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Am Ende bleibt der Dax knapp unter der Marke von 11.900 Punkten stehen.
Am Ende bleibt der Dax knapp unter der Marke von 11.900 Punkten stehen.(Foto: REUTERS)

Wall Street weiter im Minus: Dax scheitert an 11.900-Punkte-Marke

Kein Happy End gibt es für den Dax an diesem Handelstag: Nach größeren Verlusten schließt der Index jedoch nur leicht im Minus. Der weiterhin schwache Euro kann keine Impulse geben. Der Blick richtet sich nun auf den morgigen "Hexensabbat".

Nach unten ging es heute wieder mal mit dem Dax. Auch das Kursfeuerwerk an der Wall Street infolge einer taubenhaften Federal Reserve hat nur einen Tag angehalten, nun nehmen die US-Indizes bereits wieder Fahrt nach unten auf. Mit Spannung wird an der Börse bereits auf den "Hexensabbat" gewartet, den großen Verfalltermin am Terminmarkt zum Wochenausklang.

Die Währungshüter in den USA haben am Vorabend wie erwartet den Passus "geduldig" mit Blick auf die Zinspolitik fallen lassen. Zugleich hat die Fed allerdings die Inflations- und Wachstumserwartungen nach unten angepasst. Beobachter erwarten nun eine erste Leitzinserhöhung erst im September und nicht bereits im Juni. Auch dürften die Leitzinsen in der Folge langsamer steigen als bislang erwartet.

Die Societe Generale sprach von einer "sehr taubenhaften Botschaft" der Fed. Der Dollar geriet nach der Entscheidung der Fed zunächst unter erheblichen Abgabedruck. Der Euro wertete kurzfristig um rund 4 Cent auf über 1,10 Dollar auf, konnte dieses Niveau aber nicht halten und notierte heute fast wieder auf dem Ausbruchsniveau bei 1,0666 Dollar.

Nach Einschätzung der Commerzbank dürfte der US-Dollar in Zukunft nur noch langsam aufwerten. Die Fed habe ein klares Signal an die Devisenmärkte gesendet, das Aufwertungstempo nicht zu übertreiben. Mit einem grundsätzlichen Ende der Aufwertungsbewegung des Dollar rechnen die Analysten allerdings nicht. Schließlich bleibe die Fed im sehr exklusiven Kreis von Zentralbanken, die ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit normalisieren werden.

An der Börse richtet sich der Blick nun auf den großen Verfall-Termin an der Terminbörse Eurex. Am Freitagmittag laufen die Futures auf den Euro-Stoxx-50 und auf den Dax aus. Zudem verfallen die Index-Optionen. Am Abend, zum Schlusskurs, werden die Optionen auf Einzelwerte abgerechnet. Nach der kräftigen Kursbewegung seit Jahresbeginn können größere Kursschwankungen zum Wochenschluss nicht ausgeschlossen werden.

Zu Gewinnmitnahmen bei Europas Aktien raten die Strategen von Bank of America-Merrill Lynch. Das schnelle Geld könnte sich nun aus Europa zurückziehen, nachdem der Kontinent lange dank niedriger Zinsen beziehungsweise. Ölpreisen und eines fallenden Euro geboomt hat. Die jüngste Umfrage unter Fondsmanagern belege, dass es zu einer Rekordgewichtung von europäischen Aktien in internationalen Portfolios gekommen sei. Zudem habe sich der Dax nun 21 Prozent von seinem 200-Tage-Durchschnitt entfernt. Dies sei das höchste überkaufte Niveau seit April 2000 und damit dem Höhepunkt der Dotcom-Blase.

Deutschland: Siemens-Aktien kommen unter die Räder

Der Dax schloss am Ende des heutigen Handelstages mit einem Verlust von 0,2 Prozent bei 11.899 Punkten - sein Tagestief hatte er bei 11.787 Punkten markiert. Der Nebenwerte-Index MDax legte hingegen 0,5 Prozent zu auf 20.786 Zähler.

