Wirtschaft
Am Nachmittag geht es deutlich bergab mit den Ölpreisen - die Aktienmärkte folgen.
Am Nachmittag geht es deutlich bergab mit den Ölpreisen - die Aktienmärkte folgen.

Wall Street schließt im Minus: Dax rutscht auf billigem Öl aus

Deutliche Verluste erleidet der Dax mit dem Preisverfall beim Rohöl am späten Nachmittag. Zuvor belasten bereits Gewinnmitnahmen den Index, der sich den gesamten Handelstag über nicht aus der Verlustzone befreien kann. Am Ende hält die 9400er-Marke gerade so.

Nach einem bereits durchwachsenen Handelstag mit leichten Verlusten kam der deutsche Aktienmarkt mit den fallenden Ölpreisen gegen Ende doch noch kräftiger unter die Räder. Der Dax rutschte um 1,6 Prozent ab und schloss nur knapp über der 9400er-Marke. Die Ölpreise waren nach einer von der Internationalen Energieagentur (IEA) befeuerten Rally am Vortag wieder deutlich zurückgekommen. 

Weniger Auswirkungen hatte zuvor der schwachen Ifo-Index gehabt, der den Dax nur kurzzeitig belastete. Vielmehr hatten vor allem Gewinnmitnahmen den Leitindex gedrückt: Nachdem sich der Dax rund 10 Prozent vom Jahrestief erholt hatte, stieg die Abgabebereitschaft.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex war mit auf 105,7 Punkte schwächer ausgefallen als erwartet und auf den tiefsten Stand seit Dezember 2014 gesunken. Volkswirte hatten damit gerechnet, dass das Konjunkturbarometer von 107,3 im Vormonat auf 106,7 Punkte sinkt. Es war zudem der dritte Rückgang in Folge, was häufig ein rezessives Signal darstellt. Das deutsche BIP-Wachstum für das vierte Quartal war in zweiter Lesung mit plus 0,3 Prozent bestätigt worden, was auch der Erwartung entsprochen hat.

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Großes Thema an den europäischen Aktienmärkten war zudem die angestrebte Fusion von der Deutschen Börse und der London Stock Exchange (LSE). Sollten die Pläne verwirklicht werden, entstünde die drittgrößte Börse der Welt. Die Aktie beider Börsenbetreiber legten kräftig zu. Deutsche Börse legten um 3,2 Prozent zu, LSE um 14,1 Prozent. Der stärkere Kurssprung der LSE erklärt sich aus der geplanten höheren Prämie für die LSE-Aktionäre.  Auf europäischer Ebene stieg der Branchenindex der Finanzdienstleister nun um 1,1 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreis-Rally ist wieder vorbei

Bei den Ölpreisen war die Rally des Vortages schon wieder vorbei. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostet am späten Abend 31,87 Dollar, ein Abschlag von 4,6 Prozent. Für Brent geht es um 3,8 Prozent auf 33,36 Dollar nach unten. Grund für die jüngsten Aufschläge waren Aussagen der Internationalen Energieagentur (IEA). Diese rechnet damit, dass die globale Ölschwemme im nächsten Jahr ihr Ende findet.

Doch das Ende der jüngsten Rally zeige die weiter bestehende Unsicherheit am Markt, hieß es von einem Marktteilnehmer. "Sollten die Preise einmal drei oder vier Tage am Stück zulegen, dann könnte das eine Änderung der fundamentalen Lage bedeuten", sagte Rohstoff-Analyst Edward Bell von der NBD Bank. Unter anderem sorgte der saudische Ölminister Ali al-Naimi für Verluste bei dem Rohstoff. Er schloss eine Kürzung der Fördermengen aus.

Die anhaltend hohe Nachfrage nach börsennotierten Edelmetall-Fonds (ETFs) trieb hingegen den Goldpreis in die Höhe. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 1215,70 Dollar je Feinunze. Die Edelmetall-Bestände des weltgrößten Gold-Fonds, SPDR Gold, stiegen am Montag um 19,33 auf 752,29 Tonnen. Damit stellte er das Plus vom Freitag ein, den größten Anstieg seit August 2011.

Frankfurt: Deutsche Börse dominiert schwachen Dax

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Der Dax schloss am Ende 1,6 Prozent leichter auf 9417 Punkten. Der MDax ließ um 1,4 Prozent nach auf 19.056 Zähler. Leichte Abschläge von 0,4 Prozent gab es beim TecDax, der auf 1620 Punkten fiel. Verluste auch beim Euro-Stoxx-50: minus 1,5 Prozent auf 2891 Stellen.

An der Spitze des Dax standen fast einsam Deutsche Börse, die um 3,2 Prozent zulegten. Einer der wenigen weiteren Gewinner im Dax waren Fresenius, die um 0,1 Prozent auf 57,73 Euro stiegen. Nach einer Kurszielerhöhung griffen Anleger zu. Die Analysten von Exane BNP hatten das Kursziel der mit "outperform" bewerteten Titel hoch auf 70 Euro gesetzt.

Aber vor allem gab es im Dax Verlierer: Am deutlichsten erwischte es Vortages-Profiteur RWE - die Aktie büßte 5,2 Prozent ein. Auch Eon verbilligten sich um 4,4 Prozent.

Einen äußerste schwankenden Tag erlebten die die Titel von Aixtron, nach der Vorlage von Zahlen. Anfangs noch mit deutlichen Gewinnen, brach die Aktie am Ende um 5,0 Prozent ein. Der Verlust sei geringer als befürchtet ausgefallen, sagte ein Händler. Der Ausblick auf den Umsatz für 2016 liege im Rahmen der ohnehin sehr niedrigen Erwartungen.

