Wirtschaft
Keine Sorge, der Markt hat den Fall gut abgefedert.
Keine Sorge, der Markt hat den Fall gut abgefedert.(Foto: imago/Pixsell)

Wilder Hexentanz: Dax schlägt Kapriolen

Der große Verfalltermin am Teminmarkt, auch Hexensabbat genannt, sorgt für kräftige Kursbewegungen am deutschen Aktienmarkt. Zeitweise geht es deutlich ins Minus. Viel Zeit zum Glattziehen bleibt in diesem Jahr nicht mehr.

Der Hexensabbat ließ am letzten Handelstag der Woche die Kurse tanzen. Am Mittag liefen zunächst die Futures und die Optionen auf die Indizes aus, am Abend dann die Optionen auf die Einzelwerte. An solchen Tagen ist die Volatilität an der Börse traditionell hoch. Nach einem Kursrücksetzer im Dax um zunächst 200 Punkte ging es am Nachmittag mit Unterstützung der Wall Street nach oben. Am Ende des Tages schloss der Index mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 9.786,96 Punkten.

Die trüben Konjunkturaussichten für die Euro-Zone dämpften die Kauflaune, sagte Analyst Jeremy Batstone-Carr vom Brokerhaus Charles Stanley. "Die Herunterstufungen in Italien demonstrieren, dass wir noch nicht über den Berg sind." Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) benotet nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens auch die Bonität einiger Großbanken des Landes schlechter. Zu dieser Gruppe zählen Unicredit und Intesa Sanpaolo, deren Aktien an der Mailänder Börse zeitweise jeweils rund vier Prozent verloren.

Zur Eröffnung hatten Aussagen der US-Notenbankchefin Janet Yellen vom Mittwochabend die Börsen noch gestützt. Börsianer werteten sie als Hinweis darauf, dass die Fed den Leitzins frühestens im Sommer 2015 anheben wird.

Das Börsenjahr 2014 neigt sich nun rasant dem Ende zu. Es verbleiben nur noch vier Handelstage, die auf Grund der dünnen Volumina allenfalls noch zum Window-Dressing genutzt werden.

Die Stimmung am Anleihenmarkt ist unverändert gut. Er profitiert unverändert von der Hoffnung auf Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank. Die Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentieren in Folge bei nur noch 0,6 Prozent.

Rubel stabilisiert sich

Aufmerksam blickten Investoren außerdem gen Russland, nachdem der Absturz des Rubel die internationalen Börsen tagelang in Atem gehalten hatte. Ein Dollar kostete mit 59,45 Rubel wieder ungefähr so viel wie vor Wochenfrist, nachdem er zwischenzeitlich wegen der Furcht vor einem Kollaps der russischen Wirtschaft auf ein Rekordhoch von 80,10 Rubel geklettert war.

Neben den Sanktionen des Westens wegen der Rolle der Moskauer Regierung in der Ukraine-Krise leidet Russland unter dem Preisverfall des wichtigen Exportguts Erdöl. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich am Freitag zwar um 1,3 Prozent auf 60,58 Dollar je Barrel (159 Liter), notierte wegen des weltweiten Überangebots aber immer noch mehr als 40 Prozent unter dem Niveau vom vergangenen Sommer.

BASF leidet unter geplatztem Deal

Im Dax gehörten BASF mit einem Kursminus von 1,5 Prozent zu den Verlierern. Der Chemiekonzern blies wegen der Spannungen des Westens mit Russland den geplanten milliardenschweren Anteilstausch mit Gazprom ab. Auf die Geschäftszahlen von BASF habe das geplatzte Geschäft nur geringe Auswirkungen, betonte Analyst Paul Walsh von Morgan Stanley. Anleger seien aber enttäuscht, dass BASF die wachstumsschwache Gas-Tochter Wintershall, die sie durch diesen Deal abstoßen wollte, behalte. Die Entscheidung von BASF schürte Spekulationen, dass nun auch der Verkauf von RWE-Dea auf der Kippe steht.

RWE lagen 2,6 Prozent im Minus, laut einem Händler sollten die Anleger dieses Minus sowie die Kursabschläge bei Lufthansa nicht überbewerten: "Beide Aktien leiden mehr unter dem Verfalltag als unter der Nachrichtenlage". Lufthansa seien nicht in dem Maße von der Gewinnwarnung bei Air France betroffen, wie der Kursverlust von 3,5 Prozent nahelege. Und bei RWE gebe es keine aktuellen Anzeichen, dass der Dea-Verkauf in Gefahr sei.

"Tatsächlich wird nur versucht, sie unter die runden Basispreise zu drücken, an denen sie vorher notiert hatten", so der Händler. Dies sei typisch für Verfalltage an den Terminbörsen. Bei Lufthansa sei es um die 14-Euro-Marke gegangen, bei RWE um die 28- und 27-Euro-Marken. Da es sich um kurzfristige Einflüsse handele, könnten sich die Aktien am Montag wieder erholen.

Quelle: n-tv.de

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