Wirtschaft
(Foto: imago/ZUMA Press)

Wenig Bewegung an Wall Street: Dax muss "Mission 11.000" verschieben

Die Eroberung der 11.000er-Marke fällt für den Dax an diesem Handelstag erneut aus. Dennoch bleiben am Ende kleine Gewinne zurück. Befördert werden diese von soliden bis starken Quartalszahlen großer Dax-Konzerne.

Erneut versucht der deutsche Leitindex Dax einen Vorstoß in Richtung 11.000er-Marke - und scheiterte wie so oft in den  vergangenen Tagen, diese Marke zu überwinden. Sein Tageshoch konnte er zwar bei 11.964 Zählern markieren, am Ende blieben aber nur 10.888 Punkte übrig, ein Plus von gerade mal 0,4 Prozent. Die zur Schwäche neigende Wall Street kostet den Index gegen Ende noch Punkte.

Solide bis starke Quartalszahlen deutscher Unternehmen sorgten über die meiste Zeit des Handelstages für Aktienkäufe. So zogen die Kurse von Adidas und Heidelbergcement nach den Ergebnissen der beiden Dax-Unternehmen kräftig an. Auch Infineon konnten sich weit oben in der Dax-Rangliste positionieren.

Gestützt wurden die Aktienmärkte nach wie vor auch von der Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungen der Europäischen Zentralbank. Am Euro-Geldmarkt, wo sich Banken untereinander Liquidität leihen, bröckeln die Zinssätze nach einer Phase der Stabilisierung im Sommer immer weiter ab. Der Benchmark-Zins 6-Monats-Euribor rutschte am Vortag erstmals in den Bereich negativer Zinsen. Angesichts der extrem niedrigen Renditen erscheinen Aktien den Investoren daher als renditeträchtige Alternative.

In den USA standen die Signale jüngst eher wieder auf steigende Leitzinsen. Die sich ausweitende Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone favorisiert aus Sicht von Investoren Anlagen in US-Dollar. Den kurzfristig entscheidenden Impuls könnte der Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag geben.

Frankfurt: Adidas steigt an die Dax-Spitze

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Der Dax schloss 0,4 Prozent höher auf 10.888 Punkten. Kaum Veränderung hingegen beim Nebenwerte-Index MDax, der mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 21.171 Zählern aus dem Handel ging. Nach oben verbesserte sich hingegen der TecDax, der 0,8 Prozent zulegte auf 1811 Punkte. Ein Plus von 0,3 Prozent gab es beim Euro-Stoxx-50, der auf 3450 Punkte stieg.

Mit Blick auf die Quartalszahlen schien Adidas den Vogel abgeschossen zu haben. Fast alle Kennzahlen lagen über den Analystenerwartungen. Zudem hatte der Turnschuhhersteller die Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Jahr erhöht. Adidas setzen sich folgerichtig an die Dax-Spitze und schlossen satte 8,6 Prozent höher.

Heidelbergcement gewannen 2,6 Prozent und waren zweitbester Dax-Wert. Das Unternehmen hatte solide Ergebnisse für das dritte Quartal ausgewiesen und sei mit Italcementi auf dem richtigen Weg, so die Analysten von Baader-Helvea. Trotz eines deutlich geringeren Umsatzes habe das Unternehmen beim operativen Gewinn den Konsenserwartungen entsprochen und beim Gewinn je Aktie positiv überrascht.

Infineon trotzten einem gesenkten Ausblick für das kommende Quartal beim Wettbewerber Qualcomm und legen um 1,3 Prozent zu. VW-Vorzugsaktien weiteten die Verluste vom Vortag aus, sie verloren weitere 2,9 Prozent und rutschten wieder unter 100 Euro.

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Munich Re hatten im dritten Quartal beim operativen Ergebnis die Erwartungen verfehlt. Grund war ein deutlich schwächeres Anlageergebnis. Wie erwartet drückte dies die Aktie, sie verlor 0,1 Prozent. Am Vortag hatte noch der Wettbewerber Hannover Rück positiv überrascht und damit die Messlatte für die Münchener höher gehängt.