Für den TecDax ging es um 0,7 Prozent nach oben auf 1640 Punkte, der Euro-Stoxx-50 notierte 0,1 Prozent im Plus bei 3674 Punkten.

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Ein guter Ausblick gab den Aktien von Heidelbergcement zunächst ordentlich Schub, sie schlossen jedoch mit einem Plus von nur noch 0,9 Prozent. Die Dividende lag zwar etwas unter den Erwartungen. "Heidelbergcement wird aber nicht wegen der Ausschüttung gekauft", sagte ein Marktteilnehmer. Operativ laufe das Geschäft "im Rahmen der Erwartungen gut". Im laufenden Jahr sollen Umsatz und Gewinn "deutlich" anziehen.

Als "per Saldo in Ordnung" bezeichneten Händler Zahlen und Ausblick bei Lanxess. "Unter dem Strich ist das nicht so schlimm, wie der Markt befürchtet hatte", sagte ein Händler. Dies habe sich bereits im kräftigen Kursrückgang der vergangenen zwei Tage gezeigt. Dennoch büßte die Aktie 0,1 Prozent ein.

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Deutlich unter Druck gerieten Siemens nach Aussagen zum Geschäftsverlauf. Der Aktienkurs von Deutschlands größtem Technologiekonzern sank um 4,2 Prozent und war damit der schwächste Wert im Dax. "Die Kommentare zum zweiten Quartal enttäuschen", sagte ein Händler. Die Münchner erwarten einen moderaten Rückgang des organischen Umsatzes, vor allem wegen der Schwäche der Sparten Energieerzeugung und Energieverteilung.

Im MDax erholten sich Rheinmetall von den Verlusten der vergangenen Tage. "Der Konzern liefert erst einmal das, was zu erwarten war", so ein Händler zur angepeilten Rückkehr des Rüstungsgeschäfts in die Gewinnzone. Positiv sei, dass der Konzern das Einbringen von Unternehmensteilen in Gemeinschaftsunternehmen nicht mehr ausschließe. Die Aktie schloss mit einem Plus von 4,4 Prozent.

Schwer traf es Kion im MDax, die 3,6 Prozent nachgaben. Allerdings für manche überraschend: Als "inline" hatten Händler Ausblick und Zahlen von Kion bezeichnet. Bei allen wichtigen Kenngrößen wie operativem Ergebnis, Umsatz und Auftragseingängen rechne der Gabelstapler-Hersteller mit weiteren Zuwächsen. Die Dividende wurde auf 0,55 Euro erhöht und damit etwas mehr als die Erwartung von 0,52 Euro. "Per Saldo schließt sich das nahtlos an die guten Vorlagen von Jungheinrich an", sagte ein Analyst.

Nach dem Ausscheiden von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund aus der Champions League verlor die Aktie im SDax 6,4 Prozent. "Mit der Heimpleite gegen Turin steht nun wohl fest, dass der BVB nächstes Jahr nicht in der Königsklasse spielt", sagte ein Händler.

USA: Wall Street sinkt nach Fed-Ansage ins Minus

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Die von der US-Notenbank entfachte Euphorie ist schon wieder weitgehend verpufft. Während der Dollar den Löwenanteil seines Vortageseinbruchs wettmacht, überwiegen an der Wall Street die Minuszeichen. Positiv werten Händler, dass es nach den höchsten Schlusskursen seit Anfang März am Vortag offenbar nicht zu größeren Gewinnmitnahmen kommt. Der Dow-Jones-Index verlor 0,6 Prozent auf 17.959 Punkte. Der S&P-500 gab um 0,5 Prozent nach. Der Nasdaq-Composite gewann dagegen 0,2 Prozent.

