiter nach oben zu treiben. Die logische Konsequenz seien Gewinnmitnahmen.

BASF verbilligten sich um 2,2 Prozent. FMC sanken um 1,2 Prozent. Henkel ermäßigten sich ebenfalls um 1,2 Prozent.

Unter den wenigen Gewinnern legten Lanxess, die sich um 1,5 Prozent festigten. Das Papier setzte damit die Erholung vom Mittwochnachmittag fort, nachdem sie am Vortag im frühen Handel nach schwachen Ergebnissen eingebrochen war. Hauck & Aufhäuser hat die Aktie auf "Kaufen" hochgestuft. Eon kletterten 0,8 Prozent zu. Merck, Conti und Commerzbank vervollständigten das Quintett.

ProSiebenSat1 mit soliden Zahlen

In der zweiten Reihe setzen Aurubis 3,9 Prozent zurück. TAG Immobilien büßten 2,3 Prozent ein. Auf der Kaufliste standen am Ende Hochtief ganz oben und zogen 3,9 Prozent an. Hochtief erhöht die Dividende um 50 Prozent auf 1,50 Euro je Aktie. Zudem lobten Analysten die Ziele des Baudienstleisters für das laufende Jahr.

Salzgitter gewannen 2,9 Prozent an. "Wenn Salzgitter sich morgen optimistisch zum Umbauprogramm für nächstes Jahr äußert, dann dürfte der Kurs davon profitieren", sagte ein Händler. Die Zahlen selbst dürften dagegen als Kurstreiber voraussichtlich ausfallen.

ProSiebenSat1 verteuerten sich 1,6 Prozent. Anleger des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 honorieren die gute Umsatzentwicklung 2013 und den Abbau der Schulden. Einziger Wehrmutstropfen sei, dass die Ebitda-Marge leicht zurückgekommen sei.

Vortagesgewinner unter Druck

Hugo Boss verlieren trotz Kaufempfehlung von Merrill Lynch 0,4 Prozent. Im momentanen Kursniveau seien die mittelfristigen Wachstumsaussichten nicht berücksichtigt. Im Vergleich zu Mitbewerbern hätte Hugo Boss unter anderem ein über dem Branchendurchschnitt liegendes Gewinnwachstum und eine höhere Dividendenrendite zu bieten. Im vergangenen Jahr hatten die Aktien von Boss neun Prozent zugelegt, während der MDax rund 30 Prozent gestiegen war.

Im TecDax brachen SMA Solar 6,0 Prozent ein. Die Papiere gehen nach den starken Kursgewinnen am Vortag auf Tauchstation. Inzwischen ist fast die Hälfte der Kursgewinne vom Mittwoch - als Anleger eine Partnerschaft mit dem dänischen Energietechnikkonzern Danfoss gefeiert hatten - wieder weg. Die Deutsche Bank hat unterdessen ihr Kursziel auf 50 von 40 Euro erhöht und ihre "Kauf"-Empfehlung bekräftigt. Equinet bestätigte dagegen ein Verkaufs-Rating für die Aktien und gab ein Kursziel von 26 Euro aus. Xing gaben 4,0 Prozent nach. QSC fallen um 2,8 Prozent zurück.

Quelle: n-tv.de

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