"Solide und mit wenig Überraschungen" hieß es im Handel zu den Zahlen der Deutschen Telekom. Der Umsatz habe die Markterwartung knapp verfehlt, was unter anderem an T-Mobile-US liegt. In den USA können Kunden ihre Smartphones jetzt mieten, daher fallen Erlöse bei den Endgeräten nur noch scheibchenweise an, was den Umsatz drückt. Der freie Cashflow und das bereinigte Ebitda überraschten dagegen leicht positiv. Deutsche Telekom schlossen 1,6 Prozent im Minus.

MDax und TecDax: Zahlengewitter in der zweiten Reihe

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Im MDax hatte Rheinmetall positiv überrascht. Der Kurs stieg um 6,9 Prozent. Der Industriekonzern hat nach einem starken Quartal die Jahresprognose erhöht. Auch Fraport hatte solide Zahlen vorgelegt und die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Dies hatten Analysten wie die der Deutschen Bank aber bereits erwartet. Die Aktien legte ebenfalls 2,1 Prozent zu.

Brenntag brachen dagegen um 7,3 Prozent ein. Umsatz und Gewinn lagen deutlich unter den Schätzungen. Bei Lanxess notierten die Aktien 0,2 Prozent im Minus. Zwar konnte das Spezialchemie-Unternehmen gute Zahlen und einen angehobenen Ausblick vorlegen. Jedoch war schon im Vorfeld auf eine noch deutlicher erhöhte Prognose gesetzt worden.

Compugroup im TecDax stiegen um 3,7 Prozent nach einer gesenkten Prognose. Freenet stiegen um 1,2 Prozent nach als "solide" bezeichneten Zahlen. Ebenfalls nach Vorlage von Geschäftszahlen legten Fielmann um 1,5 Prozent zu und Kion stiegen um 4,7 Prozent. Beide Unternehmen bestätigten ihre Prognosen.

USA: Wall Street kaum verändert, sattes Plus bei Facebook

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Die Aktienkurse an der Wall Street geben nach leichten Anfangsgewinnen im weiteren Handelsverlauf wieder Punkte ab. Zum Handelsschluss weisen die Indizes nur sehr geringe Veränderungen auf. Im Vorfeld der US-Arbeitsmarktdaten zum Wochenausklang und den Reden einer Reihe von Fed-Mitgliedern im Handelsverlauf bleiben die Anleger an der Seitenlinie. Kräftig aufwärts geht es dagegen für die Facebook-Aktie, die nach starken Quartalsergebnissen auf ein neues Allzeithoch klettert. Der Dow-Jones-Index verliert lediglich 4 Punkte und schließt bei 17.863 Zählern. Der S&P-500 sinkt um 0,1 Prozent auf 2100 Punkte, und der Nasdaq-Composite geht um 0,3 Prozent auf 5128 Zähler runter.

Weiterhin herrscht keine Klarheit, ob die US-Notenbank im Dezember noch eine Zinserhöhung beschließen wird. Am Vortag hatten sowohl Fed-Präsidentin Janet Yellen als auch der New Yorker Fed-Chef William Dudley eine Zinsanhebung im Dezember als "reale Möglichkeit" bezeichnet. Da die Entscheidung unter anderem von der Entwicklung am Arbeitsmarkt abhängt, stehen die Zahlen für Oktober besonders im Fokus.

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Die Facebook-Aktie klettert zur Eröffnung auf ein neues Rekordhoch bei 110,11 Dollar. Zu Handelsschluss liegt die Aktie mit einem Plus von 5,1 Prozent bei 109,26 Dollar. Facebook hatte mit den Quartalszahlen besser abgeschnitten als von Analysten erwartet. Angetrieben wurde das Wachstum von deutlich höheren Werbeerlösen. Per Handelsschluss am Mittwoch hat die Facebook-Aktie seit Beginn des Jahres bereits um 33 Prozent zugelegt, im Vergleich zu lediglich 2,1 Prozent beim S&P-500-Index.

Nicht überzeugen konnte dagegen der nachbörslich vorgelegte Geschäftsausweis von Qualcomm. Dem Chiphersteller haben schwächere Verkäufe von Smartphonechips sowie Probleme in China im vierten Geschäftsquartal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für das laufende Quartal gab sich das Unternehmen zudem pessimistischer als Analysten. Für die Titel geht es um 10,6 Prozent nach unten. Nachbörslich gewährt noch Walt Disney einen Blick in die Bücher.

