Wirtschaft
Unentschlossen und ohne Linie zeigte sich der Dax am heutigen Handelstag.
Unentschlossen und ohne Linie zeigte sich der Dax am heutigen Handelstag.(Foto: imago stock&people)

Enttäuschung pur an der Wall Street: Dax nach holprigem Handel im Minus

Keine Richtung findet der Dax und schließt am Ende mit leichten Verlusten. Dabei ist das Umfeld eigentlich intakt: Die Berichtssaison etwa liefert gute Ergebnisse und in Griechenland bleibt es ruhig. An der Wall Street rumort es dagegen.

Nach einem durchwachsenen Handelstag musste der deutsche Leitindex Dax am Ende mit einem leichten Verlust in den Feierabend gehen: Er fiel um 0,1 Prozent auf 11.512 Punkte. Nach einer schwächeren Handelseröffnung an der Wall Street war der Dax etwas unter Druck geraten und hatte zum Teil ins Minus gedreht. Aber auch die Schwäche bei den Öl- und Minenwerten belastet die Stimmung der Börsianer. Positive Impulse kamen dagegen von der Berichtssaison.

Für Bewegung am Devisenmarkt sorgten die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die auf den niedrigsten Stand seit vier Jahrzehnten fielen. Allerdings sind die Daten im Juli besonders schwankungsanfällig, weil die Automobilhersteller ihre Fabriken für Umrüstungen zeitweise schließen. Vor zwei Wochen waren die Anträge auf den höchsten Stand seit April gestiegen. Trotzdem wird an der Börse nun vermehrt damit gerechnet, dass die US-Notenbank im September das erste Mal seit 2008 die Leitzinsen anheben wird. Der Euro gab in der Folge auf 1,0960 Dollar nach, erholt sich aber anschließend wieder auf knapp 1,10 Dollar.

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In Deutschland kamen gleich eine ganze Reihe von Quartalszahlen. Daimler hat die ohnehin sehr hochgesteckten Erwartungen noch einmal übertroffen. Der Automobilhersteller hat dank sehr guter Ergebnisse der Pkw-Sparte die hohen Prognosen der Analysten geschlagen. Erstmals seit Jahren fuhr Mercedes-Benz Cars mit 10,5 Prozent im zweiten Quartal zudem wieder eine zweistellige Marge ein.

Von Griechenland kam zumindest kein Störfeuer mehr. Das Parlament hatte den nächsten Teil der vereinbarten Reformen gebilligt. Dabei gab es weniger Abweichler in der Syriza-Partei als bei der ersten Reform-Abstimmung. Ab wann an der Börse in Athen wieder gehandelt werden kann, solle in der kommenden Woche entschieden werden, sagte ein griechischer Regierungsvertreter. Die Börse wurde wie die Banken am 29. Juni geschlossen.

Deutschland: Infineon ackern sich an die Dax-Spitze

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Der Leitindex Dax schloss am Ende 0,1 Prozent im Minus auf 11.512 Punkte. Der MDax büßte um 0,4 Prozent ein auf 20.749 Stellen. Der TecDax stieg hingegen um 0,8 Prozent auf 1816 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx notierte 0,1 Prozent schwächer bei 3634 Punkten.

Im Dax behaupteten Infineon mit einem Aufschlag von 2,3 Prozent die Spitze. Die überraschend guten Quartalszahlen von Lanxess sorgten für kräftige Kursgewinne von bis zu 5 Prozent bei der Aktie des Chemiekonzerns. Am Ende legten die Aktien noch 1,6 Prozent zu. "Man hatte auf einen Erfolg des Restrukturierungsprogramms gesetzt und darauf, dass Lanxess als Nachläufer im Dax das höchste Erholungspotenzial hat", sagte ein Händler.

Der Autobauer Daimler hatte exzellente Zahlen vorgelegt, wie es in ersten Reaktionen hieß. Der Konzern habe die ohnehin sehr optimistischen Schätzungen noch einmal übertroffen. "Sowohl das Auto- als auch das Truck-Geschäft laufen operativ noch besser als erwartet", sagte Heino Ruland von Ruland Research. Er hat die Aktie auf der Kaufliste, mit einem Kursziel von 122,70 Euro. Nachdem die Aktie seit Jahresbeginn bereits um 22 Prozent zugelegt hat, verlor sie nun im Zuge von Gewinnmitnahmen 0,6 Prozent.

