Wirtschaft
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Schlussakkord in Moll: Dax rauscht runter

Nach zähem Ringen um einen Platz in der Gewinnzone sackt der Dax im späten Handel klar ins Minus. Damit setzt er nicht nur den deutlichen Rückwärtsschritt des Vortages fort, sondern muss auch die Marke von 7600 Punkten verloren geben. Besonders deutlich verlieren Papiere der Deutschen Telekom.

Die Angst vor einer anhaltenden Wirtschaftsflaute in Europa und vor einem globalen Währungskrieg haben die Finanzmärkte zum Wochenausklang in Schach gehalten. Immer wieder versuchte der Markt zaghaft, in die Gewinnzone vorzustoßen, blieb dabei jedoch an den Vortagesschlussständen hängen. Kurz vor Schluss des elektronischen Handels gab der Leitindex dann deutlich nach und fiel klar unter die Marke von 7600 Zählern, die am Morgen noch erfolgreich verteidigt wurde.

Der Dax beendete den Handel mit einem Tagesminus von 0,5 Prozent bei 7593,51 Punkten. In der zweiten Reihe blieben unterm Strich dagegen kleine Zuwächse stehen: Der MDax stieg um 0,2 Prozent auf 12.964,25 Punkte, der TecDax legte um 0,3 Prozent zu auf 899,55 Punkte.

"Die Rezessionsdaten der Euro-Zone von gestern waren schon ein ordentlicher Schreck, die hallen nach", sagte ein Händler. "Die Abwertungsdebatte beim G20-Treffen ist zwar hauptsächlich ein Thema für den Devisenmarkt, aber wenn der Euro inzwischen rund 15 US-Cent teurer ist als noch im Sommer, dann wird das für unsere Exporteure irgendwann auch ein Thema." Zur Unterstützung seiner exportabhängigen Wirtschaft forciert Japan derzeit eine Abwertung seiner Währung und hat damit eine internationale Debatte ausgelöst.

Zu keiner nachhaltigen Stimmungsänderung führten teils positive Konjunkturdaten aus den USA. Zwar sank im Januar überraschend die Industrieproduktion leicht, doch die Auslastung der Produktionskapazitäten verschlechterte sich weniger stark als erwartet. Darüber hinaus fiel auch das US-Verbrauchervertrauen deutlich besser aus als erwartet.

Tagesverlierer war die Deutsche Telekom, die mit einem Abschlag von 3,3 Prozent aus dem Handel ging. Schuld daran waren Gerüchte über eine mögliche Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone. "Sollten Vodafone und Kabel Deutschland tatsächlich zusammengehen, wird es für die Deutsche Telekom ungemütlicher, gerade auch im Festnetzgeschäft", sagte Equinet-Analyst Adrian Pehl. Bei Kabel Deutschland sorgten die Gerüchte nicht gerade für ein Kursfeuerwerk: Die Papiere schlossen als schwächster Wert im MDax 2,2 Prozent im Minus.

Schwach schlossen auch die Versorger Eon und RWE, die um 1,3 bzw. 1,1 Prozent nachgaben. Bei den Finanztiteln gehörten die Deutsche Börse mit 1,3 Prozent zu den größten Verlierern, auch Munich Re schlossen 1,3 Prozent schwächer.

Eine wahre Achterbahnhfahrt legten die Aktien der Commerzbank aufs Parkett. Nach der Veröffentlichung endgültiger Unternehmenszahlen gaben die Aktien am Morgen zunächst deutlich nach, zogen dann jedoch im Handelsverlauf zeitweise deutlich an. Zu Handelsschluss gehörten sie mit 1,2 Prozent Plus zu den stärkeren Gewinnern, auch wenn sie zeitweise noch größere Zuwächse verbucht hatte. Händler begründeten das Plus der Papiere mit Aussagen von Finanzvorstand Stephan Engels, die Eigenkapitalquote werde 2013 "komfortabel über neun Prozent" liegen. Die vorgelegten Geschäftszahlen vermögen keine Begeisterung auszulösen. "Allerdings erwartet auch niemand berauschende Zahlen von der Coba", sagte Robert Halver, der bei der Baader Bank die Kapitalmarktanalyse leitet. "Hier heißt es eher 'Zeig mir deine Vision für die Zukunft'".

Gegen den Strich des Gesamtmarktes bürsteten auch die Papiere von Lanxess, die mit 3,5 Prozent Plus so stark zulegten wie kein anderer Dax-Titel. Börsianer sahen einen Zusammenhang zu einer positiven Analystenaussage: "Die Citigroup nennt Lanxess heute ein attraktives Übernahmeziel", äußerte ein Händler. Die US-Bank hatte eine Liste potenzieller M&A-Kandidaten veröffentlicht, die vor allem auf die Kombination aus einer soliden Bilanz und einem hohen Cash-Flow abzielt. Hier findet sich die Lanxess-Aktie in der Rubrik von Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von zwei bis zehn Mrd. Euro, allerdings unter 77 anderen europäischen Werten.

Quelle: n-tv.de

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