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Kaum Bewegung an Wall Street: Dax scheitert an neuem Allzeit-Rekord

Die Luft wird in der Höhe dünner: Das gilt für die Wall Street ebenso wie für den Dax, der nach seinem Sprung über die 11.200 Punkte am Vortag heute nicht wesentlich zulegen kann. Es fehlt an Impulsen. Am Ende reicht es doch noch für einen kleinen Rekord.

Der Dax kam nach seinem jüngsten Rekordlauf heute kaum von der Stelle. "Die Luft für den deutschen Leitindex wird zunehmend dünner", schrieb Marktanalyst Christian Henke vom Wertpapierhändler IG. Auch positiv aufgenommene Unternehmenszahlen gaben letztlich keine Impulse.

Auch sonst waren die Nachrichten zwar börsenfreundlich, neue Kurstreiber blieben aber aus: Die griechische Schuldenkrise scheint vorerst überstanden, die US-Notenbank belässt es wohl noch ein Weilchen bei niedrigen Zinsen. Gestern hatten die Zinsaussagen von US-Notenbankpräsidentin Janet Yellens zunächst die Wall Street und in der Folge auch den Dax zu neuen Höhen getrieben - der deutsche Leitindex hatte ein neues Allzeithoch bei 11.228 Punkten markiert.

"Für einen weiteren Sprung nach oben fehlt kurzfristig der nachrichtliche Impuls, aber nach unten ist der Markt gut abgesichert", sagte ein Händler. Die Zinsaussagen von Yellen vom Vorabend und die in Kürze beginnenden Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank seien über den Tag hinaus stützend für die Börsen.

Deutschland: Dax hat das Allzeithoch in Schlagdistanz

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Der Leitindex Dax notiert am Ende nahezu unverändert auf 11.210 Punkten. Zwar ist es ein neuer Schlussrekord, was bei der Ausgangslage - erst gestern schloss der Dax auf Rekordniveau - keine große Leistung war.

Der Nebenwerte-Index MDax gab 0,4 Prozent nach auf 19.752 Zähler - der in jüngster Zeit ebenfalls stets rekordverdächtige Index knackte gleich am Morgen seine bisherige Bestmarke und stieg auf einen neuen Allzeit-Höchststand bei 19.897 Punkten. Danach kam aber nicht mehr viel aus der "zweiten Reihe" und es ging bis zum Schluss leicht bergab.

Beim TecDax gab es Gewinne von 0,3 Prozent auf 1574 Punkte, der Euro-Stoxx-50 schloss 0,1 Prozent im Minus bei 3542 Zählern.

Deutsche Aktien: FMC sind Tagessieger im Dax

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Im Dax bauten RWE und Eon die hohen Kursgewinne der vergangenen beiden Tage aus. Seit Wochenbeginn sind RWE um fast 8 Prozent gestiegen und Eon um gut 6 Prozent. Händler begründeten die Kursgewinne bereits gestern mit einer möglichen Kürzung der Ausgabe von CO2-Emmissionsrechten seitens der EU. RWE und Eon stiegen um 1,8 und 2,5 Prozent.

Zu den größten Dax-Gewinner gehörten auch Fresenius mit einem Plus von 2,4 Prozent. Der Gesundheitskonzern hat dank deutlicher Zuwächse in seiner Krankenhaus-Sparte einen Rekordgewinn eingefahren. Die Aktien des Dialysekonzerns FMC rückten sogar um 5,2 Prozent vor und waren damit mit großem Abstand Dax-Spitzenreiter.

Zu den Verlierern zählten Commerzbank mit einem Minus von 2,5 Prozent. "Dass die Bank ins Visier der Steuerfahnder gerückt ist, begeistert die Anleger nicht gerade", sagte ein Händler. Die bundesweiten Steuer-Razzien wegen umstrittener Luxemburg-Geschäfte dauern der Staatsanwaltschaft Köln zufolge an.

Im MDax legten LEG Immobilien noch 1,2 Prozent zu, nachdem die Aktie am Vormittag noch deutlicher gewonnen hatte. LEG hatte am Vorabend mitgeteilt, für das laufende Jahr nun ein operatives Ergebnis (FFO) von 195 bis 200 Millionen Euro zu erwarten. Bislang wurden 188 bis 193 Millionen angepeilt.