"Die Fed hat viele Investoren überrascht. Daher erlebten wir eine Umkehrung vieler Transaktionen, die in den Tagen vor den Fed-Aussagen recht beliebt waren. Heute beobachten wir nun eine Entspannung bei dieser Überreaktion", sagt Marktstratege Art Hogan von Wunderlich Securities mit Blick auf den US-Dollar. Denn der Euro hatte am Vortag in der Spitze um rund 4 US-Cent auf 1,10 Dollar aufgewertet. ist mittlerweile aber wieder auf das Ausgangsniveau abgerutscht.

Der erste Handelstag der Apple-Aktie im Dow-Jones-Index enttäuschend. Die Aktie verlor 0,8 Prozent. Apple hat die Aktie von AT&T aus dem Dow verdrängt. Diese gab 1,2 Prozent ab.

Devisen: Euro rauscht nach Höhenflug wieder runter

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Der Euro liegt am späten Abend bei 1,0640 Dollar. Nach Einschätzung der Commerzbank dürfte der Dollar in Zukunft nur noch langsamer aufwerten. Die Fed habe ein klares Signal an die Devisenmärkte gesendet, die Geschwindigkeit der Aufwertung nicht zu übertreiben. Mit einem grundsätzlichen Ende der Aufwertungsbewegung des Dollar rechnen die Analysten aber nicht. Schließlich bleibe die Fed im sehr exklusiven Kreis von Zentralbanken, die ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit normalisieren werden.

Nach der Entscheidung der Schweizer Nationalbank (SNB) den Einlagesatz bei minus 0,75 Prozent zu belassen, gibt der Euro gegen den Franken auf 1,056 von 1,061 vor der Entscheidung nach. Im Markt wurde spekuliert, dass die SNB den Satz weiter absenken könnte, um dem Aufwertungsdruck im Franken entgegen zu wirken. Nach Einschätzung der Währungshüter ist die Schweizer Währung noch immer überbewertet. Der starke Franken sorgt in der Schweiz für Deflationsdruck. Die Verbraucherpreise sollen dieses Jahr um 1,1 Prozent fallen.

Asien: Gewinnmitnahmen in Tokio

In Japan drückten Gewinnmitnahmen den Nikkei-Index 0,4 Prozent ins Minus. Hier belasteten die durch den Fed-Zinsausblick ausgelöste Schwächung des Dollar - und damit Stärkung des Yen - das Aktiengeschäft. Investoren fürchteten um die Exportgeschäfte japanischer Unternehmen und machten nach der jüngsten Rekordjagd Kasse. Der Shanghai-Composite in China notierte 0,2 Prozent schwächer. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte dagegen 1,6 Prozent zu. Das ist der höchste Tagesgewinn seit 18 Monaten.

Rohstoffe: WTI-Öl sinkt weiter in Richtung 40 Dollar

Am Rohstoffmarkt fallen derweil die Ölpreise weiter. Sie haben damit einen Teil ihrer Vortagesgewinne wieder abgegeben. Das Barrel der US-Sorte WTI verbilligte sich um 1,6 Prozent auf 43,96 Dollar. Die europäische Sorte Brent ermäßigte sich um 2,6 Prozent auf 54,43 Dollar. Hatte Öl, das in Dollar bezahlt wird, am Mittwoch noch von der Schwäche der US-Währung profitiert, rückte nun wieder das Überangebot in den Vordergrund.

Die Ölpreise profitierten nur kurz von den am Vorabend vorgestellten Beschlüssen der US-Notenbank Fed. Die Geldhüter hatten die Zinserwartungen gedämpft und damit den Dollar auf Talfahrt geschickt. Ein schwächerer Dollar macht Öl für Käufer außerhalb der USA attraktiver. Das beherrschende Thema ist jedoch weiterhin das Überangebot auf dem Ölmarkt. Laut am Mittwoch vorgelegten Daten liegen sowohl die Ölproduktion als auch die Lagervorräte in den USA wegen der Schieferölproduktion so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Quelle: n-tv.de

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