Volkswagen fielen um 0,2 Prozent. Europas größter Autobauer und eine Investmentgesellschaft des Bankiers Friedrich von Metzler haben sich für 3,7 Milliarden Euro vom Fuhrparkmanager Leaseplan getrennt. Käufer sei ein Konsortium von Investoren, teilte Volkswagen mit. Der Abschluss der Transaktion werde bis zum Jahresende erwartet.

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In der zweiten Reihe zogen Aurubis um 3,9 Prozent an. Wincor Nixdorf legen sogar 2,9 Prozent zu. Als "in Ordnung" werden die Zahlen eingestuft. Umsatz und Gewinn lägen leicht über den Prognosen. "Allerdings sind das nur einstellige Millionenbeträge, die bei einer gegenläufigen Marktentwicklung ganz schnell wieder ausgelöscht werden können", sagt ein Händler. An der langfristigen Problematik des schwachen Geschäfts mit Geldautomaten ändere dies nichts.

Im TecDax springen Software AG um 8,6 Prozent. Operatives Ergebnis und Umsatz liegen etwas über den Erwartungen, die Lizenzumsätze ebenfalls. Den Ausblick hat das Unternehmen bestätigt. "Software hat mit Zwischenberichten mehrfach enttäuscht", sagt ein Händler. Das sei dieses Mal nicht der Fall. Gefragt sind auch die Papiere von Adva, die sich um 1,9 Prozent verteuerten. Der Netzwerkausrüster hatte am Vorabend einen Umsatz- und Gewinnsprung bekanntgegeben.

USA: Indizes angeschlagen

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Enttäuschende Unternehmensbilanzen verdarben den Anlegern an den US-Börsen die Kauflaune. Ermutigende Konjunkturdaten kamen dagegen nicht an. Die Konjunkturdaten des Tages fielen durchweg besser aus als erwartet. Allerdings dürften sie der US-Notenbank auch keinen Grund mehr geben, die erste Zinserhöhung seit Jahren aufzuschieben. In der vergangenen Woche beantragten deutlich weniger A merikaner erstmals Arbeitslosenhilfe als erwartet. Die Zahl der entsprechenden Anträge war so niedrig wie seit 1973 nicht mehr. Der Index der Frühindikatoren und der Chicago Fed National Activity Index überraschten ebenfalls positiv.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,7 Prozent auf 17.732 Punkte. Der S&P-500 gab 0,6 Prozent nach und der Nasdaq-Composite 0,5 Prozent.

An der Börse verloren die Aktien von Caterpillar, 3M und American Express zwischen 2,5 und 3,8 Prozent. Alle drei Unternehmen hatten Quartalsausweise vorgelegt, die nicht zu überzeugen vermochten. Die jüngste Welle von Unternehmensbilanzen brachte allerdings nicht nur Enttäuschungen. Der Automobilkonzern General Motors hat den Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert, weil die US-Kunden des Unternehmens sich verstärkt für profitablere Fahrzeuge wie SUV entschieden. Die Aktie stieg um 3,9 Prozent.

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Sandisk-Aktien verteuerten sich um 17,6 Prozent, nachdem der Hersteller von Flash-Speicherkarten am Vortag nach Börsenschluss zwar einen deutlichen Rückgang von Umsatz und Gewinn gemeldet, dennoch aber besser abgeschnitten hatte als erwartet. Auch bei Chiphersteller Qualcomm brach der Gewinn ein. Das Unternehmen will zwar mit kräftigen Kostensenkungen gegensteu ern, sah sich aber dennoch gezwungen, seine Jahresziele abermals zu senken. Die enttäuschten Anleger schickten die Aktie um 3,8 Prozent nach unten.

Die Apple-Aktie stabilisierte sich nach den heftigen Verlusten vom Vortag und schloss kaum verändert. Der Quartalsausweis, den das Unternehmen am Dienstag nach Börsenschluss in den USA vorgelegt hatte, hatte die Anleger nicht in allen Punkten überzeugt.