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Weit oben im MDax stand die Aktie der Aareal Bank, die 0,7 Prozent zulegte. Die durch eine Übernahme deutlich gewachsene Immobilienbank hat 2014 ein Rekordergebnis eingefahren und will die Aktionäre daran teilhaben lassen.

Nach einem positiven Analystenkommentar setzten sich Xing an die Spitze des TecDax. Die Aktien des Online-Portals verteuerten sich um 5,0 Prozent. Die Analysten von Berenberg hatten das Kursziel für die Aktien auf 128 von 113 Euro gesetzt. Xing sei ein schnell wachsendes Karrierenetzwerk, schrieben die Experten in einem Kurzkommentar. Operativ legte Xing 2014 stärker zu als geplant.

USA: Wiederholung des "Yellen-Effekts" bleibt aus

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Die Aktienkurse an der Wall Street nehmen nach den Rekordhochs vom Vortag eine Auszeit. Eine Wiederholung des "Yellen-Effekts" gab es nicht. Die US-Notenbankpräsidentin hatte die Aktienindizes mit ihren Aussagen am Vortag auf neue Höchststände gehievt.

Heute folgte der zweite Teil ihrer Kongressanhörung vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses. Ihre Zusicherung, die Zinsen nur schonend und mit Rücksicht auf die konjunkturelle Lage zu erhöhen, war erwartet worden.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss knapp 0,1 Prozent fester bei 18.224 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor knapp 0,1 Prozent auf 2113 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq trat praktisch auf der Stelle bei 4967 Punkten.

Rohstoffe: US-Öl bleibt unter 50 Dollar

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Der Ölpreis legte zu, obwohl die US-Regierung eine deutliche Zunahme ihrer Rohölvorräte gemeldet hatte. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um 3,5 Prozent bzw 1,71 US-Dollar auf 50,99 Dollar. Die europäische Referenzsorte Brent verteuerte sich um 5,1 Prozent bzw 2,97 Dollar auf 61,63 Dollar. Postive Konjunkturdaten aus China stützten die Ölpreise.

Devisen: Euro von schwächerem Dollar leicht gestützt

Der Euro hat leicht zugelegt. Im späten US-Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1360 US-Dollar und damit etwas mehr als am Morgen. Zeitweise war sie bis auf 1,1389 Dollar gestiegen, die Gewinne konnten aber nicht ganz gehalten werden. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1346 (Dienstag: 1,1328) Dollar festgesetzt.

Asien: Nikkei nach Rekord ohne Gewinn

An den ostasiatischen Börsen herrscht derweil weiter Kauflaune. Nach den Yellen-Aussagen, wonach die erste Zinserhöhung wohl frühestens in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten ist, setzen Anleger weiter auf Aktien. Gestützt wird die gute Stimmung auch von positiven Konjunkturdaten in China. Daneben macht die Entwicklung im Griechenland-Drama die Investoren mutig.

In Japan bewegte sich der Nikkei aber kaum vom Fleck und gibt 0,1 Prozent nach auf 18.585 Punkte. Allerdings befindet sich der Index nach zuletzt vier Handelstagen mit Kursgewinnen weiter auf einem 15-Jahreshoch. Der breit gefasste Topix endete unverändert bei 1508 Punkten. Die Börse in Sydney hat 0,3 Prozent zugelegt.

Ein leicht positiver Impuls für die Börsen vor allem in Schanghai und Hongkong kommt von neuen Konjunkturdaten. Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes ist nach vorläufigen Daten im Februar wider Erwarten etwas gestiegen. Der von der Bank HSBC erhobene Index legte auf 50,1 von 49,7 im Januar zu und schaffte es damit wieder in den Expansion anzeigenden Bereich über 50.

Allerdings warnen Analysten, zu viel in die Daten hineinzulesen, denn angesichts des Chinesischen Neujahresfestes und der Ferien seien die Angaben zu dieser Jahreszeit nicht sehr verlässlich als Indikator.

Quelle: n-tv.de

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