Wirtschaft
Die ganze Anspannung entlädt sich: Der Dax verbucht das größte Tagesplus seit gut sechs Wochen.
Die ganze Anspannung entlädt sich: Der Dax verbucht das größte Tagesplus seit gut sechs Wochen.(Foto: REUTERS)

Anleger feiern US-Jobbericht : Dax schießt hoch

Große Erleichterung an den Börsen nach dem Arbeitsmarktbericht in den USA: Die Wirtschaft schafft im Mai mehr neue Jobs als erwartet. Der Zuwachs in den Vormonaten wird aber nach unten korrigiert. Die gemischten Zahlen wecken Hoffnungen, dass die Fed ihre lockere Geldpolitik vorerst fortsetzen wird. Das weckt den Appetit auf Aktien.

Die Daten vom US-Arbeitsmarkt haben am letzten Handelstag der Woche den Startschuss für eine Schlussrally an den Börsen geliefert. Dax und Dow Jones legten kräftig zu, während Bundesanleihen und Gold abgestoßen wurden. Die Erleichterung basierte darauf, dass die Daten keine konkreten Gründe dafür lieferte, dass die Fed schon bald ihre ultralockere Geldpolitik straffen sollte.

Der Dax legte am Ende 1,9 Prozent auf 8254 Punkte zu. Auf Wochensicht schlägt dennoch ein Minus von knapp zweieinhalb Prozent zu Buche. Am Vortag hatte der skeptische Wirtschaftsausblick der Europäischen Zentralbank (EZB) den Markt belastet.

Für den MDax ging es zum Wochenschluss um 1,0 Prozent auf 13.846Punkte nach oben. Der TecDax stieg um 0,9 Prozent auf 956 Punkte.

Die Fed ist weiter im Spiel

"Der Jobbericht liest sich insgesamt sehr gut", sagte Aktienhändlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. "Die Zahlen zeigen einen soliden und stetigen Jobaufbau." Die etwas schlechtere Arbeitslosenquote bedeute aber zugleich, dass die Fed im Spiel bleibe.

Video

Kurstreiber war vor allem die leicht gestiegene US-Arbeitslosenquote. Sie kletterte auf 7,6 nach 7,5 Prozent. Neben der US-Arbeitslosenquote wurde auch die Zahl der geschaffenen Stellen im Mai gemeldet. Die Daten zeigen, dass die US-Wirtschaft zwar im Mai mehr neue Arbeitsplätze geschaffen hat als erwartet. Gleichzeitig wurde aber der Stellenzuwachs in den beiden Vormonaten nach unten korrigiert. Nach Einschätzung eines Experten der Deutschen Bank dürften die Zahlen die Sorge an den Finanzmärkten vor einem baldigen Ende der lockeren US-Geldpolitik etwas mildern.

"Die Arbeitslosenquote ist gestiegen, dass heißt wir entfernen uns wieder vom Ziel, das sich die Federal Reserve für die Anleihenkäufe gesetzt hat", sagte ein Börsianer in Frankfurt. "Die Anleihenkäufe der Fed dürften erst einmal weitergehen - und damit auch die Party an den Märkten." Insgesamt befinde sich der Arbeitsmarkt in den USA aber auf dem Weg der Besserung. Die US-Notenbank will ihre Nullzinspolitik so lange fortsetzen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent abgeschmolzen ist.

Auch Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank äußerte sich positiv. "Der Stellenzuwachs ist für einen deutlichen Abbau der Arbeitslosenquote zu schwach. Für eine vorschnelle Drosselung der monatlichen Wertpapieraufkäufe der Fed bietet das keine Grundlage", sagte der Experte. Die Finanzmärkte sollten sich freuen, denn die moderate Erholung der US-Wirtschaft setze sich fort und die US-Notenbank dürfte vorerst bei ihrem eingeschlagenen Kurs bleiben. Seit Monaten profitieren die Aktienmärkte von den niedrigen Zinsen, die viele andere Anlagen unrentabel machen.

Mangels Unternehmensnachrichten bewegten bei Einzelwerten vor allem Analystenkommentare. Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Aktien der Deutschen Telekom, die von einer Kaufempfehlung durch Jefferies profitierten. Die Titel stiegen um 1,9 Prozent.

Analystenkommentare machen Kurse

Im MDax gab eine Hochstufung von JP Morgan Gagfah Auftrieb. Die Aktien legten 4,7 Prozent zu. Dagegen drückte eine negative Sektorstudie den Chemiewert Lanxess mit 1,5 Prozent ins Minus. BASF konnte sich dem Sog entziehen und drehte mit 1,7 Prozent ins Plus.

Die stark konjunkturabhängigen europäischen Chemiewerte konnten seit Jahresbeginn nicht mit den steigenden Aktienmärkten mithalten, konstatierten die Analysten von JP Morgan. "Wir bevorzugen defensiv aufgestelltere Titel", hieß es weiter. Für eine mögliche Erholung des Sektors sei es noch zu früh, Chancen darauf gebe es erst nach Auswertung der Zahlen zum dritten Quartal Ende Oktober. Sollte die Nachfrage wieder anziehen, könnten weltweit aufgebaute neue Kapazitäten zudem die Hoffnung auf einen Preisanstieg zerstören.

Im Sinkflug waren dagegen Alstria Office, die sich im SDax um 2,8 Prozent verbilligten. JP Morgan hat die Aktien auf "Underweight" von "Neutral" heruntergesetzt. Das Unternehmen hat zudem mitgeteilt, eine Wandelschuldverschreibung über rund 80 Mio. Euro zu begeben.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen