Wirtschaft
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Coba sehr gefragt: Dax rettet sich ins Plus

Spannend macht es der Dax am ersten Tag der Handelswoche. Zunächst markiert er ein neues Jahrestief - und die Verluste vom Freitag scheinen sich fortzusetzen. Nach zwischenzeitlich satten Aufschlägen ist der Zugewinn am Ende jedoch nur knapp.

Nach dem Abverkauf der vergangenen Wochen haben die Börsen in Europa am Montag  einen Boden gefunden. Zum Wochenstart sind erste Käufe von Seiten institutioneller Investoren zu erkennen. Diese Entwicklung war bereits in Asien zu beobachten, wo sich die Minenwerte dem Abwärtstrend entzogen. "Nach den Kursverlusten sind die Bewertungen für einige Aktien teils deutlich niedriger, die Aktien damit billiger", so ein Händler. Das locke die sogenannten Schnäppchenkäufer an den Markt, die die vermeintlich billigen Werte einsammelten.

Nach Kursverlusten am Vormittag schloss der Dax 0,3 Prozent im Plus bei 8812 Punkten, nachdem er am Vormittag mit 8700 Punkten sein Jahrestief markiert hatte. Der MDax verlor leicht um 0,3 Prozent und landete bei 14.947 Punkten. Der TecDax büßte 1,2 Prozent ein und fiel auf 1144 Zähler.

Auch die Hoffnung auf eine Entspannung in der Ukraine-Krise hilft dem Dax. Der russische Präsident Wladimir Putin hat die russischen Truppen von der Grenze zur Ukraine zurückbeordert. Zudem ist ein neuer Gipfel zwischen dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und Putin geplant. Sie wollen in dieser Woche in Mailand zu Gesprächen über die Beilegung des Konflikts im Osten des Landes zusammenkommen.

Neue Handelsdaten aus China sind besser als erwartet ausgefallen. Die September-Exporte sprangen um 15,3 Prozent und deuten auf eine anziehende Nachfrage aus den entwickelten Staaten hin, sagt HSBC-Volkswirtin Ma Xiaoping. Auch die gestiegenen Importe nach dem Fall im August nähren die Hoffnungen, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt noch ihr ausgegebenes Ziel erreichen kann, im Jahr um 7,5 Prozent zu wachsen. Auf die Stimmung schlagen jedoch die begleitenden Kommentare von Chinas Notenbank. Ein Vertreter der Zentralbank sieht angesichts der Daten kurzfristig keine Notwendigkeit für Wirtschaftsstimuli.

In den USA geht die Bilanzsaison in den nächsten Tagen in die heiße Phase. Großbanken wie Citigroup, JP Morgan (beide Dienstag), Bank of America  (Mittwoch), Goldman Sachs (Donnerstag) und Morgan Stanley (Freitag) legen ihre Ergebnisse für das dritte Quartal vor.

Lufthansa und Fraport mit soliden Zahlen

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von Infineon, die sich nach einer Herunterstufung durch JP Morgan um 2,1 Prozent verbilligten. Die Analysten hatten die Titel auf "Neutral" von "Overweight" gesetzt. Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer sieht sich mit einer Schadenersatzkampagne gegen eines seiner Medikamente konfrontiert - die Aktie stieg jedoch um 0,2 Prozent.

Gewinner des Tages waren am Ende Commerzbank mit einem Zuwachs von zwei Prozent. Insidern zufolge hat das im Rahmen der Finanzkrise von 2008 teilverstaatlichte Geldhaus den Gesundheitscheck der Europäischen Zentralbank (EZB) bestanden. Commerzbank und EZB wollten sich zu diesem Thema nicht äußern. Die offiziellen Ergebnisse des Stresstests sollen am 26. Oktober veröffentlicht werden.