Devisen: Euro knapp unter 1,10-Dollar-Marke

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Der Kurs des Euro hat trotz guter Konjunkturdaten aus den USA und enttäuschenden Kennzahlen aus der Eurozone am Donnerstag zugelegt. Nachdem er zwischenzeitlich bis auf 1,1018 US-Dollar geklettert war, wurde er am Nachmittag noch bei 1,0998 Dollar gehandelt. Am Vortag hatte er gut einen halben Cent weniger gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,0999 US-Dollar festgesetzt.

Am Markt wurde die Stärke des Euro mit einer breitangelegten Dollarschwäche begründet. Eine kurzzeitige Gegenbewegung gab es nur, nachdem am Nachmittag die USA mit historisch niedrigen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe überrascht hatten. In der vergangenen Woche hatte es so wenige Erstanträge gegeben wie zuletzt im November 1973.

Der Kurs des Euro pendelte sich aber schnell wieder nahe dem Niveau ein, das er vor der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten hatte. Im Handelsverlauf konnten weder ein überraschend positiver Sammelindex der Frühindikatoren aus den USA noch unerwartet negative Daten zum Verbrauchervertrauen in der Eurozone den Auftrieb des Euro bremsen.

Rohstoffe: Ölpreise kaum verändert, Gold weiter niedrig

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Wenig Bewegung gibt es auch bei den Ölpreisen. Am frühen Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September 56,03 US-Dollar. Das waren zehn Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel minimal um einen Cent auf 49,18 Dollar.

Am Ölmarkt scheint sich zunehmend Ernüchterung breitzumachen. Nach ihrem tiefen Fall seit Sommer 2014 hatten sich die Ölpreise seit Jahresbeginn stabilisiert. In den vergangenen Wochen ging es aber wieder nach unten. Das liegt zum einen an dem hohen Überschussangebot insbesondere aus den Ländern des Ölkartells Opec. Zum anderen belastet der starke Dollar die Nachfrage, weil er Rohöl für Interessenten außerhalb des Dollarraums verteuert.

Allerdings drückt der Ölpreis die Aktien der Branche. Mit Abschlägen von je 0,7 Prozent stellen sowohl die Ölwerte als auch die Rohstoff-Aktien die beiden größten Verlierer unter den Branchenindizes.

Der Goldpreis verharrt weiter unter 1100 Dollar je Feinunze, auch wenn er sich von seinem Vortagestief um 1088 Dollar wieder etwas nach oben absetzen kann.

Asien: Aufatmen nach Apple-Schreck durch

Überwiegend freundlich zeigte sich das Geschehen an den ostasiatischen Märkten. Vor allem in China ging es stramm aufwärts, zumal der Staat erneut den Börsianern beisprang. Ein Hauptthema war die angelaufene Berichtssaison, wo vor allem die Zahlen der US-Unternehmen im Blick standen. Nach dem mit Enttäuschung aufgenommenen Quartalsbericht von Apple am Vortag zeigten sich die Anleger indes bereits wieder zuversichtlicher.

In Schanghai rückte die Börse um 2,4 Prozent vor und lag damit den sechsten Tag in Folge im Plus. Händler sagten, dass vor allem die großen Werte aus dem Banken- und Brokerbereich Eingang in die Depots der Anleger fanden.

In Hongkong stießen die Aktien der Casinobetreiber auf große Gegenliebe, nachdem Sands China im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen hatte.

In Japan legte der Nikkei um 0,4 Prozent zu auf 20.684 Punkte. Allerdings war das Volumen gering, ein Händler sprach von Sommerflaute. Zudem warteten viele Anleger auf die Zahlenwerke der Unternehmen. Derweil wiesen neue Daten einen Anstieg der nach Japan einreisenden Touristen aus, wovon Aktien der Einzelhändler profitierten.

In Südkorea schloss der Markt kaum verändert, obwohl das Wachstum im zweiten Quartal mit 2,2 Prozent enttäuschte nach 2,5 Prozent im ersten Quartal. Der Ausbruch der Mers-Krankheit hatte die Ausgaben der Verbraucher gedrückt, da viele von ihnen zu Hause blieben. Aber auch der Export zeigte sich schwach.

Quelle: n-tv.de

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