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(Foto: imago stock&people)

Minus an der Wall Street: Dax rutscht vor 11.000er-Marke aus

Nachdem er sich über weite Strecken des Handelstages knapp unterhalb von 11.000 Punkten halten kann, gerät der Dax nach einer negativen Eröffnung der Wall Street kräftig ins Rutschen. Schließlich sind es deutlich mehr als ein Prozent, die der Index einbüßt.

Es hat nicht sein sollen mit der 11.000er-Marke. Im Gegenteil: Noch leichter als zum Handelsschluss am vergangenen Freitag ist der Dax in die Woche gestartet. Die Berichtssaison lieferte unverändert die Impulse für die Kursentwicklung bei den Einzelwerten.

Belastet wurde der Dax durch die starken Abschläge bei Continental - der Konzern hatte mit seinen Geschäftszahlen die Erwartungen verfehlt. Zudem sorgte die schwache Eröffnung der Wall Street für weitere Verluste, nach und nach drehte eine Aktie nach der anderen in die Verlustzone. Am Ende schloss der deutsche Leitindex 1,6 Prozent im Minus bei 10.815 Punkten.

Als positiv für deutsche Aktien wurden Aussagen von Bundesbank-Chef Jens Weidmann gelesen, der die hiesige Wirtschaft auf einem robusten Wachstumskurs sieht. Von dem Skandal um VW werde sie nicht belastet. Positiv wurde auch aufgenommen, dass schwächere Exportdaten aus China in Asien weggesteckt werden. Die Exporte fielen im Oktober den vierten Monat in Folge.

Leicht abwärts ging es bei Anleihen. Die Renditen der kurzlaufenden US-Anleihen waren am Freitag auf ein Fünf-Jahres-Hoch gestiegen. Zum einen schichteten Anleger auf der Suche nach Risiko wieder in Aktien um, zum anderen wurde die US-Zinserhöhung eingepreist. "Der Bond-Markt bereitet sich auf die Erhöhung im Dezember vor", sagte Ronald Sanchez von Fiduciary Trust: "Die durchgängige Stärke (im Arbeitsmarktbericht) gibt der Fed Anlass, mit der Normalisierung zu beginnen." Der Euro tendiert mit 1,0735 kaum verändert.

Frankfurt: Conti rutschen ans Dax-Ende

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Der Dax schloss 1,6 Prozent tiefer auf 10.815 Punkten. Für den MDax ging es um 1,5 Prozent nach unten auf 20.979 Zähler. Verluste von 1,0 Prozent waren beim TecDax zu beobachten, der sich auf 1813 Punkte verschlechtert. Der Euro-Stoxx-50 verlor 1,5 Prozent.

In der Dax-Familie standen die Autozulieferer im Blick. Continental fielen nach Zahlen 5,3 Prozent. Die Analysten von Equinet sehen Continental trotz leicht enttäuschender Quartalszahlen auf einem guten Weg. Viele Produkte des Automobilzulieferers seien auf Märkte mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten zugeschnitten. Die starke Positionierung in diesen attraktiven Märkten dürfte die Profitabilität des Konzerns weiter erhöhen.

Bei der Lufthansa spitzt sich der Streit mit der Gewerkschaft UFO wegen des Streiks des Kabinenpersonals zu. Der Konzernvorstand kündigte an, am Abend um 18 Uhr das weitere Vorgehen bekanntzugeben. Die Unsicherheit über die anstehenden Maßnahmen drückte die Aktien um 3,1 Prozent.

An der Spitze des Leitindex standen am Ende als einzige Gewinner Thyssenkrupp mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent und auch Infineon, die 0,3 Prozent zulegten.

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Im MDax standen Leoni unter Druck, die Aktie stellte mit einem Abschlag von 5,2 Prozent den Verlierer im MDax. "Die Ebit-Aussage enttäuscht", sagte ein Händler. Leoni hatte zuvor mitgeteilt, dass das 2015er Ebit bei 130 Millionen Euro gesehen werde. "Der Konsens liegt bei 166 Millionen Euro und damit über 20 Prozent höher", so der Händler weiter. Folglich dürften erneut einige Analysten unter Zugzwang geraten, ihre Einschätzungen nach unten anzupassen.

Manz fielen nach Vorlage von Zahlen um 2,1 Prozent. "Die Kosten für die Restrukturierung haben im dritten Quartal das Ergebnis stärker belastet als erwartet", sagte ein Händler. Der nächste Kursimpuls dürften nun Details zum Unternehmensumbau sein, die Manz Ende November geben wolle. Bei Kabel Deutschland ging es nach Zahlen um 3,8 Prozent nach unten.

USA: Wall Street baut Verluste weiter aus

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Die US-Börsen gehen mit deutlichen Verlusten in die neue Woche. Der Dow-Jones-Index verliert 1,0 Prozent und schließt bei 17.731 Punkten. Der S&P-500 gibt ebenfalls um 1,0 Prozent auf 2079 Zähler nach, der Nasdaq-Composite rutscht um 1,0 Prozent auf 5095 Punkte ab.

