Versorger ziehen Markt hochDax mit Energie-Schub
Die Einigung auf längere Laufzeiten für Atomkraftwerke treibt zum Wochenstart die Aktien von Energieversorgern in die Höhe. Ungebremste Freude will auf dem Parkett jedoch nicht aufkommen - und das hat gleich mehrere Gründe.
Die geplante Verlängerung
der Laufzeiten von Atomkraftwerken in Deutschland hat dem Dax zu Wochenbeginn zu
einem leichten Plus verholfen. Ausgebremst wurde der Markt jedoch von einem Feiertag in den USA.
DaxDer Dax schloss am Montag
nach schwachen Umsätzen 0,3 Prozent höher bei 6155 Punkten. Die Nebewerteindex MDax trat hingegen bei 8508,33 Punkten
nahezu auf der Stelle. Der TecDax
legte 0,5 Prozent zu auf 769,63 Punkte.
"Der ausgehandelte
Atom-Kompromiss ist der einzige Impulsgeber," sagte ein Händler. Da die Weltleitbörse
in New York wegen eines Feiertages geschlossen war, fehlte den europäischen Märkten
eine wichtige Orientierungsmarke.
Die wirtschaftliche Lage in den USA blieb dennoch eines der wichtigsten Gesprächsthemen in den Handelsräumen. "Die Anleger sind weiterhin skeptisch, was den Zustand der US-Wirtschaft betrifft und warten lieber die nächsten Konjunkturdaten ab," sagte ein Börsianer. Der Kalender für die neue Woche liest sich allerdings recht übersichtlich. Interessant wird es wohl erst am Mittwoch, wenn die US-Notenbank ihr Beige Book über die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Wochen vorlegt.
Anleger strahlen
Zu den größten Dax-Gewinnern
gehörten die Aktien der beiden Versorger Eon
und RWE mit Kursgewinnen von jeweils
1,8 Prozent. Zeitweilig lagen sie über drei Prozent höher. Die B undesregierung hatte
am Wochenende beschlossen, im Schnitt erst zwölf Jahre später als bislang geplant
den Stecker für die deutschen Atomkraftwerke zu ziehen. Analysten erklärten, der
Beschluss falle für die Versorger noch besser aus als ursprünglich angenommen. Energiekonzerne
wie Eon oder RWE würden bei den Kompensationen für die längeren Laufzeiten weit
weniger belastet als erwartet. Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research warnte
jedoch, dass die Laufzeit-Verlängerung noch nicht in trockenen Tüchern sei. Schließlich
sei noch unklar, ob der B undesrat zustimmen müsse. Außerdem habe die SPD bereits
angekündigt, die Verlängerung im Falle einer Regierungsübernahme rückgängig machen
zu wollen. Ein weiterer Börsianer gab zu bedenken: "Es bleibt die Frage, wie
hoch der Investitionsbedarf für zusätzliche Sicherheit der Atomkraftwerke ist."
Mit dem stärksten Tagesplus gingen die Papiere der Deutschen Börse aus dem Handel. Befeuert von einem starken Monatsstart am Aktienmarkt legten die Papiere 2,1 Prozent zu. Mit steigenden Umsätzen rechnen Anleger dabei auch mit guten Geschäften des Börsenbetreibers. Die Abwicklungstochter Clearstream hatte zudem für August einen Anstieg bei den Abwicklungstransaktionen zum Vorjahresmonat um 17 Prozent verbucht.
Zu den Favoriten im Dax zählen außerdem die Aktien der Commerzbank mit einem Kursgewinn von 1,4 Prozent. F undamentale Gründe für den Anstieg waren nicht erkennbar, Händler diagnostizierten jedoch noch etwas Nachholbedarf für die Aktie.
HeidelbergCement
drehten im Verlauf ins Plus und schlossen 1,7 Prozent fester. Händlern zufolge profitierten
die Titel des Baustoffkonzerns von der Aussicht gute US-Geschäfte. US-Präsident
Barack Obama plant offenbar ein milliardenschweres Infrastruktur-Programm.
Gefragt waren zudem Stahlwerte. Als Auslöser nannten Händler einen Bericht des "Handelsblatt", wonach Stahlkocher die Preise Anfang Oktober um r und fünf Prozent anheben wollen. Im Dax stiegen ThyssenKrupp um ein Prozent, im MDax Salzgitter um 1,4 Prozent und Klöckner & Co. um 2 Prozent. Im Kleinwerte-Index gewannen SKW Stahl nach zwischenzeitlich deutlich stärkeren Zuwächsen schlussendlich 0,5 Prozent.
Merck fürchtet Pillen-Knick
Auf der Verliererseite standen die Aktien des Pharma-
und Chemiekonzerns Merck mit einem Minus
von 0,7 Prozent. Die Papiere des Konkurrenten Bayer holten ihre Kursverluste wieder auf und schlossen unverändert.
Berliner Koalitionskreisen zufolge muss sich die Branche auf niedrige Umsätze mit
privaten Krankenversicherern einstellen.
Gemischt fiel das Bild bei
den Autowerten aus: Volkswagen legten
nach einer Kaufempfehlung der Citigroup 0,4 Prozent zu. Dax-Schlusslicht waren hingegen
mit einem Minus von einem Prozent Daimler-Aktien.
Finanzchef Bodo Uebber hatte im Reuters-Interview angekündigt, Daimler wolle für
das laufende Geschäftsjahr wieder eine Dividende ausschütten wolle. "Die Nachricht
wurde offenbar für Gewinnmitnahmen genutzt", sagte ein Händler.
An die MDax-Spitze setzten sich die Aktien des Bezahlfernsehsenders Sky mit einem Plus von 3,7 Prozent. Unternehmenschef Brian Sullivan will den defizitären Sender ohne weitere Kapitalspritze in die schwarzen Zahlen bringen. Lediglich Brenntag schaffte ebenfalls ein Plus von 3,7 Prozent.
Auf der Verliererliste im Nebenwerte-Index standen Bauer, die mit einem Minus von 1,6 Prozent auf den bevorstehenden Abstieg in den SDax reagierten. Sie werden ersetzt durch Axel Springer, die dagegen 1,6 Prozent höher notierten.