Wirtschaft
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Allzeithoch bei 10.208 Punkten: Dax pulverisiert alte Rekorde

Der deutsche Aktienmarkt explodiert zum Ende des Handelswoche förmlich - und der Dax markiert einen Rekordstand nach dem nächsten. Zum Schluss bleiben 10.168 Punkte stehen - das bedeutet einen Wochengewinn von mehr als fünf Prozent.

Zum Ausklang einer turbulenten Börsenwoche zeigte sich der deutsche Leitindex von seiner besten Seite: Am späten Nachmittag holte der Dax mächtig Schwung und schoss auf ein neues Allzeithoch bei 10.208 Punkten. Nur noch leicht niedriger lag der Schlussstand: 10.168 Zähler, ein Zuwachs von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vortag und immer noch besser als das bisherige Rekordhoch vom 5. Dezember, das bei 10.093 Punkten lag.

"Das Konjunkturprogramm schwacher Euro greift", kommentierte ein Händler die Entwicklung. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel bei 1,1460 Dollar auf den tiefsten Stand seit November 2003. "Unterstützung von der EZB brauchen wir eigentlich nicht mehr", sagte der Händler mit Blick auf die Europäische Zentralbank, die in der kommenden Woche Wertpapierkäufe bekanntgeben dürfte. "Draghi hat mit dem schwachen Euro seinen Job eigentlich schon erledigt", ergänzte er.

Der Nebenwerte-Index MDax markierte ebenfalls ein Allzeithoch nach dem anderen und schloss am Ende 0,6 Prozent im Plus bei 17.675 Zählern - zuvor hatte er bereits bei 17.715 Punkten ein Rekordhoch markiert, das bis zum Montag Bestand haben wird. Sogar der über den Tag eher pomadige TecDax gesellte sich gegen Ende zu seinen aufstrebenden Index-Brüdern und stieg leicht um 0,2 Prozent auf 1439 Punkte.

Zu Beginn des Handelstages war der Dax aufgrund von Gewinnmitnahmen und mauen Vorgaben aus den USA und Japan noch belasten worden. Die Verbraucherpreise in der Eurozone für Dezember hatten sich jedoch wie erwartet entwickelt. Die Preise sind um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen, im Kern aber um 0,4 Prozent gestiegen. Außerdem stützte die bereits erwähnte Hoffnung der Anleger auf ein Wertpapierkaufprogramm der EZB: "Ich kenne einige Fondsmanager, die nicht short in die nächste Woche gehen wollen", sagte ein Marktteilnehmer.

RWE-Aktie spurtet nach wahrscheinlichem Dea-Verkauf nach oben

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Zu den Einzelwerten: Am Aktienmarkt kam die Nachricht gut an, dass RWE mit dem Verkauf seiner Gastochter Dea fast am Ziel ist: Die Aktie des Energiekonzerns legte um 4,4 Prozent zu und war mit Abstand stärkster Wert im Dax. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben mit der russischen Investmentgesellschaft Letter One eine finale Einigung erzielt. Stark waren auch ThyssenKrupp, die 2,9 Prozent gewannen.

Zudem zeigten sich die Autowerte im Dax ebenfalls stark: Volkswagen und BMW legten jeweils 2,8 Prozent zu, Daimler 2,0 Prozent und der Zulieferer Continental 1,9 Prozent. Beflügelt wurden sie von der Erholung am europäischen Automarkt: Wie der Branchenverband Acea mitteilte, sind 2014 in Europa mit gut 12,5 Millionen Fahrzeugen 5,7 Prozent mehr abgesetzt worden als im Vorjahr. Unter den deutschen Herstellern glänzt die Volkswagen-Gruppe mit einem überdurchschnittlichen Plus von 7,2 Prozent, BMW verkaufte 4,6 Prozent mehr Autos, Daimler 3,5 Prozent.

Oben mit dabei waren auch heute wieder Beiersdorf, die um 1,5 Prozent stiegen. Die Aktie hat innerhalb der vergangenen Woche mehr als 7 Prozent gewonnen. Am Donnerstag hatte der Konsumgüterkonzern überraschend starke Jahreszahlen vorgelegt.

Lufthansa unter Druck

Mit Verlusten von 3,0 Prozent führten Lufthansa die Verliererliste im Dax an. Im Handel wurden drei Gründe für die Verluste genannt. Erstens die Herunterstufung der Aktie auf "Underperform" durch die Credit Suisse. Zweitens die neue Streikgefahr, nachdem die Vereinigung Cockpit dem Vorstand vorgeworfen hat, dieser strebe in dem Tarifkonflikt weder Lösungen noch eine friedliche Einigung mit den Piloten an. Und drittens die Folgen der SNB-Mindestwechselkurs-Entscheidung für Lufthansa über deren Swiss-Air-Tochter.

Im MDax zeigte sich die Aktie von Kupferproduzent Aurubis erneut stark, nachdem der Preis für das Industriemetall sich langsam wieder erholt: Aurubis stiegen um 3,2 Prozent. Noch besser präsentierten sich Deutsche Annington und TAG Immobilien, die um 4,0 und 3,8 Prozent anzogen und das Spitzen-Duo im Nebenwerte-Index bildeten.

Kuka litten unter der Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizer Notenbank SNB, verloren 2,5 Prozent und landeten am MDax-Ende. Das Unternehmen hat sich mit der Swisslog-Übernahme ein starkes Standbein in der Schweiz eingekauft - durch die nun eingetretene Franken-Aufwertung haben Schweizer Unternehmen jedoch einen Wettbewerbsnachteil, da ihre Waren im Ausland teurer werden.

Quelle: n-tv.de

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