Asien: Tokio und Schanghai schließen im Plus

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Die Aktienmärkte in Südostasien haben zunächst unter Zinsängsten in den USA gelitten. Doch der Schrecken darüber legte sich an den meisten Börsen der Region. Vor allem Schanghai und Tokio schlossen mit deutlichen Aufschlägen. US-Notenbankgouverneurin Janet Yellen hatte am Mittwoch wiederholt, dass eine US-Zinserhöhung im Dezember eine reale Möglichkeit sei.

Der Nikkei-Index für 225 führende Werte schloss mit einem Gewinn von 189,50 Punkten oder 1,0 Prozent beim Stand von 19.116,41 Punkten. Händler sprachen aber auch von andauernder Euphorie über das fulminante Börsendebüt der japanischen Post und ihrer Finanzarme am Vortag. Der breit gefasste Topix legte um 14,67 Punkte oder 0,95 Prozent auf den Schlussstand von 1555,10 Punkten zu.

Unter den Einzelwerten gewannen Softbank in Tokio 0,5 Prozent. Der Mischkonzern lieferte durchwachsene Quartalszahlen und will Tausende von Stellen bei der Tochter Sprint streichen. Japan Post Holdings zogen nach ihrer Debütrally des Vortages um weitere 3,4 Prozent an.

Der Schanghai-Composite gewann 1,8 Prozent auf 3523 Punkte und stieg damit auf ein Zweieinhalbmonatshoch. Gleichzeitig drehte der Markt wieder in den Bullenmodus - definiert als Anstieg von 20 Prozent über dem jüngsten Tief. Das hatte der Index nach der Ausverkaufswelle im August erreicht. Die Börse in Shenzhen gewann zwar nur 0,2 Prozent, hatte aber bereits am Vortag 5 Prozent zugelegt.

Devisen: Euro fällt auf tiefsten Stand seit Juli

Die weiter sinkenden Zinsen in der Eurozone lasten derweil immer mehr auf dem Euro. Dieser ist zum Dollar mit 1,0833 auf den niedrigsten Stand seit Ende Juli gefallen. Seitdem konnte sich die Gemeinschaftswährung allerdings wieder erholen auf aktuell 1,0881 Dollar. In den USA standen die Signale jüngst zudem wieder auf steigende Leitzinsen. Die sich ausweitende Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone favorisiert aus Sicht von Investoren Anlagen in US-Dollar. Den kurzfristig entscheidenden Impuls könnte der Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag geben.

Unterdessen steht am Devisenmarkt das britische Pfund unter Druck. Die Bank of England schiebt die Zinswende aus Sorge um die Konjunktur hinaus. Die Währungshüter sehen Gefahren für die britische Wirtschaft durch die schwache Weltwirtschaft. Zudem wurde die Wachstums- und Inflationsprognose gesenkt. Zum US-Dollar fällt das Pfund auf 1,5243 von 1,5390 vor der Entscheidung. Auch zum Euro steht die britische Devise unter Druck.

Rohstoffe: Ölpreise wieder auf Talfahrt

Der Ölpreis kann seine zwischenzeitliche Erholung nicht behaupten und tritt wieder den Rückzug an. Nachdem die US-Lagerdaten nun sechs Wochen in Folge gestiegen seien, trete das Thema Überversorgung wieder zunehmend in den Fokus, so ein Teilnehmer. Für ein Barrel der US-Sorte WTI werden 45,76 Dollar aufgerufen, ein Minus von 56 Cent. Ein Fass der Sorte Brent kostet mit 48,30 Dollar 28 Cent weniger.

Nach zuletzt fünf Handelstagen mit Abgaben hat sich der Goldpreis stabilisiert. Der Preis für die Feinunze liegt mit 1107 Dollar auf dem Vortagesniveau. Mit den Aussagen von Janet Yellen am Vortag hat der Goldpreise seine kompletten Gewinne aus dem Oktober nun wieder abgegeben. Das zinslos gehaltene Gold dürfte weiterhin unter den Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung leiden.

Quelle: n-tv.de

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