Kursknick zum HandelsschlussDax rettet sich über Wasser
Nach zeitweise ordentlichen Kursgewinnen hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag kurz vor Handelsschluss seinen Mumm verloren und ist ins Minus gerutscht. Mit aller Kraft konnte sich der Dax in der Schlussauktion noch in die Gewinnzone zurückretten, an der Marke von 5500 Punkten scheiterte der Leitindex jedoch.
Der Dax schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 5498,26 Zählern. Für den MDax ging es um 0,6 Prozent nach oben auf 7289,16 Punkte. Der TecDax kletterte 1,6 Prozent aufwärts auf 784,18 Punkte.
Marktteilnehmer verwiesen auf die Verschiebung einer Rede von Ben Bernanke, die für Mittwoch vor dem World Affairs Council of Philadelphia angesetzt war. Zudem hat sich die Ratingagentur Fitch skeptisch zur Lage in Spanien und Großbritannien geäußert. "Vielleicht werden angesichts der unsicheren Lage aber auch nur schnell Gewinne mitgenommen, nachdem es dem Markt nicht gelungen ist, weiter nach oben zu laufen", meint ein Händler.
Beherrschendes Thema waren mögliche stabilisierende Maßnahmen für Griechenland, Spanien oder Portugal. Die Spekulationen kamen auf, nachdem bekannt wurde, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vorzeitig von einem Treffen internationaler Notenbanker in Sydney abreist, um an dem informellen Gipfel teilzunehmen. Dort soll unter anderem über Konsequenzen aus der Finanzkrise beraten werden. "Der Markt setzt scheinbar darauf, dass es ein Hilfspaket in irgendeiner Form geben wird", sagte ein Händler.
An der Gewinnerspitze legten die Papiere der Deutschen Bank um 2,8 Prozent zu, für die Commerzbank ging es um 0,9 Prozent nach oben. Die Papiere erholten sich damit etwas von den zuletzt auf den Kursen lastenden Sorgen, die hohe Verschuldung einiger Eurozone-Staaten könnte einige Institute in Mitleidenschaft ziehen.
Ein Gewinnsprung beim Konkurrenten Nyse Euronext im vierten Quartal schickte Händlern zufolge die Papiere von Deutsche Börse auf Erholungskurs. Die Aktien des Frankfurter Börsenbetreibers zählten mit einem Plus von 1,2 Prozent zu den größeren Dax-Gewinnern.
Weiter abwärts ging es für SAP-Papiere, die ihre Kursverluste nach dem überraschenden Chefwechsel am Vortag weiter ausbauten. Die Aktien verloren 2,5 Prozent und waren damit größter Dax-Verlierer. Schon am Vortag hatte die Ablösung von Vorstandschef Leo Apotheker für Kursverluste in Höhe von 2,5 Prozent gesorgt. "Das sind die Nachwehen von gestern", sagte ein Händler. "Auch die amerikanischen Investoren haben negativ auf diese Nachricht reagiert."
Heideldruck und Douglas gefragt
Ansonsten gab es insbesondere in der zweiten Reihe Bewegung. Für Aktien von Heidelberger Druck ging es nach "durch die Bank besseren Zahlen" um 4 Prozent hoch. Douglas-Titel profitierten von einem überraschend starken Weihnachtsgeschäft und kletterten um 3,6 Prozent. Die Zahlen des Kranherstellers Demag Cranes wurden am Markt gemischt eingeschätzt. Nach stark schwankenden Kursen stand am Ende ein Minus von 0,3 Prozent. Mit Gewinnen von 5,1 Prozent profitierten Freenet-Aktien von Zahlen und einer ersten Dividende nach zwei Jahren.
Bei den Technologietiteln gaben einmal mehr die Solarwerte den Ton an. Einige Vertreter der Branche wie Solarworld konnten sich erholen, nachdem sich die schwarz-gelbe Koalition auf einen ersten Kompromiss zur Solarstrom-Förderung verständigt hat. Danach soll die Kürzung der Förderung von Solaranlagen auf Dächern erst zwei Monate später als von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) vorgeschlagen ab 1. Juni greifen, allerdings soll sie mit 16 anstatt 15 Prozent etwas höher ausfallen. "Nun ist endlich das Datum und auch der Umfang bekannt", kommentierte ein Händler. Bei Centrotherm Photovoltaics sorgte zudem eine Studie der Citigroup für ein sattes Kursplus von 10,1 Prozent. Dank einer besseren Auftragslage vor allem aus Asien empfehlen die Experten die Titel nun zum Kauf.