Nach den überraschend starken Arbeitsmarktdaten vom Freitag ist die Wahrscheinlichkeit deutlich gestiegen, dass die US-Notenbank schon im Dezember die Zinswende einleiten wird und die Ära des billigen Geldes allmählich endet.

Ansonsten ist die Nachrichtenlage am Montag eher dünn. Es stehen keine wichtigen Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, und Unternehmensergebnisse kommen vorwiegend aus der zweiten Reihe, unter anderem von Dish Network und Priceline. Das Online-Reiseportal Priceline hat im dritten Quartal zwar überraschend gut verdient, doch enttäuschte der Ausblick. Die Priceline-Aktie verliert 9,4 Prozent. Satellitenbetreiber Dish steigerte den Gewinn im dritten Quartal deutlicher als erwartet, verlor netto aber 23.000 Bezahlfernsehkunden. Die Aktie gibt um 0,9 Prozent nach.

Schon am Freitag nach Börsenschluss an der Wall Street hat Berkshire Hathaway Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Die Holdinggesellschaft von Investorenlegende Warren Buffett hat den Gewinn im Quartal mehr als verdoppelt, was vor allem einem Investitionsgewinn aus der Beteiligung an Kraft Heinz zu verdanken war. Die Aktie verliert 1,5 Prozent.

Asien: Yen-Schwäche beschert Nikkei satte Gewinne

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Ein schwächerer Kurs des Yen hat an der Tokioter Börse für deutliche Gewinne gesorgt. Händler machten für die Wechselkursentwicklung unerwartet starke US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag verantwortlich, die auf eine US-Zinsanhebung im Dezember hindeuten. Auch in China ging es bergauf. Experten zufolge trug dazu die Entscheidung der chinesischen Finanzmarktaufseher bei, nach den heftigen Kursturbulenzen im Sommer nun wieder Börsengänge zuzulassen.

Die am Sonntag veröffentlichen Daten zu den chinesischen Ein- und Ausfuhren für Oktober waren indes enttäuschend ausgefallen. Der Tokioter Leitindex Nikkei der 225 führenden Werte schloss knapp zwei Prozent höher bei 19.642 Punkten. Der breiter gefasste Topix stieg um 1,75 Prozent auf 1590 Stellen. Der Shanghai-Composite schaffte nach dem 6-prozentigen Vorwochenanstieg ein Plus von 1,6 Prozent auf 3647 Punkte.

Unter den Einzelwerten in Tokio verloren Aktien von Toshiba  7,5 Prozent. Der von einem Bilanz-Skandal erschütterte Elektronik-Konzern hatte am Samstag mitgeteilt, im abgelaufenen Quartal einen Betriebsverlust von umgerechnet rund 600 Millionen Euro erlitten zu haben. Anteilscheine des Sportbekleidungsherstellers Asics brachen um 18 Prozent ein. Der Adidas-Konkurrent hatte seine Erwartungen für den Betriebsgewinn im Geschäftsjahr zurückgeschraubt.

Devisen: Euro verspielt Erholung wieder

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Der Kurs des Euro ist wegen Spekulationen über eine Zinssenkung in der Eurozone unter Druck geraten. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0748 US-Dollar. Bis zum Mittag war der Euro noch bis auf 1,0790 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs auf 1,0776 (Freitag: 1,0864) US-Dollar festgesetzt.

"Medienberichte, nach denen einige EZB-Ratsmitglieder von einer erneuten Senkung des Einlagensatzes ausgehen, haben den Euro unter Druck gebracht", sagte Ralf Umlauf, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Der Einlagensatz, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, liegt bereits jetzt bei minus 0,2 Prozent.

Die Banken müssen der EZB also eine Art Gebühr bezahlen. "Eine Senkung des Einlagensatzes gilt als besonders effektiv, um die eigene Währung zu schwächen", sagte Umlauf. Die Ratsmitglieder erwarteten offenbar eine deutliche Senkung des Einlagenzinses. Im frühen Handel hatte sich der Euro noch von seinen deutlichen Verlusten am Freitag erholt.

Rohstoffe: Ölpreise uneinheitlich

Die Preise für Gold und Öl, die am Freitag ebenfalls von der Erwartung bald steigender US-Zinsen belastet wurden, kommen nach einer zwischenzeitlichen Erholung teilweise ebenfalls wieder zurück. Das Barrel Rohöl der US-Sorte WTI notiert mit 44,33 Dollar ebenfalls ungefähr auf dem Niveau des Settlements zum Wochenausklang. Mit dem Preis für die Nordsee-Sorte Brent geht es hingegen 45 Cent nach oben auf 47,87 Dollar.

Für den Ölpreis sind höhere US-Zinsen insofern ungünstig, als sie den Dollar aufwerten lassen. Da Öl in der US-Währung bezahlt wird, verteuert sich der Rohstoff für Abnehmer aus dem Nicht-Dollarraum, was letztlich die Nachfrage mindert.

Die Feinunze Gold kostet mit 1086 Dollar etwa so viel wie zum Settlement am Freitag. Zum Wochenausklang hatte der Goldpreis um 1,5 Prozent nachgegeben, denn das zinslose Edelmetall wird für Anleger uninteressanter, wenn etwa am Anleihemarkt höhere Renditen winken.

Quelle: n-tv.de

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