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Trotz dickem Plus bei VWDax rutscht runter

11.03.2010, 17:55 Uhr

Zum Greifen nah war die Dax-Marke von 6000 Punkten, doch ein schwacher Start der US-Börsen hat Anlegern mit Hoffnung auf ein Überschreiten der Mega-Marke einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schuld daran sind Sorgen der Börsianer vor einem kräftigen Wachstumsknick in China.

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(Foto: REUTERS)

Der Dax ist am Donnerstag nach einem vielversprechenden Kletterkurs im frühen Handel nach der Eröffnung der US-Börsen klar ins Minus gerutscht. Damit diktierte die negative Lesart chinesischer Inflationsdaten durch die US-Börsen das Handelsgeschehen in Deutschland. An der Marke von 5957 Punkten, mit denen der Dax Ende 2009 aus dem Handel gegangen war, scheiterte der Dax nur drei Punkten.

Der Dax ging mit einem Minus von 0,1 Prozent auf 5928,63 Punkten aus dem Handel. Der MDax verlor 0,3 Prozent auf 7903,34 Punkte. Für den TecDax ging es um 0,8 Prozent abwärts auf 836,5 Punkte.

Quelle der Unsicherheiten waren Preisdaten aus China. Im Reich der Mitte ist im Februar die Inflation stärker als erwartet gestiegen. Dies weckte Befürchtungen vor einer Überhitzung der chinesischen Wirtschaft, was eine Straffung der Geldpolitik nach sich ziehen könnte. Ein Sprecher des Nationalen Statistikbüros erklärte aber, der Anstieg sei auf das chinesische Neujahrsfest und den schweren Schneefall zurückzuführen. Die Börse in Shanghai schloss kaum verändert, während in Tokio der Nikkei-Index anzog.

VW will wandeln

Schlimmeres verhinderte vor allem die Stärke von Volkswagen, die mit 7,7 Prozent Plus aus dem Handel gingen. "Das Management will sich offenbar die Ermächtigung zu einer Wandelanleihe auf bis zu 40 Mio. Vorzugsaktien geben lassen", sagte ein Händler. Dies nehme dem Markt natürlich etwas die Angst vor einer "Mega-Kapitalerhöhung" und dem damit verbundenen Verwässerungseffekt. Noch dazu plane das Management die Kapitalerhöhung wohl nicht mehr für das erste Halbjahr.

Zur Überraschung der Börsianer ließ BMW bereits in die Bilanz blicken - und was Anleger dort sehen, erfreute das Investorenherz. Zwar ist der Gewinn im Krisenjahr 2009 deutlich zurückgegangen, allerdings nicht so stark wie vom Markt ursprünglich erwartet. Für BMW ging es daher um 1,3 Prozent nach oben.

Größter Verlierer waren hingegen K+S, die nach der Veröffentlichung der Jahresbilanz um 2,7 Prozent fielen. "Die Zahlen für das vergangene Jahr haben auf den zweiten Blick einen Schwachpunkt", sagt ein Händler. So resultiere das überraschend hoch ausgefallene EBIT I vorwiegend aus der Spalte "Andere". Zunächst hatte es geheißen, die Zahlen träfen überwiegend die Erwartungen.

Größere Verluste verzeichneten darüber hinaus die Papiere der Deutschen Post, die 1 Prozent abgeben. Bereits am Vortag hatten sie deutlich unter Gewinnmitnahmen gelitten. Auch für den Pharmakonzern Bayer ging es abwärts, die Aktie notierte bei Handelsschluss 1,4 Prozent unter dem Schlusskurs vom Mittwoch.

Kurseuphorie bei Gea

In der zweiten Reihe richteten sich die Blicke auf Gea, die nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen 7,9 Prozent zulegten. Es sieht so aus, als materialisierten sich die Kosteneinsparungen schneller als erwartet, und auch der Ausblick sei ziemlich zuversichtlich, erklärten die Analysten von Merck Finck, die eine Kaufempfehlung in Aussicht stellten. Bislang hatten sie die Titel auf ihrer Verkaufsliste.

Ein schwacher Ausblick verdarb dagegen den Anlegern von Tognum die anfänglich gute Laune. Der Motorenbauer hatte solide Jahreszahlen präsentiert und damit zunächst deutliche Kursgewinne verbucht. Der Auftragseingang und die erwarteten Gewinnmargen ließen die Aktie im Handelsverlauf jedoch um 3,3 Prozent nachgeben, womit die Papiere die Verliererliste im MDax anführten.

Größere Verluste verbuchten auch die Papiere von Rational, die 3,2 Prozent ins Minus kippten. Der Großküchen-Ausrüster hatte zwar ein Rekordergebnis ausgewiesen, bei Umsatz und Ebit die Prognosen aber nicht ganz erreicht. Seit Monatsbeginn hatten Rational-Aktien allerdings schon rund neun Prozent gewonnen. "Die waren super gelaufen, da ist ein kleiner Rückschlag sogar mal gesund", erklärte ein Händler.

Wirbel bei Q-Cells

Das Solarunternehmen Q-Cells tauscht überraschend und mit sofortiger Wirkung seinen Vorstandschef aus. Bei Anlegern sorgte die Eile für Kopfschmerzen, weshalb die Aktie mit 4,5 Prozent Minus der größte Verlierer im Technologieindex TecDax war. Der bisherige Chef Anton Milner wird durch den bisherigen Finanzvorstand Nedim Cen mit übernommen. Cen war erst im Sommer vergangenen Jahres aus dem Aufsichtsrat in den Vorstand gewechselt und war als Geschäftsführer eines Restrukturierungsunternehmens zu Q-Cells gekommen, um das Unternehmen bei der Neuausrichtung zu beraten. Cen betonte, dass sein Vorgänger wegen des Vertrauensverlusts am Kapitalmarkt seinen Rücktritt erklärt habe. Differenzen in der strategischen Ausrichtung habe es nicht gegeben.

Auch andere Solartitel gerieten im Sog von Q-Cells unter die Räder. Solon schlossen 3,8 Prozent im Minus, bei Solarworld fiel der Kurs um 2,5 Prozent.

Die im SDax notierten Aktien von Sixt brachen um 4,4 Prozent ein, nachdem der Autovermieter einen Gewinnrückgang gemeldet hat. Auf ein größeres Plus brachte es nur Patrizia Immobilien, die 4,8 Prozent im Minus schlossen.

Quelle: nne/rts/DJ