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Im Nebenwerte-Index MDax schwankten die Papiere von Covestro stark und legten am Ende um 0,9 Prozent zu. Der Kunststoff-Hersteller steigerte das operative Ergebnis um 41 Prozent. Der Ausblick für 2016 bleibt Börsianern zufolge aber hinter den Erwartungen zurück.

Die Aktien von Air Berlin brachen in der Spitze um rund 30 Prozent ein. Wie das Handelsblatt berichtete, erwägen die Gesellschafter einen Rückzug der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft vom Aktienmarkt. Der nächste Schritt könnte dann ein enger Verbund mit der krisengebeutelten Fluglinie Alitalia sein. Das Blatt berief sich auf Unternehmensvertreter. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es weiter. Am Ende verlor der Kurs "nur" noch 17 Prozent.

USA: Verluste auch an der Wall Street

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Die wieder gesunkenen Ölpreise drückten auch die Wall Street deutlich ins Minus. Anleger reagierten auf Schwankungen beim Ölpreis nach wie vor hypersensibel, sagten Analysten. "Der Aktienmarkt und der Ölpreis sind derzeit stark verwoben", erläuterte Ken Polcari von O'Neil Securities. Dies unterstrich die US-Großbank JP Morgan, die die Rückstellungen für Kredite an die Ölbranche erhöhte. Viele Anleger fürchten, dass die Energiekonzerne angesichts des Preiskollaps in die Bredouille geraten und Kreditausfälle die Banken mit in die Tiefe reißen. JP Morgan legt deshalb für potenziell faule Kredite zusätzlich 500 Millionen Dollar zurück. Die Aktien verbilligten sich um vier Prozent.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel um 1,1 Prozent und schloss bei 16.432 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gab 1,3 Prozent auf 1921 Zähler ab. Der Nasdaq Composite verlor 1,5 Prozent auf 4504 Punkte.

"Der Markt sucht immer noch nach Orientierung und reagiert von Tag zu Tag auf den Ölpreis", sagte Scott Brown, Chefvolkswirt bei Raymond James. Das sei zwar nicht gut, zeige aber die Nervosität der Investoren.

Bei den Einzelwerten an der Wall Street gehörten die Papiere von Fitbit zu den großen Verlierern, sie brachen um 7,3 Prozent ein. Der Hersteller von Fitnessuhren und -armbändern enttäuschte die Anleger mit einem unerwartet schwachen Gewinn.

Der Aufschwung auf dem US-Immobilienmarkt kurbelt dagegen die Geschäfte der weltgrößten Baumarktkette Home Depot kräftig an. Der Umsatz kletterte im abgelaufenen Quartal um fast zehn Prozent auf rund 21 Milliarden Dollar, was die Aktien um 1,7 Prozent nach oben klettern ließ.

Im Fokus stand auch der Time-Verlag, der sich einem Bloomberg-Bericht zufolge für das Kerngeschäft des kriselnden Internet-Pioniers Yahoo interessiert. Yahoo-Papiere verloren 1,5 Prozent, die Time-Titel 2,7 Prozent.

Asien: Nikkei nach Gewinnmitnahmen leicht im Minus

Überwiegend mit moderaten Abgaben haben sich die Aktienmärkte in Ostasien und Australien nach dem freundlichen Wochenstart gezeigt. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem die Börsen an den vergangenen Tagen überwiegend zugelegt und einen Teil der schweren Verluste zum Jahresauftakt wieder aufgeholt hatten. Für leichte Verunsicherung sorgte daneben, dass die chinesische Notenbank den Yuan deutlich niedriger fixiert hatte.

Der Nikkei-Index in Tokio verlor 0,4 Prozent auf 16.052 Punkte. Der Shanghai Composite gab 0,8 Prozent auf 2904 Zähler nach. In Sydney, wo der Markt mit einem Minus von 0,4 Prozent schloss, war BHP Billiton das Hauptthema. Der Rohstoffriese hat nach einem Rekordverlust seine Dividende erstmals seit 15 Jahren stark gekürzt, und zwar um 74 Prozent und außerdem eine Vereinfachung seiner Konzernstrukturen angekündigt. Der Aktienkurs legte um über 2,6 Prozent zu.

Auch in Hongkong waren Papiere aus dem Rohstoffsektor gesucht. Unter den Einzelwerten in Tokio fielen Takata um 4,3 Prozent. Sie litten unter einem Pressebericht, wonach der Airbaghersteller möglicherweise in den USA weitere 70 bis 90 Millionen Airbags zurückrufen muss.

Devisen: Euro und Pfund geben leicht nach

Der Euro ist zwischenzeitlich unter die Marke von 1,10 Dollar gerutscht und damit auf den niedrigsten Stand seit rund drei Wochen. Hier belastet der bereits das dritte Mal in Folge gefallene Ifo-Geschäftsklimaindex für Februar. Zunehmend schlage sich die wirtschaftliche Schwäche auch in den Daten wider, heißt es von einem Devisen-Händler. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf die schwächeren europäischen Einkaufsmanagerindizes vom Vortag. Die Daten sprächen für zusätzliche Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ihrer Märzsitzung. Der Euro notiert zu US-Handelsschluss bei 1,1018 Dollar und damit nur knapp über dem Tagestief bei 1,0989 Dollar.

Zu den Verlieren am Devisenmarkt zählt weiter das britische Pfund. Bereits am Vortag hatte die Sorge vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union die Währung des Vereinigten Königreichs belastet. Ein Euro kostet gegen Mittag 0,7809 Pfund. Ende vergangener Woche stand der Kurs für einen Euro noch bei 0,7750 Pfund.

Quelle: n-tv.de

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