Für Lufthansa kamen die Aussagen der Cargo-Tochter gut an. Der Unternehmensbereich will mit Umstrukturierungen die Rendite erhöhen. "Den Kurs stützen sollten aber die Aussagen zum aktuellen Geschäft", sagt ein Marktteilnehmer. Cargo-Chef Peter Gerber sagte dem "Handelsblatt", er erkenne keine Anzeichen von Schwäche: "Das Geschäft zieht so an, wie wir das um diese Jahreszeit kennen", sagte er. Die Anleger sehen das offenbar ähnlich: Die Aktien der Airline schloss ein Prozent höher.

Anleger honorieren Rückkaufaktion bei Rhön-Klinkum

Dazu passend können Fraport mit guten Verkehrszahlen aufwarten, besonders am Flughafen Frankfurt. Dort konnte von einem fast 6-prozentigen Wachstum berichtet werden. Die Titel legten um 1,2 Prozent zu.

Weiterhin relative Stärke erwarten Händler bei Rhön-Klinikum. Das Unternehmen will ab Donnerstag eigene Aktien zurückkaufen. "Das sollte den Kurs stützen", sagt ein Händler. Über den Erwerb eigener Aktien soll ein großer Teil des Verkaufserlöses von drei Milliarden Euro, den Rhön-Klinikum von Fresenius für den Verkauf von 40 Kliniken eingestrichen hat, an die Aktionäre zurückfließen. Wie Rhön mitteilte, geht es nun um die "Auskehrung" eines Betrages von rund 1,7 Milliarden Euro. Die Anleger begrüßten das: Die Aktie stieg um 0,7 Prozent.

"Eine Ebit-Marge von 13 bis 16 Prozent ist eine echte Ansage", so ein Marktteilnehmer zum Ebit-Margenziel von GEA. Auch der Zeitrahmen, dieses Ziel bereits 2017 erreichen zu wollen, sei ambitioniert. Nun komme es darauf an, wie das Unternehmen dieses Ziel erreichen wolle. Die ebenfalls vorgelegten Umsatzzahlen lägen im Bereich der Erwartungen, der Auftragseingang enttäusche leicht. An der Börse wird darauf gesetzt, dass die Analysten ihre mittelfristigen Schätzungen nach oben anpassen, die Aktie legte um 4,2 Prozent zu.

Großauftrag lässt RIB-Aktien steigen

Ein Auftrag der Deutschen Bahn sorgt bei RIB Software für Käufe, der Kurs zog um 8,6 Prozent an. Das Unternehmen spricht vom "größten Auftrag in der 50-jährigen Geschichte der RIB", ohne diesen zu beziffern. "RIB Software hat schon am 4. September einen Großauftrag von der Deutschen Bahn angekündigt. Der sollte mehr als 10 Millionen Euro betragen", sagt ein Händler. Seinerzeit hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass es diesen Auftrag "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erhält". Dies sei nun offensichtlich eingetreten, sagt der Händler.

Käufe auf deutlich niedrigerem Kursniveau ziehen im TecDax vor allem Cancom, QSC, SMA Solar und Software AG auf sich. Die Kursverluste dieser Titel seit Jahresbeginn reichen von 14 Prozent bei Cancom bis zu 53 Prozent bei QSC. "Von ihren Jahreshochs haben Cancom, SMA Solar und Software AG noch viel stärker nachgegeben", sagt ein Händler.

Die Bewertungen seien "in einigen Fällen wohl übertrieben stark zurückgegangen". So handelten Cancom nur noch mit einem "Enterprise Value zum Ebitda" (Unternehmenswert im Verhältnis zu Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) von unter sieben für die Gewinne in diesem Jahr. Im Vergleich zum Peer Bechtle sei das ein Abschlag von 25 Prozent.

Der Kurs von Tipp24 profitiert laut Händlern davon, dass die britische Tochter MyLotto24 ab dem 1. Dezember 2014 keiner steuerlichen Abgabepflicht für die außerhalb Großbritanniens erzielten Bruttospielerträge mehr unterliegt. Die Aktie gewann im SDax 30,7 Prozent hinzu.

Quelle: n-tv.de

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